Titelrennen in der Bundesliga

Leipzig, BVB und Leverkusen – das sind die Bayern-Jäger

Ein Trio traut sich zu, den FC Bayern vom Thron zu stoßen, geht damit aber unterschiedlich um. Während man in Dortmund die leisen Töne wählt, ist Leipzigs Trainer Domenico Tedesco schon forscher.

Leipzig, BVB und Leverkusen – das sind die Bayern-Jäger

Nico Schlotterbeck ist neu bei Borussia Dortmund. Der Ex-Freiburger soll mit Niklas Süle (vom FC Bayern) die Innenverteidigung des BVB bilden.

Von Daniel Theweleit

Jammern mag vorerst niemand bei Borussia Dortmund, die neue Saison hat schließlich noch nicht einmal begonnen, und Selbstvertrauen ist ein zentraler Baustein des Umbruchs, den die Clubführung vorgenommen hat. Doch wenn der neue Trainer Edin Terzic am Ende der Vorbereitung davon spricht, dass „viel passiert“ sei, dann meint er auch den Schock, den die Dortmunder nach der Entdeckung eines Hodentumors bei Sébastien Haller erlitten haben.

Niemand mag offen über die Folgen dieses Befundes auf die Leistungsfähigkeit des Teams sprechen. „Das Sportliche gerät da zu einhundert Prozent in den Hintergrund. Es ist der Mensch Sébastien Haller, der uns fehlt“, sagt Niklas Süle. „Ein Einschnitt“ sei das gewesen, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zudem. Aber dass der wahrscheinlich wichtigste Neuzugang, der Mann, der das neu ausgerichtete Mannschaftsspiel mit Toren veredeln soll, vorerst ausfällt, hat den Blick auf die kommenden Monate grundlegend verändert.

Die Bayern-Dominanz – nichts währt ewig

Eigentlich war aus dem Kreis der Spieler zu hören, dass sie den ersten Platz in der Bundesligatabelle als reale Option im Auge haben. „Ich bin nicht hierhergekommen, weil ich uns nicht den Meistertitel zutraue“, sagt Süle auch nach der Diagnose bei Haller, „ich glaube sehr fest daran, dass wir das schaffen können.“

In den Sondierungsgesprächen mit den Neuzugängen Nico Schlotterbeck (für 20 Millionen Euro aus Freiburg), Karim Adeyemi (RB Salzburg, 30 Millionen), Salih Özcan (1. FC Köln, sechs Millionen), Haller (Ajax Amsterdam, 31 Millionen) und Süle (FC Bayern, ablösefrei), sprachen auch die Verantwortlichen offen über den festen Vorsatz, den „ewigen“ Meister angreifen zu wollen. Geschäftsführer Watzke hat vor einiger Zeit prophezeit, dass beim FC Bayern irgendwann eine Art Einbruch kommen müsse. „Es gibt eine Konstante im Leben, das nichts für die Ewigkeit ist“, erklärt er nun, weist inzwischen aber darauf hin, nie gesagt zu haben, „dass das im nächsten Jahr schon passiert.“

Die hohen Investitionen der Münchner in Topstars wie Matthijs de Ligt und Sadio Mané haben Eindruck beim BVB gemacht. Und wie sehr Haller fehlt, zeigte sich in den abschließenden Testspielen, als gegen den FC Valencia (1:3) und den FC Villarreal (0:2) kein Tor aus dem Spiel heraus gelang. Jenseits dieses Problems wurde dennoch eine fußballerische Entwicklung sichtbar: Die Mannschaft wirkt aggressiver und entschlossener als unter Marco Rose in der vergangenen Saison. „Wir befinden uns in einem Prozess, müssen stetig weiter lernen und ich bin zuversichtlich, dass wir die letzten Millimeter, die letzten feinen Sachen auch noch hinbekommen“, sagt Julian Brandt.

Alle hoffen, dass mit Terzic und den Neuzugängen die immer wieder diskutierte „Mentalität“ des Teams von mehr Widerstandskraft und Willensstärke geprägt sein wird. Bei allen Neuzugängen sind genau diese Haltungs- und Einstellungsthemen ein wichtiger Aspekt gewesen. Gerade in Schlotterbeck und Özcan wurden zwei Leute unter Vertrag genommen, die extrem willensstark sind und die bei ihren früheren Clubs mit dieser Eigenschaft auch Kollegen mitreißen konnten. Dennoch wehren die Dortmunder sich nicht erst seit der Erkrankung Hallers dagegen, die Bürde des Bayern-Jägers ganz allein zu tragen. „Viele andere Mannschaften sollten sich auch in dieser Rolle sehen“, sagt der neue Sportdirektor Sebastian Kehl, der den Posten von Michael Zorc übernommen hat. „Wenn wir am Ende Bayern München nach zehn Jahren mal ablösen wollen, dann ist die ganze Liga gefordert.“

Ein ruhiger Sommer beim Werksclub

Bei Bayer Leverkusen muss sich trotzdem niemand mit irgendwelchen Meisterschaftsdiskussionen herumplagen, ein ruhiger Sommer liegt hinter dem Werksclub. Florian Wirtz erholt sich gut von seinem Kreuzbandriss und hofft weiterhin, im November bei der WM dabei zu sein. Die Mannschaft konnte zusammengehalten werden, nur der Stürmer Lucas Alario wurde zu Eintracht Frankfurt verkauft und durch Adam Hlozek (20) ersetzt, der für 13 Millionen Euro von Sparta Prag an den Rhein wechselt. Außerdem soll noch der Ukrainer Mykhaylo Mudryk von Schachtar Donezk kommen.

In der öffentlichen Formulierung irgendwelcher Ziele bleiben die Leverkusener aber defensiv. „Wir haben große Lust darauf, richtig was zu reißen“, sagt beispielsweise Patrik Schick eher vage. Als Signal der Stärke gelten bei Bayer die Vertragsverlängerungen von Wirtz und Schick (jeweils bis 2027) sowie das jüngste Bekenntnis von Moussa Diaby. Der Franzose ist bis 2025 gebunden und erklärte nun, in diesem Sommer keinen Wechsel anzustreben.

Tedesco geht in Leipzig forsch ran

Verbal etwas forscher sind derweil die Leipziger, die zum Ende der vergangenen Saison den DFB-Pokal gewonnen haben. Christopher Nkunku, der sich allen Wechselgerüchten zum Trotz mit einem neuen Vertrag bis 2026 zu RB bekannt hat, glaubt, „dass das ganze Team nach dem ersten Titel noch hungriger ist“, und Trainer Domenico Tedesco sagt in einem Interview mit dem „Kicker“, der Pokalsieg habe „die DNA der Spieler verändert“.

Vielleicht hilft das auch Borussia Dortmund im Ansinnen, die Bayern zu stoppen. Denn klar ist, dass mehr als ein Topteam den Münchnern immer wieder Punkte abnehmen sollte, wenn die Alleinherrschaft des Rekordmeisters zügig zu Ende gehen soll.