MTV-Volleyballerinnen sind Meister

Da ist das Ding – und das Double!

Die Stuttgarter Volleyballerinnen gewinnen durch einen furiosen 3:0-Sieg im fünften Finalspiel gegen den SC Potsdam nach dem Pokal nun auch noch die Meisterschaft und lassen sich vom enthusiastischen Publikum in der Scharrena feiern. Die Macher sind überwältigt von ihrem Team.

Alle im Glück: Der MTV bejubelt den Titel.

© Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Alle im Glück: Der MTV bejubelt den Titel.

Von Jochen Klingovsky

Manchmal müssen ungewöhnliche Maßnahmen her. Nach zwei Heimniederlagen in der Finalserie empfahl Aurel Irion, der Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart, seinen Volleyballerinnen, das entscheidende fünfte Duell gegen den SC Potsdam in Auswärtstrikots zu bestreiten. Er selbst trug von Kopf bis Fuß die selben Klamotten wie 2019, als im fünften Spiel der Titel gegen den SSC Schwerin perfekt gemacht worden war. Der Aberglaube hat geholfen, zumindest ein bisschen. „Es war der pure Wahnsinn“, jubelte Irion nach dem 3:0-Sieg, „ich bin dankbar für diese herausragende Mannschaft.“ Der Rest war eine Titelsause, wie sie die Scharrena noch nie gesehen hat.

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Noch eine Stunde nach dem Matchball feierte das Publikum in der ausverkauften Halle seine Mannschaft, beklatschte die tanzenden Spielerinnen, trieb sie zur nächsten Welle der Begeisterung. Das beeindruckte auch den Oberbürgermeister. „Ihr seid die Meisterinnen der Herzen“, rief Frank Nopper ins Mikrofon, „Stuttgart ist stolz auf Euch!“

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können. Am Freitag im vierten Spiel hatte der SC Potsdam zweimal die Chance vergeben, die Serie für sich zu entscheiden. Ein Aufschlag ging ins Netz, einen Angriffsball blockte Mira Todorova. „Dieses Spiel hat nicht unser Gegner gewonnen“, sagte der frustrierte SCP-Coach Guillermo Naranjo Hernández und reagierte damit auf einen ähnlichen Satz seines Stuttgarter Kollegen Tore Aleksandersen nach den beiden Heimniederlagen, „dieses Spiel haben wir verloren. Im fünften Duell waren die Stuttgarterinnen dann allerdings viel besser als wir. Sie haben den Titel absolut verdient.“

Keine Zweifel gelassen

Von Anfang an ließ der Favorit am Sonntagabend keine Zweifel an seiner Mission aufkommen, nach dem Pokalsieg auch noch die Meisterschaft zu holen. Vor allem Außenangreiferin Simone Lee und Zuspielerin Ilka Van de Vyver, die zur wertvollsten Akteurin gekürt wurde, überragten beim 25:14, 25:20, 25:23. Aber auch Krystal Rivers war kaum zu stoppen, zudem funktionierten immer wieder die Schnellangriffe über die Mittelblockerinnen Mira Todorova und Eline Timmerman. „Endlich haben wir das Spiel gezeigt, das uns die ganze Saison ausgezeichnet hat“, sagte Sportdirektorin Kim Renkema, die Mannschaft und Trainer nach den beiden Heimniederlagen noch durch öffentliche Kritik angestachelt hatte: „Diesmal war die volle Aggressivität da, in den Augen der Spielerinnen ist ihr Wille und ihre Motivation zu sehen gewesen. Wir haben am Freitag noch mal eine Chance erhalten – und diese eindrucksvoll genutzt.“ Zum ersten Double der Vereinsgeschichte.

Es war das passende Ende einer Saison, die nur schwer zu wiederholen sein wird. Das wissen auch die Verantwortlichen. „Was die Mannschaft geleistet hat, ist grandios“, sagte Kim Renkema, „mehr geht nicht.“ Und auch Aurel Irion lobte die Spielerinnen und das Trainer-Team: „Diese Finalserie hatte ihre schwierigen Momente, Knackpunkt war sicher das letzte Spiel in Potsdam. Wir haben die Nerven behalten, sind mit einer furiosen Leistung zurückgekommen. Im fünften Spiel haben alle gezeigt, was sie wirklich können.“

Stark im Feiern

Erst auf dem Feld, dann beim Feiern. Nach einer langen Nacht findet an diesem Montagabend das offizielle Abschlussfest der Saison statt. Im Mittelpunkt wird dann die erfolgreichste Mannschaft der Stuttgarter Volleyball-Geschichte stehen. Mitsamt den beiden Trophäen, die sie gewonnen hat. „Ich muss diesem Team ein riesengroßes Kompliment machen“, sagte die hochschwangere Kim Renkema, „sie hat Unglaubliches geleistet.“ Den Rest erledigte ein bisschen Aberglauben.

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Erstellt:
8. Mai 2022, 22:44 Uhr

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