Judo-DM in Stuttgart

Katharina Menz gehört zur Abteilung Attacke

Die Judokämpferin Katharina Menz ist für ihren offensiven Stil bekannt – mit dem sie bei den deutschen Meisterschaften in Stuttgart den Titel gewinnen will. Auch mit Olympia hat die Sportlerin aus Magstadt noch eine Rechnung offen und freut sich deshalb schon jetzt auf Paris.

Katharina Menz (links) lässt nicht locker.

© Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Katharina Menz (links) lässt nicht locker.

Von Dominik Ignée

Judo bedeutet übersetzt aus dem Japanischen „sanfter Weg“. Bislang ist Katharina Menz deshalb wohl auch mit einem blauen Auge davongekommen. 31 Jahre alt ist die Judokämpferin, aber so richtig schwer verletzt hat sie sich noch nicht. Sie musste nie operiert werden, da kann man als Sportler schon mal auf Holz klopfen. Judo könne durchaus wehtun, aber so sei es ja im Sport ganz generell, sagt Katharina Menz mit einem erfrischenden Lachen und ist stolz auf ihre dünne Krankenakte: „Ich habe nur kleinere Wehwehchen gehabt.“

Nur ein Bagatellschaden

Zu den kleinen Wehwehchen zählt hier und da mal ein gebrochener Zeh – so etwas wird im Kampfsport bestenfalls als Bagatellschaden eingeordnet. Momentan fühlt sich Katharina Menz aber topfit. Sie hat ein Trainingslager in der Sonne Spaniens hinter sich und fühlt sich gerüstet für die deutschen Judomeisterschaften am Samstag und Sonntag in der Stuttgarter Scharrena. Ihr Ziel? Klarer Fall: Es ist der Sieg. Sechsmal schon wurde sie deutsche Meisterin in der Kategorie bis 48 Kilogramm. „Der siebte Titel sollte es schon werden“, sagt Katharina Menz abermals lachend, aber auch selbstbewusst.

Die vergangenen Olympischen Spiele in Tokio waren die ersten der Judoka von der TSG Backnang, die am Bundesstützpunkt in Sindelfingen trainiert. Im Einzel führte ihr Weg nicht in die Medaillenränge, dafür aber gab es Bronze mit der Mannschaft. Dieser große internationale Erfolg hat Menz unfassbar motiviert. Deshalb will sie auf jeden Fall noch die nächsten Spiele in Paris mitnehmen. „Danach könnte ich dann eigentlich aufhören“, sagt sie, denn bis Mitte 30 ist bei den meisten Sportlerinnen ihrer Disziplin Schluss. Nur ganz wenige Kämpferinnen besitzen noch im Alter von 38 Jahren Weltklasseniveau.

Judo wird in Deutschland in Vereinen bereits für Kinder ab drei Jahren angeboten – so fing auch bei Katharina Menz alles an. Als ihr Bruder im Kindergarten war, wollte er Judoka werden, und deshalb wollte das seine kleine Schwester auch. Der spielerische Übergang zu judospezifischen Formen ist im Kindesalter fließend. Wegen seines Facettenreichtums kann der Sport bis ins hohe Alter betrieben werden; so sind im Breitensport Judoka mit über 80 Jahren keine Seltenheit.

Neue Impulse

80 Jahre alt ist Menz noch lange nicht, und auf Spitzenniveau will sie noch ein paar Jahre mitmachen. Am Sindelfinger Stützpunkt hat der neue Trainer Tom Reed auch einiges bewegt. „Ein guter Mann, er bringt frischen Wind rein“, sagt Menz über den Engländer, der auf der Zielgeraden ihrer Laufbahn noch einmal neue Impulse setzt.

Dem Zufall überlassen kann man im Judosport ohnehin nichts. Deshalb führt Katharina Menz auch ein rastloses Leben. Sie hat ihren Master in Elektromobilität gemacht, absolviert gerade in Sulz am Neckar ein Management-Trainee. Nach der Arbeit fährt sie nach Sindelfingen in die Judohalle, sie trainiert jeden Tag mindestens drei Stunden, oft auch an Wochenenden. Da ist es gut, dass der Arbeitgeber sie unterstützt und ihr die nötigen Freiräume lässt. Ansonsten muss man sagen: viel Mühe – für ziemlich wenig Geld. „Man kann als Judoka leben, aber zur Seite legen kann man nichts“, sagt Katharina Menz, die deshalb auch ihre berufliche Zukunft nie aus den Augen verlor.

Der Griff muss sitzen

Die Schwäbin zählt sich selbst zur Abteilung Attacke – das ist ihr Kampfstil, da wird nicht lange gefackelt. Der Griff am Kimono der Gegnerinnen muss sitzen, enorm fest sein, und dann sollte alles ganz schnell gehen. Sie bevorzugt es, den Sieg durch Würfe zu erlangen und nicht im zähen Bodenkampf. Auch so habe sie schon Duelle für sich entschieden, sagt sie, aber nicht so oft. In Stuttgart gehören derweil die Wolfsburgerin Sarah Ischt und Helena Grau zu ihren Hauptkonkurrentinnen. Auch Grau startet für die TSG Backnang, man kennt sich also, aber ein Vorteil ist das nicht. „Das macht es nicht unbedingt leichter“, sagt Katharina Menz, die aber glaubt, gegen die beiden jüngeren Kämpferinnen die richtigen Mittel zu finden.

Was fasziniert sie am Judo? Der Sport ist extrem vielseitig, es wird nie langweilig, auch wird der ganze Körper beansprucht. Es gibt Techniktraining, dazu Übungskämpfe, aber auch Grundlagenausdauer und Krafttraining gehören zum festen Vorbereitungsrepertoire. Ebenso eignet sich das Klettern ganz hervorragend für die Griffkraft im Judo. Aber vor allem: „Mir macht das Kämpfen wahnsinnig Spaß, dieses Messen mit den anderen – aber nicht auf die brutale Art“, sagt Katharina Menz, die Meisterin des sanften Wegs. Schließlich geht es ja eigentlich nur darum, das Gleichgewicht der Gegnerin zu brechen – aber keinesfalls ihren Zeh.

Auch wenn das bei Gelegenheit durchaus vorkommt.

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Erstellt:
23. Juni 2022, 16:30 Uhr

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