Statistisches Bundesamt

Zukünftig mehr alte und weniger arbeitende Menschen

In den kommenden Jahren wird es in Deutschland mehr alte Menschen geben, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter hingegen könnte sinken. Das Ergebnis: mehr Pflegebedürftige und weniger Arbeitende.

Zwei Rentner sitzen auf einer Bank.

© Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Zwei Rentner sitzen auf einer Bank.

Von von Mona Wenisch, dpa

Berlin/Wiesbaden - Mehr ältere, weniger arbeitende Menschen: Die Bevölkerungsentwicklung wird Deutschland in den kommenden Jahren vor Herausforderungen stellen. Denn die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten "Baby Boomer"-Generation werden älter und verschieben die Demografie. So soll es in Deutschland bis 2035 etwa vier Millionen mehr Menschen im Rentenalter geben. Das ist das Ergebnis der Bevölkerungsvorausberechnung, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag in Berlin vorstellte.

Die Zahl der ab 67-Jährigen steige von 16,4 Millionen im Jahr 2021 auf mindestens 20 Millionen bis 2035 an. "Dann wird voraussichtlich jede vierte Person im Seniorenalter sein", sagte Karsten Lummer, Leiter der Abteilung Bevölkerung bei Destatis.

Auch bei den ab 80-Jährigen sei ein Zuwachs zu beobachten, allerdings in einer anderen zeitlichen Reihenfolge. "Die Zahl der Hochbetagten wird noch bis Anfang der 2030er-Jähre annähernd konstant bei 6 Millionen liegen. Danach wird sie tendenziell steigen und im Jahr 2070 zwischen acht und 10 Millionen Personen betragen", sagte Lummer. Damit könne sich der Anteil dieser Menschen in Deutschland von derzeit sieben Prozent auf 14 Prozent verdoppeln. "Die künftige Entwicklung der Zahl der Menschen ab 80 bedeutet, dass der demografisch bedingte Pflegebedarf zwischen 2035 und 2050 besonders stark ansteigen wird", sagte Lummer.

Verschiedene Szenarien errechnet

Die Experten berücksichtigten bei den Berechnungen die Zuwanderung, die Geburtenhäufigkeit und die Lebenserwartung. Sie stellten verschiedene Szenarien auf, wie sich diese drei Faktoren auf die Entwicklung der deutschen Bevölkerung auswirken könnten. Die Corona-Pandemie und die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine beeinflussten laut Lummer die Berechnung. Das "Spektrum der Annahmen" sei deshalb größer als bei vergangenen Vorausberechnungen.

Neben der "Baby Boomer"-Generation werde in den kommenden Jahren vor allem die Zuwanderung für die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland entscheidend sein, teilten die Experten mit. Je nachdem, wie viele Menschen zuwanderten, werde sich auch die Bevölkerungszahl entsprechend verändern. "Bis 2070 ist deshalb sowohl ein Anstieg auf bis zu 90 Millionen bei starkem Zuzug, als auch eine Stagnation oder ein Rückgang auf 75 Millionen bei geringem Zuzug möglich", sagte Lummer.

Nur mit Zuwanderung möglich

Fest steht: Ohne Zuwanderung würden Deutschland Arbeitskräfte fehlen. Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter (zwischen 20 und 66 Jahren) sinke in jedem Szenario der Berechnungen in den nächsten 15 Jahren deutlich, hieß es. 2037 liege ihr Anteil an der Bevölkerung dann bei 56 bis 57 Prozent. Derzeit seien über 50 Prozent aller Menschen im Erwerbsalter 45 Jahre und älter, teilte Destatis weiter mit. "Wenn die stark besetzten Jahrgänge in den kommenden rund 15 Jahren aus dem Erwerbsalter ausscheiden, wird das Erwerbspersonenpotenzial bis Mitte der 2030er-Jahre schrumpfen", hieß es. "Um diese Verluste abzufangen, müssten zwischen 2022 und 2040 per Saldo jährlich etwa 490 000 Menschen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren nach Deutschland zuwandern."

Für ihre Berechnungen betrachteten die Experten die östlichen und westlichen Bundesländer sowie die Stadtstaaten auch getrennt. Die Menschen in den ostdeutschen Flächenländern seien bereits jetzt durchschnittlich deutlich älter als in den Westdeutschen und den Stadtstaaten. Der Anteil der 67-Jährigen und Älteren im Osten habe 2021 bei 24 Prozent gelegen. Im Westen waren es demnach 19 Prozent und in den Stadtstaaten 17 Prozent.

Hier zeichnen sich demnach unterschiedliche Entwicklungen der Bevölkerungszahl ab. "In den westlichen Flächenländern wird die Zahl voraussichtlich stagnieren, in den ostdeutschen Flächenländern wird sie weiter zurückgehen. Lediglich in den Stadtstaaten sehen wir in fast allen Varianten ein Wachstum", sagte Lummer. "Die größte Herausforderung der westdeutschen Flächenländer und der Stadtstaaten wird daher der Anstieg der Zahl der Menschen ab 67 Jahren sein.", sagte Lummer. In den ostdeutschen Flächenländern werde es vor allem der Ausgleich der fehlenden Menschen im arbeitsfähigen Alter sein.

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Erstellt:
2. Dezember 2022, 15:02 Uhr

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