Klett-Kinderbuchverlag

3167 Bücher gegen die Hetze – Verlag verschenkt Flüchtlings-Sachbuch an Schulen

Viele Bücher, eine Mission: Der Leipziger Verlag Klett-Kinderbuch will mit seiner Aktion vor den anstehenden Wahlen ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung setzen.

3167 Bücher gegen die Hetze – Verlag verschenkt Flüchtlings-Sachbuch an Schulen

Zainab (rechts) und Nida, die mit ihren Familien aus Afghanistan geflüchtet sind, kommen neben vielen anderen Kindern im Buch „Manchmal male ich ein Haus für uns“ zu Wort.

Von Andrea Kachelrieß

Der Klett-Kinderbuchverlag freut sich über die große Resonanz, die eine Verschenk-Aktion gefunden hat. In kostenlosen Klassensätzen hat der in Leipzig beheimatete Verlag sich von seinem letzten Kontingent des Flucht-Kinderbuchs „Manchmal male ich ein Haus für uns“ getrennt; bereits in den ersten Tagen der Aktion wurden mehr als 3000 Exemplare verschickt.

Das 2022 erschienene Buch von Alea Horst, die Kinder in einem Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos nach ihrem Alltag, ihren Ängsten und Träumen befragt hatten, schien der Verlegerin Monika Osberghaus vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen bestens geeignet, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Wir möchten nicht hinnehmen, dass das Thema – speziell hier in Ostdeutschland – derart negativ behandelt wird. Dies ist ein Buch gegen die Hetze; es stiftet zur Zuversicht an und ermöglicht Begegnung, und darum verschenken wir es zur rechten Zeit. Schulen sind ein guter Ort für diese Begegnung“, begründet die Verlegerin die Aktion und verweist auf die Botschaft des Buchs: „Wir haben mit diesem Buch erlebt, dass Kinder mit starker Empathie reagieren, wenn ihnen klar wird, dass die geflüchteten Kinder so sind wie sie – mit ihren Glücksmomenten und Hoffnungen“, so Osberghaus.

Das für den Jugendliteraturpreis 2023 nominierte und von Mehrdad Zaeri illustrierte Sachbuch läuft im Programm des Kinderbuchverlags aus, über den Handel sind letzte Exemplare noch erhältlich. Seine Verkaufszahlen waren zuletzt jedoch so schlecht, dass sich der Verlag zur Einstellung entschieden hat. „Gleichzeitig liegt uns das Buch sehr am Herzen“, betont die Verlagssprecherin Patricia Serve und erläutert: „Gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in einigen Bundesländern wollten wir nicht hinnehmen, dass Themen wie gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein gutes Miteinander zu kurz kommen. Deshalb wollten wir mit unserem Restbestand noch etwas Gutes bewirken und haben uns entschieden, die Bücher als Klassensätze an Schulen zu verschenken.“

Die vielen Lehrerinnen und Lehrer, die sich gemeldet haben, retten also nicht nur ein Buch vorm Einstampfen. Sie finden zudem für ein Thema, das in der öffentlichen Wahrnehmung von Ablehnung, Hass und Rassismus verdrängt wird, ein neues, junges Publikum. Dieses Interesse freut den Klett-Kinderbuchverlag, auch wenn er keine weiteren Anfragen mehr erfüllen kann. Insgesamt wurden 3167 Bücher in 105 Klassensätzen verschickt; bei den Versandkosten unterstützte der Vertriebspartner dtv. Mit Abstand die meisten Bücher gingen nach Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.