Allianz MTV Stuttgart gegen SC Potsdam

Deshalb ist die Reise zum Titel so schwierig

Das Duell um die Meisterschaft zwischen den Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart und SC Potsdam ist auch logistisch eine große Herausforderung.

Deshalb ist die Reise zum Titel so schwierig

Hester Jasper (li.) und Ilka Van de Vyver: Wer jubelt am Ende der Finalserie zwischen Allianz MTV Stuttgart und dem SC Potsdam?

Von Jochen Klingovsky

Dieses Spiel ist unvergessen. Vor sechs Jahren schlugen die Stuttgarter Volleyballerinnen im vierten Duell der Play-off-Serie um die Meisterschaft den Dresdner SC mit 3:2 – vor 5392 Fans in der Porsche-Arena, das ist bis heute deutscher Rekord. Schon eher in Vergessenheit geriet, was danach passierte: Der clevere Konkurrent übernachtete in Stuttgart, flog am nächsten Morgen zurück nach Dresden und gewann zwei Tage später ausgeruht die finale fünfte Partie locker 3:0 gegen das mit dem Bus angereiste MTV-Team. Interessant, weil auch bei der Vergabe des Meistertitels 2022 die Logistik eine wichtige Rolle spielen könnte.

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Am Freitagabend hat Allianz MTV Stuttgart dank einer starken Leistung in Potsdam 3:0 gewonnen und damit die Serie zum 1:1 ausgeglichen. Sollte die Meisterschale erst im fünften Aufeinandertreffen vergeben werten, wartet auf die Finalisten eine Mammutaufgabe mit drei Spielen innerhalb von 95 Stunden. Die nächste Partie steigt am Mittwoch (20 Uhr) in Stuttgart, dann geht es am Freitag (20 Uhr) in Potsdam weiter. Das fünfte Duell wäre am Sonntag (19.15 Uhr) wieder in Stuttgart. „Das wird Harakiri“, sagt MTV-Sportdirektorin Kim Renkema, „dass die letzten drei Duelle so eng getaktet sind, ist für die Spielerinnen alles andere als gesund.“

Hernández hofft auf einen Flug

Trotzdem verzichtet der Pokalsieger darauf, Flüge zu buchen. Das wäre zu teuer und würde laut Renkema auch keinen großen Gewinn bringen: „Am Freitag in Potsdam zu übernachten und am nächsten Morgen den Flieger zu nehmen spart keine Zeit“, sagt sie, „unsere Spielerinnen können im Bus halbwegs schlafen, sind an so lange Fahrten gewöhnt.“ Beim SC wird etwas anders gedacht.

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Auf das Team von Guillermo Naranjo Hernández warten ja womöglich noch zwei Trips nach Stuttgart, weshalb der Coach froh wäre, am Dienstag gen Süden fliegen zu können. „Wir arbeiten daran, aber diese Lösung ist sehr teuer, denn wir brauchen in Stuttgart ja trotzdem einen Bus“, sagt der Spanier, „in diesen Tagen Reisen, Regeneration und Spielvorbereitung zu planen ist irrsinnig. Es ist schlimm, dass die TV-Zeiten über die Gesundheit der Spielerinnen gestellt werden. Wenn sie nicht fit sind, können sie nicht ihr höchstes Level zeigen. Dieses aber ist nötig, um die Show zu bieten, die alle sehen wollen.“ Und die am Ende unvergessen bleibt.