EM 2024 in Deutschland

Warum singen die Spanier die Nationalhymne nicht mit?

Bei der EM treffen in der „Hammergruppe“ am Samstagabend Spanien und Kroatien aufeinander. Ein Team sang seine Nationalhymne mit, das andere nicht. Die Gründe.

Die spanische Nationalhymne wartet mit einer Besonderheit auf, die der Grund ist, warum die Spieler sie nicht mitsingen. (Archivbild)

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Die spanische Nationalhymne wartet mit einer Besonderheit auf, die der Grund ist, warum die Spieler sie nicht mitsingen. (Archivbild)

Von Lotta Wellnitz

Jeder kennt das Bild: Fußballnationalmannschaften treten zum Länderspiel an und viele Spieler und Fans auf den Rängen im Stadion singen die Nationalhymne inbrünstig mit. Zu beobachten war das auch beim Eröffnungsspiel der diesjährigen Fußball-EM, als die DFB-Auswahl am Freitagabend gegen Schottland antrat. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ war in der Münchener Allianzarena zu hören.

Anders ist das allerdings, wenn die spanische Nationalmannschaft spielt – so also auch an diesem Samstagabend, wenn der Ex-Europameister gegen den WM-Dritte Kroatien im Berliner Olympiastadion antritt. Aber warum singen die Spanier nicht?

EM 2024: Warum singen die Spanier bei ihrer Hymne nicht mit?

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach. Denn als eine von wenigen Nationalhymnen Europas hat die „Marcha Real“, wie das Lied offiziell heißt, keinen Namen. Übersetzt heißt „Marcha Real“ königlicher Marsch. Die Fans der Furia Roja, so der Spitzname der spanischen Nationalmannschaft, summen stattdessen zur Melodie ihrer Nationalhymne mit.

Komponist von „Marcha Real“ ist Manuel de Espinosa. Erstmals erwähnt wurde sie laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) 1761 als Grenadiermarsch. So gehört sie zu den ältesten Nationalhymnen Europas. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde der Marsch offiziell die Nationalhymne von Spanien. „Marcha Real“ hat eine Länge von einer Minute und zwei Sekunden.

EM 2024: Warum hat die spanische Hymne keinen Text?

Eine gesichert Antwort darauf gibt es nicht. Es heißt, dass ein Grund die Uneinigkeit der spanischen Regionen sei. Denn noch heute stehen Provinzen wie Katalonien oder das Baskenland der spanischen Krone kritisch gegenüber – was natürlich eine Textfindung erschwert. In der Vergangenheit gab es außerdem immer wieder Streitigkeiten innerhalb des Landes über die Angemessenheit der Nationalhymne.

EM 2024: Gab es schon Versuche, einen Text für die Hymne zu finden?

Immer wieder wurde in der 250-jährigen Geschichte der „Marcha Real“ versucht, passende Zeilen zu finden – bisher ohne Erfolg. Im Januar 2008 wurde dann zum Beispiel ein Text vorgestellt, der das Ergebnis eines Wettbewerbes des spanischen Nationalen Olympischen Komitees war. Dieser sollte aus Einsendungen ausgewählt, und bei einer Sportgala vorgestellt werden. Auch sollte eine Unterschriftenaktion dazu beitragen, dass der ausgewählte Text offiziell zugelassen wird.

Der Siegertext aus über 7.000 Einsendungen, „Viva España!“ (“Es lebe Spanien“), stieß in der Öffentlichkeit und Politik aber auf breite Ablehnung, die größte spanische Sportzeitung „Marca“ betitelte das Stück etwa als „Totgeburt“.

Im Jahr 2018 unternahm die Popsängerin Marta Sánchez dann wieder einen Anlauf, der vom damaligen Ministerpräsident Mariano Rajoy euphorisch gelobt wurde. Allerdings stieß sie bei Musikerkollegen und in der Medienlandschaft eher auf Ablehnung. Im selben Jahr präsentierte der spanischer Musiker, Musikproduzent und Songwriter Alejandro Abad einen weiteren Textvorschlag – ebenfalls ohne Erfolg.

EM 2024: Wie heißen die Nationalhymnen der 24 Teilnehmer?

Beim Auftaktspiel der EM gab es in puncto Nationalhymnen gleich eine Besonderheit: Da Schottland Teil von Großbritannien ist, ist „God save the King“ die offizielle Nationalhymne. Bei Spielen der Fußball- oder Rugby-Nationalmannschaft wird aber in der Regel eine der drei (!) inoffiziellen Hymnen gespielt, und üblicherweise „Flower of Scotland“ (Blüte Schottlands). Und wie sieht es bei den anderen Nationen aus? Ein Überblick:

EM 2024: Welche anderen Länder haben keinen Text bei ihren Nationalhymnen?

San Marino, Bosnien-Herzegowina und der Kosovo sind übrigens weitere europäische Länder, bei der die Nationalhymnen keinen Text haben.

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Erstellt:
15. Juni 2024, 18:00 Uhr

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