Pressestimmen zum EM-Finale

Nach dem Drama fließen bei den DFB-Frauen die Tränen

Der ganz große Wurf mit dem EM-Titel ist den DFB-Frauen im Finale gegen England verwehrt geblieben. Dabei wog der Ausfall der Kapitänin Alexandra Popp schwer, so der Tenor in den Pressestimmen.

Deutschlands im Finale  verletzte Spielführerin Alexandra Popp (li.) und  ihre Mitspielerinnen können ihre Enttäuschung nicht verbergen.

© IMAGO//bner

Deutschlands im Finale verletzte Spielführerin Alexandra Popp (li.) und ihre Mitspielerinnen können ihre Enttäuschung nicht verbergen.

Von Heiko Hinrichsen

Die deutschen Fußballerinnen haben ihren neunten Triumph bei einer Europameisterschaft verpasst. Das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg verlor am Sonntag das Endspiel gegen England im Londoner Wembley-Stadion ohne die verletzt fehlende Kapitänin Alexandra Popp mit 1:2 (1:1, 0:0) nach Verlängerung. Wir haben die Reaktionen der nationalen und internationalen Presse zusammengestellt:

Deutschland

Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Nach dem Drama fließen die Tränen. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen verliert das EM-Finale in London gegen England auf dramatische Weise in der Verlängerung. Das Team überzeugt – aber Kapitänin Alexandra Popp fehlt.“

Bild: „ Wieder Wembley-Betrug. Deutschland weint mit unseren Fußball-Frauen – und ärgert sich über den neuen Wembley-Betrug! Bei der 1:2-Pleite nach Verlängerung werden wir fast genau 56 Jahre nach dem Skandal um das Wembley-Tor schon wieder betrogen.“

Kicker: „Schock in der Verlängerung: DFB-Frauen verlieren ohne Popp EM-Finale gegen England. Der ganz große Wurf blieb den DFB-Frauen verwehrt. Ohne die verletzte Kapitänin Alexandra Popp verloren sie das EM-Finale gegen England in der Verlängerung mit 1:2. Für die Lionesses ist es der erste EM-Titel.“

Süddeutsche Zeitung: „England besiegt Deutschland - Schock in der 110. Minute. Im tosenden Wembley-Stadion muss die deutsche Auswahl den kurzfristigen Ausfall von Kapitänin Popp verkraften und unterliegt England in der Verlängerung. Das Finale ist geprägt von Zweikämpfen - und mindestens einer strittigen Elfmeterszene.“

Großbritannien

„Daily Mail“: „Das wilde EM-Finale hat gezeigt, dass Frauenfußball keine zahmere und sanftere Version des Spiels ist. So viel harte Arbeit und Aufopferung haben sich in zwei glorreichen (und knochenharten) Stunden ausgezahlt.“

„Daily Mirror“: „Champions!!! England gewinnt die EM 2022 dank eines späten Kelly-Treffers in der Verlängerung in eindrücklichem Wembley-Finale gegen Deutschland“

„The Sun“: „It’s come home! (Er ist nach Hause gekommen!) Englands Löwinnen brüllen voller Stolz, während sie ihren geschichtsträchtigen Triumph bei der EM 2022 feiern.“

„The Telegraph“: „Der tiefste Schmerz in Englands Sportseele ist getilgt. Und es ist eine Befreiung, die von Frauen vollbracht wurde – inmitten von Szenen reinsten Freudentaumels. (...) Dies ist ein Sport, der Frauen in England ein halbes Jahrhundert lang offiziell untersagt war. Noch in den 90er-Jahren wurde der Frauenfußball in der Fleet Street als „ein Spiel, das nur einvernehmlich von Erwachsenen im privaten Rahmen gespielt werden sollte“ verhöhnt. (...) Doch heute hat sich Optimismus über Kurzsichtigkeit und Verachtung hinweggesetzt. Es ist eine Lektion (...): Stelle Frauen in den Vordergrund und sieh zu, wie sie in die Höhe schnellen.“

„The Guardian“: „England zum Champion der EM 2022 gekrönt, nachdem Kelly Deutschland in der Verlängerung versenkt hat.“

„The Times“: „Die Fans sangen vom „Fußball, der nach Hause kommt“, und England musste eine Mannschaft besiegen, die für ihre Widerstandsfähigkeit bekannt ist und deren Vertreter sich ihnen in der Vergangenheit so oft in den Weg gestellt haben. Aber England hat die unaufhörliche Bewährungsprobe durch Deutschland bewältigt. Sie wurden ihren Erwartungen gerecht. Sie gingen in Führung, verloren sie und bewiesen dann ihren Charakter, indem sie sie zurückgewannen. Das machte ihre Leistung noch bedeutender, weil es Deutschland war.“

„The Independent“: „Kellys Treffer hat nicht nur den Sieg bei dieser Frauen-EM und den Löwinnen den ersten Turniererfolg ihrer Geschichte beschert. Man kann davon ausgehen, dass er noch viel mehr bewirken wird. (...) Zugegeben, ob Sieg oder Niederlage, Sarina Wiegman und ihre Spieler hatten das womöglich schon erreicht. Aber jetzt haben sie eine Trophäe, an der sie alles aufhängen können.“

Frankreich

„L’Equipe“: „England beendet seinen Fluch mit Gewinn der Frauen-EM“

„Le Figaro“: „Sarina Wiegman wurde nicht umsonst zur besten Trainerin des Jahres 2017 und 2020 gewählt. Fünf Jahre nach dem Gewinn der Europameisterschaft am Steuer der Niederlande behielt die Niederländerin ihre Krone, diesmal aber mit England.“

„Libération“: „Die Engländerinnen beherrschen den Alten Kontinent“

Spanien

„Marca“: „Es war ihre Europameisterschaft und sie durften nicht scheitern. England wollte debütieren und tat es im großen Stil, mit einem brechend vollen Wembley und gegen ein Deutschland, das nicht wusste, wie es ist, ein Finale zu verlieren.“

„La Vanguardia“: „England hat sein Traumziel erreicht. Nicht einmal die besten Drehbuchautoren hätten so eine perfekte Geschichte schreiben können.“

Österreich

„Kronen Zeitung“: „Europameister! England feiert heißes Sommermärchen“

„Kurier“: „England erfüllt sich den großen EM-Traum“

Schweiz

„Blick“: „England ist Europameister! Joker Chloe Kelly entscheidet vor der Rekordkulisse von 87 192 Fans in der Verlängerung das Final-Spektakel im Londoner Wembley. Deutschland fühlt sich benachteiligt - wie 1966!“

dpa

Traurige Gesichter im Konfettiregen: Den deutschen Fußballerinnen ist...

© dpa/Sebastian Gollnow

Traurige Gesichter im Konfettiregen: Den deutschen Fußballerinnen ist...

... die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

© dpa/Sebastian Gollnow

... die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben.

Der Jubel der Engländerinnen kannte indes keine Grenzen.

© dpa/Jonathan Brady

Der Jubel der Engländerinnen kannte indes keine Grenzen.

Beglückt saßen die „Lionesses“ auf dem Rasen.

© AFP/JUSTIN TALLIS

Beglückt saßen die „Lionesses“ auf dem Rasen.

Kapitänin Leah Williamson mit dem Pokal.

© AFP/JUSTIN TALLIS

Kapitänin Leah Williamson mit dem Pokal.

Besonders bitter: Die deutsche Kapitänin Alexandra Popp konnte im Finale gar nicht spielen.

© dpa/Sebastian Gollnow

Besonders bitter: Die deutsche Kapitänin Alexandra Popp konnte im Finale gar nicht spielen.

Bundeskanzler Olaf Scholz, seine Frau Britta Ernst (links) und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas waren nach London gekommen, um die deutschen Fußballerinnen anzufeuern.

© dpa/Sebastian Gollnow

Bundeskanzler Olaf Scholz, seine Frau Britta Ernst (links) und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas waren nach London gekommen, um die deutschen Fußballerinnen anzufeuern.

Doch am Ende ging der Pokal an Prinz Williams Engländerinnen.

© AFP/JUSTIN TALLIS

Doch am Ende ging der Pokal an Prinz Williams Engländerinnen.

Zum Artikel

Erstellt:
1. August 2022, 09:00 Uhr
Aktualisiert:
1. August 2022, 09:39 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen