Kleine Schwester der Luca-App soll helfen

Der Rems-Murr-Kreis baut seine digitalen Strukturen für Selbstschnelltests in den Schulen und Betrieben aus.

Kleine Schwester der Luca-App soll helfen

Foto: culture4life GmbH

BACKNANG/WAIBLINGEN (lra). Die dritte Welle der Coronapandemie gleicht einem Balanceakt: Einerseits muss hier und jetzt die dritte Welle gebrochen werden, andererseits fordern Unternehmen und Bürgerschaft zu Recht kreative Lösungen und Öffnungsperspektiven für die kommenden Wochen und Monate ein. „Auch wenn aufgrund steigender Infektionszahlen im Moment Ausgangssperren leider wahrscheinlicher sind als Öffnungen, müssen wir jetzt die Zeit nutzen und in verlässliche Strukturen investieren“, betont Landrat Richard Sigel und gibt weiter zu verstehen: „Das war uns im Rems-Murr-Kreis seit Beginn der Pandemie immer wichtig: Vorausschauend in funktionierende Strukturen zu investieren, ist der Kern unserer Strategie. Das hat sich bei unseren Testzentren für Schulen und Kitas schon letzten Herbst, aktuell beim Aufbau eines kreisweiten Schnelltestportals, aber auch bei der Infektionsstation der Rems-Murr-Kliniken bezahlt gemacht.“

Deshalb hat der Landrat bereits vor Beginn der Osterferien die Schulleitungen im Landkreis angeschrieben und eine Lösung zur digitalen Erfassung von Selbstschnelltests angekündigt, die auf den geschaffenen Strukturen aufbaut. „Auch wenn vom Land nach wie vor klare Regelungen fehlen, wie die Testungen in den Schulen nach den Ferien ablaufen sollen, bereiten wir uns in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Backnang vor“, so Sigel.

Dies sei umso wichtiger, nachdem Bund und Land angekündigt haben, Schnelltests, die Apotheker und Ärzte in Schulen und Kitas durchführen, in der bisherigen Form nicht mehr zu bezahlen. Vielerorts müssen die Teststrukturen daher neu und auf Selbstschnelltests ausgerichtet werden, was der Landkreis bedauert. Man arbeite mit Hochdruck daran, die Software hinter dem Schnelltestportal (Cosan) zu erweitern, heißt es aus dem Waiblinger Kreishaus. Konkret sollen auch Selbstschnelltests, die etwa in der Schule oder im Betrieb unter Aufsicht gemacht wurden, per Web-App erfasst und – auf lange Sicht – als Nachweis genutzt werden können. Dieses Modell könnte neben stationären Testzentren ein wichtiger Baustein für die Ermöglichung niederschwelliger und flächendeckender Coronaschnelltests sein und damit Öffnungen flankieren. Die Softwarelösung hat den Projektnamen „Cosima“.

„Neben den Schnelltests, die von geschultem Personal in einem Testzentrum gemacht werden, kommen nun immer mehr Selbstschnelltests zum Einsatz, etwa in Schulen und in den Betrieben“, sagt der Landrat. Schließlich brauche es bei einer möglichen Öffnung in einem Flächenlandkreis ein Netz an ineinandergreifenden digitalen Lösungen. Sigel: „Im Gegensatz zum Tübinger Modell, das mit stationären Testzentren auf eine Innenstadt ausgelegt ist.“

Durch die Anbindung an das Gesundheitsamt mit digitalen Lösungen werde die Nachverfolgung der Kontaktpersonen erheblich erleichtert. „Die Luca-App ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Allerdings fehlt aus unserer Sicht die Einbindung der Selbsttests“, so der Landrat weiter. „Deshalb möchten wir der Luca-App quasi eine kleine Schwester an die Seite stellen: die Cosima-App. Gemeinsam könnten Luca, Cosima und Cosan ein starkes Team für mehr Sicherheit durch digitale Vernetzung werden.“

Web-App als Abrundung

Derzeit arbeitet der Landkreis gemeinsam mit einem IT-Unternehmen an einer nutzerfreundlichen Web-App. Diese soll nach den Osterferien vorgestellt werden.

Der Rems-Murr-Kreis wäre auf mögliche Öffnungsszenarien vorbereitet: Über das Schnelltestportal und die eigens vom Landkreis und einem IT-Dienstleister entwickelte Software Cosan sind schon jetzt 45000 Schnelltests pro Woche in mehr als 120 Testzentren möglich. Möglich ist das, weil Testzentren, Kommunen und Landkreis an einem Strang ziehen.

Die Ergebnisse, die per E-Mail aufs Handy kommen, können schon jetzt als Nachweis eingesetzt werden. Die konsequente digitale Abwicklung erleichtert dabei allen Beteiligten die Prozesse – inklusive der Nachverfolgung positiver Fälle durch Gesundheitsamt und Kommunen.

„Cosima soll und kann Testzentren nicht ersetzen, soll diese aber sinnvoll ergänzen und erweitern“, so das Landratsamt.