Ringer Frank Stäbler vor Karriereende

„Big Brother war ein gutes Werkzeug, um aus dem Schatten zu treten“

Frank Stäbler beendet an diesem Samstag mit dem Ringer-Event „The Last Fight“ in Ludwigsburg seine Karriere. Im Vorfeld spricht er über die Veranstaltung, die Zeit bei „Promi Big Brother“ – und wie es nach seiner Laufbahn weitergeht.

„Big Brother war ein gutes Werkzeug, um aus dem Schatten zu treten“

Ein Sieger, nicht nur auf der Matte: Frank Stäbler hat das Ringen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.

Von Heiko Hinrichsen

Als dreifacher Weltmeister und Bronze-Gewinner bei Olympia hat sich Frank Stäbler seine sportlichen Träume erfüllt. Jetzt verabschiedet sich der 32-Jährige mit einem Knalleffekt von der Ringermatte – will seinem Sport aber treu bleiben.

Hallo Herr Stäbler, Sie setzen mit „The Last Fight“, einem Ringer-Event mit Showeinlagen in Ludwigsburg, ein echtes Ausrufezeichen zum Ende Ihrer Laufbahn. Wie kam es zu dieser Idee?

Die Überlegung entstand gemeinsam mit meinem Management. Wir wollten meine Karriere nicht einfach so ausklingen lassen, sondern zum Schluss noch ein Highlight setzen. Uns war aber klar, wenn wir es machen, dann ziehen wir etwas professionell auf, was es im Ringen so noch nicht gegeben hat.

Sie hoffen auf eine volle Halle, haben schon 80 Prozent der Tickets verkauft. Was erwartet die Sportfans?

Wir versprechen, dass am 18. Juni in Ludwigsburg das größte Ringer-Event aller Zeiten auf deutschem Boden zu sehen sein wird. Es geht uns nicht darum, Gewinn zu machen, sondern wir möchten am Ende für verschiedene Projekte spenden. Auch das Showprogramm zwischen den mindestens neun Kämpfen ist absolut hochkarätig. Ich darf die Namen der Sänger zwar noch nicht verraten, aber nur so viel: Es handelt sich dabei um zwei deutsche Künstler der Crème de la Crème, die mit ihrer Musik schon an der Spitze der Charts waren. Dazu gibt es unter anderem Auftritte meiner Agenturkollegen, den Turnern Eli Seitz, Andy Toba und Marcel Nguyen.

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Ringen ist eine Randsportart. Welche sportlichen Höhepunkte können Sie bieten?

Als Sportfan darf man sich diesen Abend nicht entgehen lassen. Ich bin unglaublich stolz, weil in Ludwigsburg beinahe die versammelte Weltelite des griechisch-römischen Ringsports auf die Matte gehen wird. Es ist ein unfassbar starkes Feld, es sind fast ausschließlich Europa- und Weltmeister sowie Olympiasieger dabei. Herausragend ist hierbei der Kubaner Mijain Lopez im Schwergewicht, ein Gigant des Ringens, der von 2008 bis 2021 vier olympische Goldmedaillen gewonnen hat und damit der erfolgreichste Ringer aller Zeiten ist. In meinem letzten Kampf trete ich dann gegen den amtierenden Weltmeister und Olympiasieger von 2021, Reza Geraei an, einen Superstar und Nationalhelden aus dem Iran, gegen den ich bei Olympia in Tokio im Viertelfinale ganz knapp und umstritten verloren habe.

Dieser Halbfinalkampf ging 5:5 aus – trotzdem mussten sie sich mit Bronze begnügen. Das müssen Sie erklären.

Das Duell gegen Geraei war in seinem Urteil sehr dubios. Ich habe bis rund 40 Sekunden vor Schluss 5:3 geführt – und bin dann mit meinem Daumen in seinem Trikotträger hängen geblieben. Das war nicht schlimm, denn es gab in diesem Moment keine Aktion. Aber die Schiedsrichter haben mir trotzdem zwei Punkte Strafe und noch eine Verwarnung geben. Deswegen habe ich bei Gleichstand von 5:5 am Ende verloren. Ich habe mit dieser sehr fragwürdigen Entscheidung aber jetzt meinen Frieden gemacht. Meine Bronzemedaille fühlt sich an wie Gold. Aber ein kleines Mosaiksteinchen für eine perfekte Karriere fehlt natürlich. Daher ist es schön, dass ich gegen Geraei nun in meinem letzten Kampf zur Olympia-Revanche antreten kann.

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Haben Sie überhaupt eine Chance?

Ich bin extremer Außenseiter, denn ich habe seit Olympia mein Training heruntergefahren. Eigentlich wollte ich in den letzten sechs Wochen wieder voll angreifen, denn man braucht diese harten Einheiten, um topfit zu werden. Allerdings hat mich die Organisation von „The Last Fight“ so sehr beansprucht, dass es bis zum Kampf weniger Training sein wird als geplant. Ich bin also weit weg von meiner Normalform. Aber ich muss kein Turnier durchstehen, sondern „nur“ einen Kampf bestreiten.

Ein Kampf dauert sechs Minuten . . .

Meine Energiereserven reichen für vier Minuten. Und für die letzten zwei orientiere ich mich an Muhammad Ali, der gesagt hat: ‚Wenn meine Gliedmaßen mich nicht mehr tragen, dann wird mein Herz mich über die Ziellinie tragen.‘ Ich hoffe, dass ich von über 4000 Zuschauern getragen werde, denn mein Gegner wird mir nichts schenken.

Sie waren 2016 bei „Promi Big Brother“ – und haben auch sonst gerne auf sich aufmerksam gemacht. Muss man als Ringer kommunikationsfreudig sein, um es zu Popularität zu bringen?

Ich würde über mich behaupten, dass ich je nach Situation sowohl extrovertiert als auch introvertiert sein kann. Ich wurde 2015 erstmals Weltmeister und hatte mir zuvor gedacht: Wenn du das schaffst, dann hast du Anerkennung, Respekt, ein wenig Ruhm und verdienst gutes Geld. Doch nichts davon wurde wahr. Der Titel war in der Öffentlichkeit nach einem Tag wieder vergessen, und Geld gab es sowieso keines. Das hat mir extrem wehgetan.

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Also haben Sie umgedacht.

Und dafür war „Big Brother“ ein gutes Werkzeug, das viel Gold wert war, weil ich da über zwei Wochen rund fünf Millionen Menschen erreicht habe. Ich hatte mit meinem Coach den Deal: Lass es mich machen – und dann werden wir wieder Weltmeister, und es interessiert viel mehr Leute. Der Plan ist aufgegangen. Ich konnte – leider als fast einziger Ringer – aus dem Schatten heraustreten. Das will ich jetzt nutzen. Ich möchte mit dem Ludwigsburger Kampfabend zeigen, wie geil Ringen sein kann, wenn man es richtig platziert.

Was wird denn nach dem letzten Kampf mit Ihnen passieren?

Ich habe da nichts dem Zufall überlassen, sondern habe meine Karriere nach der Karriere in den vergangenen zwei Jahren geplant. Ein Bereich ist, dass ich als Motivationstrainer arbeiten werde – und hier bin ich schon von vielen Firmen gebucht. Hauptsächlich werde ich aber mit Kindern arbeiten. Ich habe mit dem Kultusministerium des Landes eine Kampagne auf die Beine gestellt, die „Be ready“ heißt. Wir besuchen Brennpunkt-Schulen – und vermitteln die Werte, die auch im Ringen wichtig sind.

Werden Sie bei Ihrem Sport bleiben?

Als Trainer habe ich erst mal sämtliche Anfragen bewusst abgeblockt. Wenn du wirklich gut sein willst, musste du für eine Sache brennen. Ich bin jetzt 28 Jahre auf der Ringermatte gestanden. Ich liebe diesen Sport – und werde ihm immer verbunden bleiben. Ein Ziel von „The Last Fight“ ist es auch, Jugendliche und Kinder für das Ringen zu begeistern. Aber ich sehe mich jetzt nicht gleich in einer Trainerrolle. Irgendwann werde ich aber ganz sicher zurückkommen.

Der Titelsammler

Erfolge Drei WM-Titel (2015, 2017 und 2018) in drei unterschiedlichen Gewichtsklassen, EM-Sieger 2012 und 2020, Olympia-Bronze in Tokio 2021.

Privates wird 1989 am 27. Juni in Böblingen geboren. Der ausgebildete Fachinformatiker und Bürokaufmann ist seit Juli 2017 mit Ehefrau Sandra verheiratet und hat eine Tochter

Buch  Der Frankfurter Journalist Daniel Meuren hat ein Buch über Frank Stäbler geschrieben. „Wenn Dein Herz Dich über die Ziellinie trägt“, lautet der Titel des Werkes, das vorab in der Halle in Ludwigsburg und demnächst im Buchhandel erhältlich ist.

Karten Derzeit sind noch rund 500 Eintrittskarten für den „The Last Fight“-Ringer-Abend am Samstag, 18. Juni (Beginn 18 Uhr) in der Arena Ludwigsburg verfügbar. Tickets gibt es für 30 Euro online unter www.easyticket.de