Team Bora-hansgrohe

Russland-Frage an Kapitän Aleksandr Vlasov verweigert

Der Star des deutschen Rennstalls äußert sich kurz vor dem Start der Tour de France nicht zum Krieg in der Ukraine und dessen Folgen – weil sein Pressesprecher eine Frage unserer Zeitung ignoriert.

Aleksandr Vlasov, der Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe bei der Tour de France.

© Imago/Stefano/ Sirotti

Aleksandr Vlasov, der Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe bei der Tour de France.

Von Jochen Klingovsky

In der Pandemie war es üblich, Pressekonferenzen digital abzuhalten. Weil das Coronavirus hartnäckig ist und nun erneut die Tour de France zu infizieren droht, kehrten fast alle teilnehmenden Teams vor dem Start des Rennens an diesem Freitag in Kopenhagen zur Praxis der Online-Gespräche zurück. Dazu gehörte auch der deutsche Rennstall Bora-hansgrohe, der zwar Fragen der zugeschalteten Journalisten an seine Fahrer zuließ, allerdings nur schriftlich über die Chat-Funktion. Das gab Ralph Scherzer die fragwürdige Möglichkeit, unangenehme Fragen herauszufiltern. Und davon machte der Bora-Pressesprecher beim Thema Russland auch Gebrauch.

Der Radsport-Weltverband UCI hat entschieden, russische Teams zu sperren, nicht aber einzelne russische Profis. Was zur Situation führt, dass Aleksandr Vlasov bei der Tour de France um den Sieg kämpfen kann, während beim parallel laufenden Tennisturnier in Wimbledon Spielerinnen und Spieler aus Russland nicht zugelassen sind. Folglich lag die Frage, die unserer Redaktion während der Bora-Videokonferenz schriftlich gestellt hat, auf der Hand: Wie Vlasov, der Kapitän der Mannschaft, diese Situation denn beurteile? Eine Antwort darauf gab es allerdings nicht.

Ein kurzes „Nö!“

Zunächst ignorierte Pressesprecher Scherzer die Frage, und als er von einem anderen Journalisten explizit aufgefordert wurde, diese doch bitte zu stellen, antwortete er mit einem kurzen: „Nö!“ Danach beendete er das digitale Gespräch mit Vlasov.

Bisher hat sich der Radprofi, der in Monaco lebt, erst einmal zum russischen Angriff auf die Ukraine geäußert – das war Anfang März. „Wie viele Russen möchte auch ich nur Frieden“, erklärte er damals, „ich bin keine politische Person, und Leute wie ich wurden nicht gefragt, ob wir einen Krieg wollen. Es war für alle ein Schock, und ich hoffe, dass es bald enden wird.“ Was er darüber denkt, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat? Und wie sich das auf den Sport auswirkt? Das blieb im Vorfeld der Tour offen.

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Erstellt:
29. Juni 2022, 18:56 Uhr

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