Ehemaliger Trainer der Stuttgarter Kickers

So trimmt Dirk Schuster den 1. FC Kaiserslautern

Nach vier Jahren Drittliga-Hölle ist der 1. FC Kaiserslautern zurück in der zweiten Liga. Trotz riesiger Euphorie zählt für die Roten Teufel vor dem Auftakt an diesem Freitag nur eins: der Klassenverbleib.

Klare Kante auf dem Betzenberg: FCK-Coach Dirk Schuster

© IMAGO//Alexander Neis

Klare Kante auf dem Betzenberg: FCK-Coach Dirk Schuster

Von Marco Seliger

Die Spielplangestalter der zweiten Liga meinten es gut mit dem 1. FC Kaiserslautern. Und sie meinten es gut mit dem neutralen Publikum, das an diesem Freitag zum Saisonauftakt im deutschen Profifußball Stimmung und Tradition satt geliefert bekommt. Der FCK also gegen Hannover 96: auf dem Betzenberg, unter Flutlicht vor ausverkauftem Haus – dort also, wo der FC Bayern einst die Punkte per Post hinschicken wollte, wo Real Madrid und der FC Barcelona im Europapokal abgefertigt wurden und Otto Rehhagel sich später als Aufsteiger-Meister 1998 seine nächste Krone aufsetzte: Tradition und Moderne vereint in Reinform – mehr geht nicht zum Zweitliga-Auftakt, der speziell für den Aufsteiger FCK selbst ein besonderer ist.

Vier lange Jahre waren die Lauterer in der Versenkung der dritten Liga verschwunden. Erstligafußball gab es auf dem Betze zuletzt vor zehn Jahren, da ist es klar, dass der mythische Fußballberg an diesem Freitagabend nach langer Talsohle so laut beben wird wie lange nicht.

Nach dem Aufstieg vor ein paar Wochen in der Relegation gegen Dynamo Dresden ist die Vorfreude beim viermaligen deutschen Meister riesig – und das Stadion über der Stadt ein Faktor, der auch in Liga zwei Erfolg bringen soll. „Wenn das Zusammenspiel mit den Fans funktioniert, dann ist es für den Gegner am Betzenberg sehr, sehr eklig“, sagt der Kapitän Jean Zimmer, der in der Saison 2016/17 beim VfB Stuttgart spielte.

Trainer Dirk Schuster, der das Amt vor ein paar Wochen unmittelbar vor der Relegation von Marco Antwerpen übernahm, weiß das aus seinen Zeiten als knallharter Bundesliga-Manndecker nur zu gut: „Wenn ich früher mit dem KSC oder Köln hier den Berg hochgefahren bin, war jedem klar: Das wird eng heute – da waren nur positiv Bekloppte, die die Mannschaft pushen ohne Ende.“

Davon will der ehemalige Coach der Stuttgarter Kickers nun mit seinem Team selbst profitieren. Das Ziel für den Aufsteiger heißt Klassenverbleib – mithelfen sollen dabei zwei prominente Neuzugänge. Von Eintracht Frankfurt kam Weltmeister Erik Durm, der 30-Jährige soll mit Torhüter Andreas Luthe, der von Union Berlin kam, eine kleine Führungsachse bilden.

Durm und Luthe wussten nach ihrer Ankunft schnell, worauf es ihrem neuen Trainer ankommt: Leidenschaft, Teamgeist, Einsatz – das bleibt auch in Lautern das Mantra des Fußballlehrers Dirk Schuster, das perfekt zum Traditionsclub mit seinem Traditionsberg und den heißblütigen Fans zu passen scheint. „Laut’rer geben niemals auf, sie kämpfen“, das singen die Anhänger auf dem Betze – und das wollen sie sehen auf dem Platz. Schuster will das auch. „Ich sage immer: Mentalität schlägt Qualität“, sagt der Coach, der wohl wie gewohnt ein fittes Team auf den Platz schicken wird. So wurde in der Vorbereitung unter Schuster, na klar, ordentlich Kondition gebolzt. „Bis zum Kotzen“, wie es der Neuzugang Ben Zolinski verriet.

Dass der FCK nun vor dem ersten Spiel in der zweiten Liga steht, ist dabei mit Blick auf die jüngere Vergangenheit zumindest überraschend. Fast in der Hölle landeten die Roten Teufel in den vergangenen Jahren – weil sie fast pleite waren. Den Tiefpunkt erlebte der FCK im Jahr 2019. Der luxemburgische Unternehmer Flavio Becca hielt den Verein da zunächst mit einem geplanten Investment hin, gab dann nur eine Bürgschaft für einen Kredit ab und hinterließ einen Scherbenhaufen.

Der Juni 2020 wurde dann zur Zäsur. Die Schulden sollen sich damals auf 24 Millionen Euro belaufen haben. Der FCK nutzte seine letzte Chance und leitete eine Insolvenz in Eigenverwaltung ein. Die Pfälzer wurden so die Schulden los und für regionale Investoren attraktiv. Mit frischem Geld – mehr als zwölf Millionen Euro – ging es Schritt für Schritt nach oben, in Richtung des vorläufigen Gipfels der Glückseligkeit: Zweitligafußball auf dem Betzenberg.

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Erstellt:
13. Juli 2022, 12:40 Uhr

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