Vorbereitung EM 2024

Fühlt sich Joshua Kimmich im DFB-Team zurückgesetzt?

Der 29-Jährige hat seinen Platz in der Nationalmannschaft wieder gefunden – als Rechtsverteidiger. Nun ordnet der Bayernstar vor der Heim-EM seine neue alte Rolle ein.

Von Carlos Ubina

Joshua Kimmich hat die Bilder noch vor Augen. Wie Philipp Lahm mit dem Ball am Fuß von der linken Seite nach innen kurvte, den Kopf hob und von der Strafraumecke das Spielgerät mit rechts in das Tor schlenzte. 1:0 im Eröffnungsspiel der WM 2006 am 9. Juni in München gegen Costa Rica (Endstand 4:2). Es war der Beginn eines wunderbaren Heimturniers – und Kimmich, damals ein elfjähriger Fußballsteppke, hätte nichts dagegen, wenn sich am 14. Juni zum Start der Europameisterschaft in Deutschland eine Parallele in der gleichen Arena gegen Schottland auftun würde. Nur würde diesmal der Außenverteidiger des FC Bayern vom rechten Flügel aus starten.

Man darf sicher sein, dass Kimmich alles dafür tun wird, diesen glorreichen Auftakt beim Turnier 18 Jahre später zu wiederholen. Noch im Vorfeld der Vorbereitung mit der Nationalmannschaft hat sich der 29-Jährige mit privaten Sonderschichten auf die anstehende Aufgabe eingestimmt. „Das Anforderungsprofil als Rechtsverteidiger ist ja etwas anders als auf der Sechserposition“, sagt der Mann mit der Rückennummer sechs, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann aus der Zentrale auf den Außenposten versetzt wurde.

„Diener für sein Land“

Probleme bereitet das Kimmich nicht mehr. Weder auf dem Feld noch außerhalb. Doch über die Wahrnehmung seiner Person in der Öffentlichkeit wundert sich der Nationalspieler noch immer. „Echt jetzt? Und das gleich auf der ersten Pressekonferenz vor dem Turnier!“ So reagierte er im Trainingscamp in Herzogenaurach, als ihn ein Reporter damit konfrontierte, dass Kimmichs Lieblingsposition doch im Mittelfeld sei.

„Natürlich liebe ich es, auf beiden Positionen zu spielen“, sagt Kimmich. Er versteht sich dabei als Typ, der den Mannschaftserfolg über seine Einzelinteressen stellt. So sieht auch Nagelsmann den Musterprofi, den er bereits während seiner Zeit beim Rekordmeister aus München anleitete. „Bei der Nationalmannschaft muss man sich unterordnen. Da ist man ein Diener für sein Land. Joshua Kimmich ist das“, sagt der Bundestrainer. Demnach weiß Kimmich genau, wo er hingehört. Zumal es Nagelsmann mit der Einteilung der Wohneinheiten im Mannschaftsquartier dokumentiert hat.

Positionsspezifisch erfolgte die Besetzung der Viererhäuschen – und Kimmich gehört zur Gruppe mit den Außenverteidigern. Zu ihnen zählen noch Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart) sowie David Raum und Benjamin Henrichs (beide RB Leipzig). „Ich habe zwar nicht dasselbe Zimmer wie 2021, aber ich habe mich gleich wieder gut eingelebt“, sagt Kimmich nach dem Umzug vom Trainingslager in Thüringen in das bekannte EM-Basislager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Franken. Die nächsten Wochen werden die Nationalspieler auf dem Gelände des DFB-Partners Adidas verbringen und zunächst im nahen Nürnberg das Testspiel an diesem Montag (20.45 Uhr/ARD) gegen die Ukraine bestreiten. „Wir werden versuchen, unsere Abläufe auf den Platz zu bringen“, sagt Kimmich, „und zu gewinnen. Damit die Stimmung nicht gleich wieder kippt.“

Ein Hoch verspürt die Nationalmannschaft trotz der starken Regenfälle. Getragen wird es durch die zwei Siege im vergangenen März gegen Frankreich und die Niederlande. Beide Auftritte haben die Laune bei den Gastgebern genauso so schnell steigen lassen, wie bei der aktuellen Wetterlage die Flusspegel nach oben gehen.

Unverändert sieht Kimmich seine Rolle als Führungsspieler

„Alles steht und fällt mit dem Gewinnen“, sagt Kimmich, dessen Stern in der DFB-Elf bei der EM 2016 in Frankreich aufging – als Rechtsverteidiger. Es folgten drei enttäuschende Turniere, während denen der Bayern-Star auf wechselnden Positionen agierte. Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 rückte Kimmich unter Joachim Löw ins Mittelfeld – als Nachfolger von Sami Khedira. Zur EM 2021 machte Löw ihn dann zum Schienenspieler, da der Coach auf eine Dreierkette in der Abwehr baute.

Mit Beginn der Amtszeit von Hansi Flick fand sich Kimmich im Mittelfeld wieder. Im Gruppenfinale der WM 2022 musste er jedoch erneut rechts hinten aushelfen. Danach war Kimmich zurück im Zentrum und kurzzeitig Kapitän. Doch Flick nahm ihm die Binde wieder weg, und auch unter Nagelsmann ging es anfangs hin und her. Jetzt hat Kimmich seinen Platz mit stabilen Vorstellungen gefunden und fühlt durch den Bundestrainer nicht zurückgesetzt. „Ich sehe meine Rolle unverändert“, sagt er – als Führungsspieler: „Ich will mit guten Leistungen vorangehen.“

Joshua Kimmich vom FC Bayern München läuft in der Nationalmannschaft weiter vorneweg.

© imago//Wunderl

Joshua Kimmich vom FC Bayern München läuft in der Nationalmannschaft weiter vorneweg.

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Erstellt:
2. Juni 2024, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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