Porsche Tennis Grand Prix

Iga Swiateks große Show in Stuttgart

Die Polin Iga Swiatek gewinnt eindrucksvoll den Tennis-Grand-Prix und spielt sich in die Herzen der Zuschauer.

Eine Klasse für sich: Iga Swiatek

Eine Klasse für sich: Iga Swiatek

Von Dominik Ignée

Iga Swiatek warf ihren Schläger in die Luft, vollführte einen Freudentanz und spurtete zu ihrem Vater Tomaz. Sie hörten gar nicht damit auf, sich zu umarmen. Immer wieder streckte Swiatek vier Finger in die Höhe, es war das Zeichen ihrer unglaublichen Bilanz. Die Polin hat am Sonntag nicht nur den Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart gewonnen, sondern auch die drei Turniere davor, an denen sie teilgenommen hatte: in Doha, Indian Wells und Miami. Nach 23 gewonnenen Spielen in Folge stellt sich langsam, aber sicher die Frage, wer die Nummer eins der Tenniswelt in den nächsten Monaten noch bezwingen kann.

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Stilsicher präsentierte sich im zweiten Akt der Zeremonie der Porsche-Vorstandschef Oliver Blume. Sportlich lässig gekleidet und mit weißen Turnschuhen unterwegs, machte er den Eindruck, als würde er gleich selbst noch ein bisschen zum Schläger greifen. Doch seine Aufgabe war eine andere. Er übergab Swiatek den Schlüssel für den karminroten elektrisch betriebenen Porsche Taycan. Und er gab ihr dann als Beifahrer exakte Anweisungen, wie sie den soeben gewonnenen Hauptpreis sicher von der Rampe zu fahren hatte – ohne dass es etwas schiefgeht.

Es ging gut, die 20 Jahre alte Polin erwies sich als routinierte Autofahrerin. Genauso war alles bestens verlaufen im Finale, das sie mit einer unfassbar souveränen Vorstellung gewann. Zwar hatte Swiatek noch ein kraftzehrendes Halbfinale vom Samstag in den Knochen. Doch als sie Punkt 13 Uhr am Finalsonntag auf dem Platz stand, da explodierte sie.

Klarer Sieg

Die hochgewachsene und kräftige Gegnerin Aryna Sabalenka hatte beim 6:2, 6:2-Erfolg von Swiatek jedenfalls nicht den Hauch einer Chance. Bereits im Vorjahr hatte Sabalenka das Finale verloren, damals gegen die Australierin Ashleigh Barty. Doch wenn es so klar ausgeht wie an diesem verregneten Sonntagnachmittag in Stuttgart, kann man so eine Niederlage viel leichter wegstecken, als wenn es eine enge Entscheidung nach drei Sätzen gegeben hätte. „Ich gratuliere Iga zu ihrer unglaublichen Saison“, sagte Sabalenka schon wieder lächelnd – und verwies darauf wiederzukommen. Im dritten Anlauf soll der Sportwagen dann ihrer sein.

Iga Swiatek war zweifelsfrei der große Star dieser Tenniswoche in Stuttgart. Sie spielte sich in die Herzen des Publikums. Sie dankte nach dem Turniersieg hektisch allen, denen es zu danken galt. Ihrem Vater, dem Team, den Zuschauern und dem Veranstalter. „Ich kann verstehen, dass das hier eines der besten Turniere der Welt ist, es ist auf dem Niveau einer Grand-Slam-Veranstaltung“, sagte Swiatek und fügte hinzu: „Durch die vielen polnischen Flaggen habe ich mich hier wie zu Hause gefühlt.“

Flagge zeigen

Doch Iga Swiatek zeigte auch selbst Flagge. An ihrer Schirmmütze hatte sie ein blau-gelbes Emblem angebracht. „Das ist ein kleines Symbol, mit dem ich meine Unterstützung für die Menschen in der Ukraine ausdrücken will“, sagte die Polin. Auch die Belarussin Sabalenka hatte in Stuttgart das Kriegsthema eingeholt, allerdings in ganz anderer Weise. Fragen zum Krieg, den ihr Land an der Seite Russlands führt, beantwortete sie abweisend. Für die kommenden Turniere in Madrid und Rom bat sie den Weltverband WTA darum, ihr Pressetermine zu ersparen, damit sie sich mit politischen Äußerungen nicht in Schwierigkeiten bringt.

Das Thema flammte auch in Stuttgart immer wieder auf. Dem Turnierdirektor Markus Günthardt war es gar nicht so recht, dass während des Grand Prix in Stuttgart die Nachricht vom Ausschluss russischer und belarussischer Profis in Wimbledon die Tennisszene in Atem hielt. Seiner Meinung nach solle man die Akteure nicht für das bestrafen, was in ihrem Land vorgeht. „Wir sollten eher versuchen, sie auf unsere Seite zu ziehen“, sagt Günthardt.

Der Turnierchef ist zufrieden

Im Hinblick auf sein Turnier war der Schweizer sehr zufrieden. Wegen Corona konnte erst spät geplant und wenig Werbung gemacht werden, auch die Osterferien hatten sich nicht unbedingt positiv auf die Resonanz ausgewirkt. So kamen über die Woche verteilt etwa 25 000 Zuschauer, das sind rund 7000 weniger als vor der Pandemie. Natürlich hätte Günthardt gerne jeden Tag ein volles Haus gehabt, aber er sagt auch: „Insgesamt sind wir wieder auf dem Weg zurück zu alter Stärke – darüber bin ich happy.“

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Erstellt:
24. April 2022, 17:40 Uhr

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