Fußball-WM in Katar

Festspiele der Ausbeutung

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar steht erneut am Pranger. Die Verantwortlichen reagieren mit Ignoranz – wieder mal. Und schießen damit nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky ein kapitales Eigentor.

Klebrige Nähe: Fifa-Boss Gianni Infantino und Scheich Khalid Bin Khalifa Bin Abdulaziz Thani, der Premierminister von Katar.

Klebrige Nähe: Fifa-Boss Gianni Infantino und Scheich Khalid Bin Khalifa Bin Abdulaziz Thani, der Premierminister von Katar.

Von Jochen Klingovsky

Eigentlich bedurfte es keines Beweises mehr, wie korrupt, menschenverachtend und realitätsfremd das System Fifa ist. Und trotzdem lieferte Gianni Infantino den nächsten Beleg. „Es wird die beste WM aller Zeiten“, versprach der Präsident des Fußball-Weltverbandes zuletzt bei der Gruppenauslosung für das Turnier in Katar, „und die größte Show der Erde.“ Was für ein Eigentor!

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Denn nur sechs Tage später prangerte Amnesty International erneut schwere Menschenrechtsverletzungen, Zwangsarbeit und Ausbeutung von Arbeitern in Katar an – auch in Firmen, die Personal für WM-Projekte und Fifa-Veranstaltungen stellten. Die Vorwürfe sind alles andere als neu (laut ZDF-Recherchen starben seit der WM-Vergabe in Katar rund 15 000 Arbeitsmigranten), diesmal allerdings räumte das Organisationskomitee ein, dass sie berechtigt sind. Natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass gegen die skrupellosen Arbeitgeber vorgegangen werde.

Die Geschäfte laufen wie geplant

Das kann man glauben oder (besser) nicht, Fakt bleibt: Die zynischen, jegliche Kritik negierenden Auftritte von Infantino und den Machthabern im Wüstenstaat sind gespeist durch die Gewissheit, dass der Ball rollen und die Geschäfte genau so laufen werden, wie von ihnen geplant. Denn in Zeiten, in denen ein deutscher Wirtschaftsminister nach Katar reist, um die Energieversorgung für sein Land zu sichern, wäre es natürlich absurd, von Fußballern zu verlangen, ein Turnier im selben Staat aufgrund von Menschenrechtsverletzungen zu boykottieren.

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Eines ist indes jetzt schon klar: Infantinos Fifa wird der größte Profiteur einer WM sein, die mitnichten als beste aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird – sondern als Festival der Korruption, Ausbeutung und Ignoranz. Egal, wer am Ende den Titel gewinnt.

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Erstellt:
8. April 2022, 10:12 Uhr

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