WM 2022 in Katar

Warum der Bundestrainer stolz ist auf sein Team

Nach dem 1:1 gegen Spanien lebt beim deutschen Team die Hoffnung auf das Achtelfinale bei der WM 2022 in Katar. Der Bundestrainer ist „stolz“. Eine Analyse der Partie.

Bundestrainer Hansi Flick (li.) mit Torschütze Niclas Füllkrug.

© dpa/Robert Michael

Bundestrainer Hansi Flick (li.) mit Torschütze Niclas Füllkrug.

Von Marco Seliger

Es war die Zeit in diesem Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Spanien, als ein Punktgewinn immer weniger realistisch erschien. Wer von den elf Spielern in Weiß auf dem grünen Rasen noch Hoffnung hatte? Ist unklar. Sicher ist: Einer hatte sie auf jeden Fall. Und er war entschlossen.

Niclas Füllkrug war bis vor Kurzem noch nicht einmal Nationalspieler gewesen – allerdings ein Stürmer mit einem Lauf in der Fußball-Bundesliga. Der gewillt ist, jede Chance bedingungslos zu nutzen. In Ermangelung anderer Top-Angreifer seiner Marke wurde der 29-Jährige von Werder Bremen also zum Spätberufenen, dufte mit zur WM nach Katar – und nutzte ausgerechnet auch gegen die starken Spanier diese eine Möglichkeit, die sich ihm bot.

Der Ball wurde durchgesteckt in den Strafraum der Spanier, Füllkrug sprintete ihm nach, ein, zwei schnelle Schritte, dann zog er mit dem rechten Fuß ab – und schon zappelte der Ball im Netz. Eine traumhafte Geschichte, die den Albtraum der deutschen Fußballer, nach zwei Spielen mit null Punkten dazustehen, verhinderte. „Ein unglaubliches Tor, es fühlt sich gut an“, sagte Thomas Müller nach dem 1:1, „wir haben alles in die Waagschale geworfen, es war eine Energieleistung.“ Mit einem Punkt und doch noch Chancen aufs Weiterkommen geht die DFB-Elf nun ins abschließende Spiel gegen Costa Rica am Donnerstag – und hat sich zurückgemeldet in diesem WM-Turnier. „Ich bin stolz“, sagte Hansi Flick, „es war gigantisch, was die Mannschaft geleistet hat.“

Kehrer und Goretzka neu dabei

Der Bundestrainer hatte nach dem 1:2 gegen Japan eine Denkaufgabe zu lösen – was darin mündete, dass er zwei personelle Änderungen vornahm. Thilo Kehrer rückte in die Defensive, allerdings nicht für Niklas Süle, der gegen die Japaner als Rechtsverteidiger ein Unsicherheitsfaktor gewesen war. Der Dortmunder durfte in die Mitte der Abwehrkette rücken, wo Nico Schlotterbeck Platz machen musste. In der Offensive versuchte derweil Thomas Müller, ganz vorne Gefahr zu entfalten. Neu ins Team rutschte für Kai Havertz Leon Goretzka – mit dem klaren Auftrag, gemeinsam mit Joshua Kimmich und dem etwas offensiveren Ilkay Gündogan das Zentrum zu schließen. Wie schwer das gegen die spielstarken Spanier ist, zeigte sich dann schon gleich nach Spielbeginn.

Dani Olmo kam in der siebten Minute am rechten deutschen Strafraumeck zum Schuss, und es brauchte schon eine Glanzparade von Deutschlands Keeper Manuel Neuer, um den Ball noch an die Latte zu lenken. Das DFB-Team hatte große Mühe, dem Anfangselan der Spanier etwas entgegenzusetzen. Doch nach und nach konnte es die Partie offener gestalten, presste nun mutiger, kam selbst zu Chancen und zu einem intensiven, aber eher kurzen Glücksgefühl.

Antonio Rüdiger stand nach einer Freistoßflanke von Joshua Kimmich frei, nutzte den Spielraum für einen platzierten Kopfball – und tatsächlich landete der Ball in der 40. Minute im spanischen Tor. Dem Jubel folgte jedoch die Ernüchterung: Rüdiger war knapp im Abseits gestanden. Das war bitter, stärkte aber das Selbstvertrauen des DFB-Teams.

„Wichtig für das Gefühl“

Nach der Pause jedenfalls trauten sich die Deutschen, ihre Gegner noch früher zu attackieren, Kimmich hatte eine erste gute Chance, Spaniens Keeper Unai Simon parierte. Das alles sah besser und besser aus – doch bei all den Bemühungen vorne fehlte im entscheidenden Moment die Konzentration in der Defensive.

Thilo Kehrer ließ Jordi Alba etwas zu viel Platz zum Flanken, Niklas Süle reagierte gegen Alvaro Morata zu spät – und schon lag das deutsche Team zurück. Es war lediglich das 0:1 bei noch rund 30 Minuten auf der Uhr, und doch schwand für ein paar Minuten der Glaube an einen Sieg. Aber: Er kam noch einmal zurück – erst hatte Jamal Musiala in der 73. Minute freistehend eine Riesenchance. Zehn Minuten später kam dann der Moment des Niclas Füllkrug, der später sagte: „Es war wichtig für das Gefühl, dass wir diesen Punkt geholt haben.“

Somit geht das DFB-Team mit einem Punkt ins Gruppenfinale und profitiert auch vom Sieg von Costa Rica über Japan (1:0). Mit einem Sieg kann also doch noch das Achtelfinalticket gebucht werden. Es gibt noch eine Chance. Wer wissen will, wie man sie nutzt, kann gerne bei Niclas Füllkrug nachfragen.

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Erstellt:
27. November 2022, 23:16 Uhr

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