K-Pop

Comeback von BTS – Top oder Flop?

Seit die Boy-Popgroup Bangtan Sonyeondan, kurz BTS, nach vier Jahren Wehrdienst-Zwangspause ihr großes Comebackkonzert gegeben hat, verharrt Südkorea in einem Taumel.

Comeback von BTS – Top oder Flop?

BTS endlich wieder auf der Bühne: Das Comeback-Konzert im Gwanghwamun Square in Seoul am 21. März.

Von Felix Lill

Wo man in Seoul hinsieht, überall lila. Convenience Stores schmücken ihre Ladentüren mit der Farbe, Cafés haben ihre Menüs eingefärbt, Restaurants ihre Tischdecken, Fans ihr Haar. Lila ist über Tage Programm gewesen, denn damit wirbt die größte Musikgruppe aus Südkorea. Und die ist endlich zurück. BTS hat am Samstag ein Comebackkonzert im Zentrum von Seoul gegeben, damit ihr neues Album „Arirang“ vorgestellt. Seit Wochen ist es heiß erwartet worden. Jetzt dominiert die Gruppe Streams auf Netflix und Spotify. Dann geht es auf große Tournee, um die riesige Fangemeinde in der ganzen Welt zu bedienen. Am 11. und 12. Juli stehen zwei Konzerte in der Münchner Allianz Arena auf dem Programm.

Yonhap, Südkoreas öffentlich-rechtliche und größte Nachrichtenagentur, kommt aus dem Schwärmen nicht raus. „Das BTS-Comebackkonzert ist erfolgreich zu Ende gegangen. Aber die Freude ist noch lange nicht vorbei“, heißt es in einem Beitrag vom Montag. Der Palast Gyeongbokgung im Zentrum von Seoul, in dessen Nähe das Konzert vor rund 100 000 Fans stieg, ist noch Tage später voll junger Reisender, die sich in koreanischen Trachten verkleidet hatten und Fotos machten. Tatsächlich sind Fans aus aller Welt nach Südkorea gereist, um die Gruppe bei ihrem ersten Konzert nach fast vier Jahren auf der Bühne zu sehen. Eine Pause hatten die Mitglieder von BTS im Jahr 2022 verkündet, nachdem sich einige der sieben Männer in einer Solokarriere ausprobieren wollten, ihnen aber auch der in Südkorea verpflichtende Militärdienst ins Haus stand. Vorab war lange diskutiert worden, ob es für BTS-Mitglieder – wie für Spitzensportler – nicht eine Ausnahme von dieser Pflicht geben solle. Persönlichkeiten aus dem Sport, die für Südkorea eine Medaille oder Ähnliches gewinnen, werden nicht eingezogen – da sie schon Großes für das Land geleistet hätten. Insofern schien auch für die BTS-Mitglieder eine Ausnahme gerechtfertigt. Denn mit ihren Erfolgen sind sie längst inoffizielle Botschafter ihres Landes.

BTS wurde einst zur ersten Gruppe aus Südkorea, die auch in den USA die Albumcharts anführte. Später sprachen sie vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um jungen Menschen in der von Lockdowns geprägten Covid-Pandemie Mut zuzusprechen.

Staat bereitet BTS die große Bühne

Der weltweite Boom von K-Pop – Popmusik aus Südkorea – ist über das vergangene Jahrzehnt von keiner Gruppe so stark geprägt gewesen wie BTS. Ihre Texte gelten als authentisch, behandeln oft persönliche Erfahrungen, mentale Gesundheit und soziale Themen. Sound und Videos sind sehr präzise durchproduziert und -choreografiert. Mit ihrem cleanen Look BTS haben offenbar sogar dazu beigetragen, koreanisch aussehende Männer generell zu Symbolen äußerlicher Attraktivität zu machen. Und was beim Nachwuchs der letzten Jahre gut angekommen ist, hat auch dem Staat Südkoreas zu neuem Status verholfen. Im „Global Soft Power Index“, herausgegeben vom Londoner Marketingunternehmen Brand Finance, landet Südkorea aktuell auf Platz 11 der Welt. In der Begründung heißt es unter anderem: „Südkorea dient als Fallbeispiel für effektive Investitionen in kulturelle Relevanz zur Stärkung der Soft Power.“

Betont werden im Bericht „Zuwächse bei Bekanntheit und Einfluss, die maßgeblich auf global erfolgreiche Content-Branchen wie K-Pop, K-Dramas und K-Beauty zurückzuführen sind.“ Tatsächlich hat der südkoreanische Staat zumindest in früheren Jahren in Infrastruktur im Kultursektor investiert, um eine inländische Popkultur zu fördern – mit großem Erfolg.

„K-Pop ist zu einem der wichtigsten Treiber für Tourismus ins Land geworden und BTS ist hier vielleicht das wichtigste Aushängeschild“, sagt Frederic Spohr, Leiter des Seoul-Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung. „Auch im Bereich Public Diplomacy nutzt die Regierung BTS häufig. Mit BTS präsentiert sich Südkorea als weltoffenes Land. Die Regierung schafft deswegen immer wieder die große Bühne für BTS, weil sie weiß, dass die Band auf das ganze Land abstrahlt.“

Nur: Die Comebackshow von BTS ist womöglich gar nicht so erfolgreich gewesen, wie man sie sich gewünscht hätte. Denn es hätte wohl viel mehr Publikum sein sollen, zumal der Eintritt gratis war. Von einer Viertelmillion Fans war die Rede rund um das Comebackkonzert. Am Montag stürzte die Aktie von Hybe, dem Konzern hinter BTS, um 15 Prozent ein, erreichte damit ihren geringsten Wert seit vier Monaten. Nun wird spekuliert, dass die gleichzeitige Liveübertragung von Netflix in diverse Länder der Welt die Zuschauerzahlen vor Ort negativ beeinflusst haben könnte.

Zeit stand auch in Südkorea nicht still

Möglich aber auch, dass BTS als Gruppe ihre besten Tage hinter sich hat. Nicht so ganze gelungene Comebacks hat es in der Geschichte der Popmusik immer wieder gegeben, von der Boyband Take That über die Spice Girls bis zu den Backstreet Boys.

Auch im Fall von BTS ist in den knapp vier Jahren die Zeit weitergelaufen, weitere Gruppen aus Südkorea – wie Seventeen, Stray Kids oder Blackpink – haben viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Hinzu kommen virtuelle Stars wie die Protagonisten aus dem vor allem in den USA produzierten Film K-Pop Demon Hunters. Ohnehin wächst die Sorge im Land, dass K-Pop nicht ewig seinen weltweiten Status beibehalten, womöglich von neuen Trends verdrängt werden wird. Mit Blick auf BTS aber erwartet Frederic Spohr, dass es erstmal wieder steil bergauf gehen soll, notfalls auch mit Hilfe: „Sollte der Stern der Band tatsächlich sinken, wird der Staat versuchen, die Band wieder zu pushen.“