Inklusionsgala in der Carl-Benz-Arena

Deshalb ist Tanz ein Segen für die Inklusion

Tanzen ist nicht nur Freude an rhythmischer Bewegung, sondern vor allem ein sozialer Akt. Deshalb hat Jutta Schüle den Verein Zeit zum Tanzen ins Leben gerufen, in dem sich Behinderte sowie Menschen mit Handicap treffen – und tanzen.

Tanzen ist Interaktion zwischen Menschen – so werden Vereinsamung und Ausgrenzung gestoppt.

© Zeit zum Tanzen/Jutta Schüle

Tanzen ist Interaktion zwischen Menschen – so werden Vereinsamung und Ausgrenzung gestoppt.

Von Jürgen Kemmner

Die besten Ideen bekommt Jutta Schüle, wenn sie schrubbt und putzt. „Das ist eine Win-win-Situation“, sagt die 63-Jährige, „ich mache sauber, und gleichzeitig entsteht dabei oft eine Initialzündung für ein neues Projekt.“ Wahrscheinlich hat die Sozialpädagogin auch vor etwas mehr als zehn Jahren etwas in der Art getan, als sie das Projekt Zeit zum Tanzen ins Leben rief, aus dem mittlerweile ein Verein entstanden ist, der sich voll und ganz dem Thema Tanzen und Inklusion verschrieben hat. „Tanzen ist eine großartige Möglichkeit, Brücken zu bauen und Ängste zu überwinden“, betont Jutta Schüle. Am 21. Mai (Beginn 18 Uhr) findet in der Carl-Benz-Arena die dritte Stuttgarter Inklusionsgala statt, bei der neben anderen Programmpunkten Stargast Eric Gauthier mit seiner Dance Company auftritt – und bei der natürlich auch die Gäste aufs Parkett gehen dürfen.

Jutta Schüle geht es bei ihrem Inklusionsprojekt darum, Tanzen als Teilhabe für alle Menschen zu vermitteln, seien es ältere und alleinstehende Personen oder Seniorenheimbewohner, seien es psychisch oder körperlich gehandicapte oder pflegebedürftige Mitmenschen. Sie habe oft erlebt, dass „bei vielen Leuten die Rollläden runtergehen, sobald es zu Begegnungen mit Menschen mit Behinderung kommt“, erzählt die Frau, die bis 2008 bei der Stadt Stuttgart gearbeitet hat, „ich möchte Vorurteile abbauen und Gemeinsamkeit fördern“. Nachdem sie sich zunächst ehrenamtlich engagierte, gründete sie Ende 2011 den Verein, um ihre Schaffenskraft organisatorisch auf feste Beine zu stellen und nachhaltig zu sein. Die Sozialpädagogin wuppt seitdem alles beim Inklusionsprojekt im Alleingang, wobei sie den Begriff, sie sehe sich als „All-in-one-Lösung“, der Bezeichnung „Mädchen für alles“ vorzieht.

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Zwei Inklusionsgalas hat Jutta Schüle bereits organisiert und veranstaltet, darüber hinaus besteht die Arbeit für Zeit zum Tanzen vor allem aus drei Bereichen. Nummer eins ist der monatliche Tanztreff im Tanzlokal Melodie (Am Kräherwald 110), zu dem Alleinstehende und Paare sowie Menschen mit und ohne Handicap eingeladen sind. Nummer zwei sind die Tanz-Workshops, die in unterschiedlichen Stadtteilen oder auch direkt in Seniorenheimen stattfinden. „Viele haben keinen Tanzpartner oder können sich Tanzkurse nicht leisten“, erzählt Jutta Schüle, die für ihr Engagement 2016 als „Stuttgarterin des Jahres“ geehrt wurde, „es geht dabei auch um eine Belebung der Stadtquartiere für Menschen, deren Aktionsradius nicht mehr so groß ist.“ Diese Mitmachworkshops seien, so hat laut Schüle eine Studentin recherchiert, einzigartig in Europa, nirgendwo anders gebe es ein solches Inklusionsprojekt. Nummer drei ist die inklusive Tanzformation „Happy People“, die seit 2018 besteht, in der 16 Tanzbegeisterte gemeinsam üben und die auch bei der Gala am 21. Mai auftreten wird.

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„Vor Corona bestand die Truppe aus 26 Leuten“, sagt Jutta Schüle, „die Pandemie hat die Arbeit deutlich erschwert, und ich kämpfe darum, dass das normale Vereinsleben wieder Fahrt aufnimmt.“ Ihre Arbeit sei wichtiger denn je – schließlich habe Corona wegen der Kontaktbeschränkungen, der Lockdowns und der Angst vor Ansteckung stark dazu beigetragen, dass gerade ältere Menschen sowie solche mit Handicap vereinsamten. Die Gesundheit steht auch bei Zeit zum Tanzen über allem, weshalb bei vielen Veranstaltungen nicht nur ein Impfnachweis nötig ist, sondern auch ein tagesaktueller, negativer Test. „Wir möchten allen die größtmögliche Sicherheit bieten“, betont die 63-Jährige. Auch die Inklusionsgala in der Carl-Benz-Arena in zwei Wochen wird nach dem 2-G-plus-Konzept durchgeführt, und Jutta Schüle hofft, dass diese Auflagen die Menschen eher darin bestärken werden, sich eine Karte (Preis 20 Euro) zu kaufen, als dass es sie abschreckt. 400 Karten sind bereits verkauft, noch 200 sind verfügbar – und Jutta Schüle wird alle Hebel in Bewegung setzen, damit sie am 21. Mai verkünden kann: „Wir sind ausverkauft!“

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Erstellt:
10. Mai 2022, 15:24 Uhr

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