Stuttgarter Kickers beim 1. Göppinger SV

Das spezielle Spiel des Kevin Dicklhuber

Kevin Dicklhuber befindet sich vor dem Duell bei seinem Ex-Club 1. Göppinger SV in Galaform. Wie schätzt der Torjäger der Stuttgarter Kickers die Aufstiegschancen ein, und wie gelingt es ihm, die berufliche Belastung wegzustecken?

Kevin Dicklhuber gewinnt das Kopfballduell gegen  Göppingens Innenverteidiger Filip Milisic – das Hinspiel in Degerloch gewannen die Blauen  vergangenen Oktober mit 5:1.

© Baumann/Hansjürgen Britsch

Kevin Dicklhuber gewinnt das Kopfballduell gegen Göppingens Innenverteidiger Filip Milisic – das Hinspiel in Degerloch gewannen die Blauen vergangenen Oktober mit 5:1.

Von Jürgen Frey

Am Morgen nach seiner persönlichen Galavorstellung beim 4:1 gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen klingelte bei Kevin Dicklhuber daheim in Ottenbach schon um 4.45 Uhr wieder der Wecker. Wie an jedem Werktag ging es für den Torjäger des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers von 6 Uhr an zum Arbeiten. Bei der Firma EWS in Uhingen bedient er insgesamt 25 Stunden pro Woche eine CNC Fräsmaschine. Optimale Regeneration sieht anders aus, doch der 33-Jährige bringt seine Leistung, geht mutig vorneweg, kommt im Dress der Blauen immer besser in Form und hat nach seinem Tore-Dreierpack gegen Rielasingen-Arlen 16 Saisontreffer auf dem Konto.

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Wie er das alles wegsteckt? „Natürlich ist es nicht immer einfach, Sport, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Doch ich bin topfit und stehe voll im Saft“, sagt Dicklhuber, der im Januar erstmals Vater von Sohn Noel wurde. Sollte der ersehnte Sprung in die Regionalliga gelingen, wird er sich komplett auf Fußball konzentrieren. Der Offensivmann hat längst abgeklärt, dass er dann sein Arbeitsverhältnis ruhen lassen kann. Bei einem weiteren Jahr Oberliga würde alles beim Alten bleiben.

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Doch Dicklhuber ist fünf Spieltage vor Saisonschluss vom Aufstieg felsenfest überzeugt. Egal, ob auf direktem Weg oder über die Aufstiegsspiele. Soll es mit der Meisterschaft im Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem aktuell zwei Punkte besseren Spitzenreiter SGV Freiberg klappen, darf allerdings an diesem Samstag (17 Uhr/Stadion an der Hohenstaufenstraße) im Spiel beim 1. Göppinger SV nichts liegen gelassen werden.

2016 bis 2021 beim GSV

„Wenn wir nicht gewinnen sollten, wird es ganz, ganz eng mit dem Direktaufstieg“, weiß auch Dicklhuber. Von 2016 bis 2021 trug der gebürtige Albstadter den Dress der Rot-Schwarzen, war Publikumsliebling und erzielte für das Team von Trainer Gianni Coveli Tore am Fließband. „Das wird ein ganz heißer Tanz, der Sportverein wird uns garantiert nichts schenken. Trainer Gianni Coveli wird die Jungs heiß machen“, sagt Dicklhuber. Göppingen steht auf Platz drei, der Abstand zu den Kickers beträgt allerdings satte 19 Punkte. Vergangenen Dienstag verlor der GSV (mit dem von den Kickers ausgeliehenen Stürmer Tyron Profis in der Anfangself) überraschend daheim gegen den TSV Ilshofen mit 2:3. Coveli schonte zwei, drei Stammspieler, nahm die Niederlage hinterher mit auf seine Kappe.

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Alles ist unterm Hohenstaufen auf das Duell mit der Mannschaft von Trainer Mustafa Ünal ausgerichtet. „Match of the year“, Spiel des Jahres, steht auf den Ankündigungsplakaten. 2500 bis 3000 Zuschauer werden erwartet. Und auch für Coveli persönlich ist es ein besonderes Spiel. Er war früher Profi in Degerloch, durch seine über Jahre hinweg gute Arbeit in Göppingen, genießt er nach wie vor eine hohe Wertschätzung. Nicht von ungefähr war der 51-Jährige in der vergangenen Winterpause nach dem Abgang von Lutz Siebrecht auch als Sportlicher Leiter nicht nur gerüchteweise bei den Kickers im Gespräch.

Tipp lautet 2:1-Sieg

Doch am Brisantesten ist die Partie für Dicklhuber, der betont: „Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an die Zeit beim GSV.“ Er wohnt nach wie vor im Kreis Göppingen, über 20 Karten musste er für Familie und Freunde besorgen. Er tippt auf einen 2:1-Sieg seiner Blauen. Wer die Tore macht, ist ihm egal. Sollte er treffen, würde sein Jubel verhalten ausfallen. „Man muss sich doch benehmen in seinem alten Wohnzimmer“, sagt er.

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Erstellt:
6. Mai 2022, 06:14 Uhr
Aktualisiert:
6. Mai 2022, 07:38 Uhr

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