Der Otto-Borst-Preis ist einer der wichtigsten Preise für gelungene Stadtentwicklungen. Zwei bekannte Architekturbüros aus Stuttgart haben gute Chancen auf einen Award.
LRO Architekten aus Stuttgart haben neben dem Neubau für die Landesbibliothek auch die Freiflächen bis zur coolen Treppe des Stadtpalais gestaltet.
Von Tomo Pavlovic
Das Forum Stadt – Netzwerk historischer Städte e.V. lobt aktuell den Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung aus. Er wird seit 2005 im jährlichen Wechsel mit dem Otto-Borst-Preis zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verliehen. Der Name der Auszeichnung erinnert an den im Jahr 2001 verstorbenen Historiker Otto Borst, Gründer des in Esslingen am Neckar beheimateten Forum Stadt e.V. , der viele Jahre als Lehrer und Professor in Esslingen und Stuttgart wirkte.
Stadtumbau im Bestand als gesellschaftliche Aufgabe
Mit dem Preis zeichnet der Verein herausragende Maßnahmen der Erhaltung, Sanierung, Umnutzung und des Weiterbaus aus, die sämtlich der Entwicklung der historischen Stadt dienen und damit gewährleisten, dass eine zeitgemäße Nutzung den Stadtcharakter wahren kann. Der Wettbewerb ist offen für öffentliche wie private Bauherren und Planer, für städtische Einzelobjekte oder Ergebnisse städtebaulicher Planungen. Ausgenommen sind architektonische Leistungen ohne städtebaulichen Kontext sowie ausschließlich restauratorische Sanierungsmaßnahmen.
Neue Aufenthaltsqualitäten an der Stuttgarter Kulturmeile
Nun sind die Nominierungen des diesjährigen Wettbewerbs bekannt geworden. In der Kategorie Freiraum ist das Büro LRO aus Stuttgart ein Kandidat für den renommierten Preis, und zwar mit dem Projekt unter dem Titel „Kulturmeile Stuttgart – neue öffentliche Räume“, bei dem auch die Landeshauptstadt die Bauherrin ist.
LRO haben etwa die Erweiterung der Württembergischen Landesbibliothek geplant, die an einer städtebaulich delikaten Stelle der sogenannten Kulturmeile verortet ist, nämlich an der Stuttgarter Konrad-Adenauer-Straße und damit an der viel befahrenen B 14. In diesem Kontext haben LRO Architekten dann auch mit dem Boulevard, der Freitreppe sowie dem Fitz-Faller-Brunnen den Freiraum entlang dieser viel diskutierten Stadtautobahn neu interpretiert.
Stuttgarter Architekten sanieren Mehrzweckhalle
Ebenfalls nominiert für den Otto-Borst-Preis ist das Atelier Kaiser Shen, allerdings in der Kategorie „Besonderer Ort“. Das bekannte Stuttgarter Büro hat in dem knapp 1400 Einwohner zählenden Ort Ingerkingen in Oberschwaben eine Mehrzweckhalle saniert und umgebaut, wobei 60 Prozent des Altbaus bewahrt werden konnten.
Doch nicht nur der umweltschonende Umbau samt Aufstockung aus Holz haben Gefallen bei der Jury gefunden, auch die soziale Komponente spielte bei diesem Projekt eine Rolle: So haben die örtlichen Vereine bei der Entkernung des Altbaus tatkräftig mitgeholfen und damit Kosten gespart. Die Multifunktionshalle bildet nun wieder ein neues, funktionales Zentrum für die dörfliche Gemeinschaft.
Auszeichnung
Otto-Borst-Preis Der Preis wird während der internationalen Städtetagung 2026 vom 11. bis 13. Juni 20206 in Trier verliehen. Nominiert sind insgesamt 17 Büros in den Kategorien Freiraum, Quartier, Einzeldenkmal, Besonderer Ort, Stadtbaustein, Ensemble.