Das Projekt Bio-Bienen-Apfel

Vettel und Gabalier – die prominenten Bienenretter

Der Rennfahrer Sebastian Vettel, der Sänger Andreas Gabalier und viele andere Stars unterstützen das Projekt Bio-Bienen-Apfel und stellen es in München vor. Der viermalige Formel-1-Weltmeister hat sportlich schon bessere Zeiten erlebt, dafür aber eine grüne Ader in sich entdeckt.

Brüder im Geiste: der Sänger Andreas Gabalier (links) und der Rennfahrer Sebastian Vettel setzen sich für  Umwelt- und Naturschutz  ein.

Brüder im Geiste: der Sänger Andreas Gabalier (links) und der Rennfahrer Sebastian Vettel setzen sich für Umwelt- und Naturschutz ein.

Von Dominik Ignée

Der normalerweise Schnellste von allen kam fast zu spät. Mit Bart, wilder Frisur und dunkelgrünem Hemd betrat Sebastian Vettel in München das Seehaus im Englischen Garten. Er sah ein bisschen so aus, als sei er gerade aus dem Bett gefallen. Alle anderen waren schon da: Sänger Andreas Gabalier, Ski-Weltmeisterin Elisabeth Görgl, Fußball-Trainer Franco Foda, Topmodel Charlott Cordes, Influencerin Lisa-Marie Schiffner und einige mehr. Aus Estoril wurde der österreichische Tennisstar Dominic Thiem zugeschaltet.

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Die Zusammenkunft dieser illustren Gesellschaft mit Berühmtheiten aus Sport und Showbusiness hatte einen ernsthaften Grund. Unter dem Motto „das Summen darf nicht verstummen“ wurde erstmals in Deutschland das Projekt Bio-Bienen-Apfel vorgestellt, das es schon seit einem Jahr in Österreich gibt. Worum es geht? Bei diesem sogenannten Gesellschaftsprojekt ist jeder aufgerufen, mitzumachen. Es fängt mit dem Blumentopf auf dem Balkon an, führt über den eigenen Garten bis hin zu ungenutzten landwirtschaftlichen und städtischen Flächen, bei denen man den Bienen zuliebe das Gras, Blumen und Pflanzen ruhig mal wachsen lassen könnte. In Österreich wurden mithilfe des Projekts schon 400 Hektar für die wertvollen Insekten angelegt. Auf einer Fläche von 1200 Hektar finden eine Milliarden Bienen einen Lebensraum.

Einfach vorbildlich

„Ohne Bienen sieht es schlecht aus auf der Welt“, sagt Sebastian Vettel, deshalb müsse man da unbedingt was tun. Er und die anderen Prominenten unterstützen eine wirklich gute Sache, denn wenn es irgendwann keine Bienen mehr gibt, verschwinden auch Obst und Gemüse. „Ich habe eine wilde Blumenwiese hinterm Haus, die mähe ich mit meinen Nachbarburschen immer erst im Herbst“, sagt indes der österreichische Volks-Rock’n’Roller Gabalier und zeigt sich äußerst vorbildlich.

Der Barde und der Rennfahrer sind in gewisser Weise Gesinnungsbrüder der grünen Sache. Bei Vettel zeigt sich dieser Wandel schon seit ein paar Jahren. Auf der Rennstrecke bringt er im Spätherbst seiner Karriere auch wegen seines schwachbrüstigen Aston-Martin-Rennwagens nicht mehr viel hin, dafür aber setzt er sich jetzt für Umwelt- und Naturschutz ein. Ihm flog fast die Kinnlade runter, als ihn im Seehaus der Moderator mit den Worten begrüßte: „Glückwunsch zum achten Platz in Imola!“ Wie weit muss es mit einem viermaligen Formel-1-Weltmeister gekommen sein, wenn sie ihm schon wegen eines achten Platzes auf die Schulter klopfen? Vettels etwas trotzig wirkende Antwort, sie sagte alles: „Es war schon besser.“

Neue Ziele

Pech im Beruf, neue Aufgaben und Ziele im Privatleben – der Heppenheimer ist nicht wiederzuerkennen. „Ich werde Grün wählen“, sagte er vor der Bundestagswahl. Er erwarte eine handlungsfähige Regierung bei Themen wie „soziale Ungerechtigkeit oder die Klimakrise“. Das sind vor allem im Hinblick auf den letzten Punkt mutige Worte von einem Rennfahrer, dessen Gefährt auf 100 Kilometer 40 Liter Sprit verbraucht. Von der Abschaffung ökologisch sinnfreier Autorennen spricht Vettel nicht. Es ist ja auch erst ein paar Jahre her, da zählte der Heppenheimer noch zu den letzten echten Rennsportpuristen, die sich spritsaufende Zwölfzylinder zurückwünschten, denn Motorsport ist schließlich nur was für ganze Kerle, die die lauten Monstermaschinen im Heck ihrer Boliden auch zu bändigen wissen.

Heute sieht es Vettel wohl nicht mehr so. Der Mann scheint geläutert. Als Rennfahrer, der ja auch ständig im Flugzeug um den Planeten fliegt, ist es dennoch ein gewagter Spagat, den der 34 Jahre alte Hesse da vollführt. Dieses Dasein zwischen Umweltsünder und Umweltschützer mutet seltsam an. „Natürlich schwärme ich als Rennfahrer-Romantiker nach wie vor für schnelle Autos mit einem guten Sound. Aber ob das für die nächste Generation auch noch gilt? Wahrscheinlich interessiert sie sich gar nicht mehr so sehr für Zylinder, Hubraum und PS, sondern für Effizienz und Verkleinerung“, sagt Vettel, der sich auch schon für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ausgesprochen hat. „Es würde fast zwei Millionen Tonnen CO-2-Emissionen einsparen und würde die Straßen ein bisschen sicherer machen“, weiß er.

Grüne Ader

Ein Tempolimit scheint keinen Platz zu haben im Weltbild eines Rennfahrers. Es gutzuheißen ist aber unumgänglich, wenn man auf der grünen Welle schwimmt. So sah man den Piloten 2021 in Silverstone mit Fans den Müll von den Tribünen wegräumen. Das war zwar löblich, löste aber Verwunderung aus, weil sein Job an der Rennstrecke eigentlich ein anderer war.

Doch Sebastien Vettel hat eine grüne Ader in sich entdeckt. „Es ist unglaublich, was wir im ersten Jahr erreicht haben, aber viel spannender wird die Zukunft sein – ich freue mich drauf“, sagt er in München über das Bienen-Projekt. Dass der Moderator, der das letzte Wort hatte, ein weiteres Mal den achten Platz in Imola als eigentlich gutes Ergebnis bezeichnete, das nahm der grüne Rennfahrer nur noch stumm zur Kenntnis.

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Erstellt:
27. April 2022, 20:38 Uhr

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