Glücksgefühle-Festival Hockenheimring

„Du kannst nicht nicht-politisch sein“: Kritik am Popevent hält an

Erst wurde die Band Alphaville ausgeladen, dann wieder eingeladen – doch die Band sagte ab. Nun zieht ein weiterer Act Konsequenzen. Der Versuch, das Glücksgefühle-Festival „komplett unpolitisch“ zu halten, bewirkt das Gegenteil.

„Du kannst nicht nicht-politisch sein“: Kritik am Popevent hält an

Die Macher des Glücksgefühle-Festivals stehen in der Kritik: Lukas Podolski (links) und Markus Krampe.

Von Gunther Reinhardt

Auf der Homepage des Glücksgefühle-Festivals findet sich im Zeitplan noch ein Eintrag für einen Auftritt der Band Alphaville: an diesem Freitag von 14:30 Uhr bis 15 Uhr auf der Dopamin-Stage. Doch dieser wird nicht stattfinden. Erst war die Band vom Veranstalter ausgeladen worden, weil dieser befürchtete, dass Alphaville in dieser halben Stunde nicht nur ihre Hits „Big in Japan“ und „Forever Young“ spielen, sondern sich auch politisch äußern. Nachdem es dafür von allen Seiten Kritik gab, wurde die Band wieder eingeladen. Doch Marian Gold, Sänger von Alphaville, lehnte die Wiedereinladung dankend ab.

Nicht Politik, sondern Zivilcourage

Den Organisatoren des Popevents auf dem Hockenheimring, bei dem unter anderen David Guetta, Ayliva und SDP auftreten, haben immer wieder betont, dass ihr Festival „komplett unpolitisch“ sein soll. Doch gerade dadurch haben sie es zu einem Politikum gemacht.

Nachdem Campino von den Toten Hosen Marian Gold bei einem Konzert in Münster auf die Bühne geholt und das Glücksgefühle-Festival als „beschissenes Piss-Festival“ bezeichnet hat, hat inzwischen zum Beispiel der DJ Beauty & the Beats, der am Samstag beim Glücksgefühle-Festival auftreten sollte, seinen Auftritt abgesagt. In einem Instagram-Beitrag sagt er: „Sich für unsere Demokratie, Vielfalt, Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus auszusprechen, hat entgegen der Meinung des Festivals nämlich absolut nichts mit Politik zu tun, sondern ist einfach ganz normale Zivilcourage.“

Das Set von Felix Jaehn am Samstag um 14 Uhr auf der Cloud 9 Stage soll zwar (bisher) weiterhin stattfinden. Jaehn hat aber per Instagram angekündigt, sich politisch äußern zu wollen und sich nicht den Mund verbieten zu lassen. In dem Instagram-Statement heißt es: „Seit wann soll Kunst unpolitisch sein? Seit wann wird die Meinungsfreiheit von Künstler:innen durch Veranstaltende eingeschränkt? Seit wann kann ein Event unpolitisch sein? Eine Band aufgrund von politischen Äußerungen auszuladen ist maximal politisch, und ihr habt damit das Festival erst so richtig politisch aufgeladen. Jetzt also erst recht!“

Es ist damit zu rechnen, dass einige der Acts, die an diesem Freitag und Samstag beim Glücksgefühle-Festival auftreten, es wie Felix Jaehn halten. Der Rapper Ski Aggu zum Beispiel, der ja gerade von Jens Spahn verklagt wurde, ist bekannt dafür, dass er gerne auf der Bühne klare Worte findet.

Kritik an der Einladung Andreas Gabaliers

Zu den Festival-Kritikern zählt auch der Co-Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Robin Mesarosch. „Du kannst nicht nicht-politisch sein, so sehr du dir das wünschst“, sagt er in einem Instagram-Reel. Er verweist auf den österreichischen Sänger Andreas Gabalier, der auf dem Festival auftreten soll und dessen Lieder auch politisch seien, wenn es etwa um Kameradschaft und Eiserne Kreuze gehe.

„Es ist vor allem Murks, wenn ein Veranstalter den einen Musiker auftreten lässt, den anderen aber nicht, und dann auch noch behauptet, das wär unpolitisch“, sagt Mesarosch. Er verbindet sein Posting mit dem Aufruf, den Veranstaltern zu schreiben, was sie von der Entscheidung halten. „Und die Bitte richte ich auch an die Bands, die in den nächsten Tagen auf dem Glücksgefühle-Festival auftreten.“

Auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die von 2021 bis 2025 Staatsministerin für Kultur und Medien war, hat sich inzwischen zum Glücksgefühle-Festival geäußert: Wenn der Veranstalter sage, es gehe nur um Good Vibes, nicht um politische Äußerungen, dann sei das „an Zynismus nicht zu überbieten“, schreibt sie auf Instagram: „Ich stehe ganz klar an der Seite von Alphaville und allen Künstlerinnen, die sich den Mund nicht verbieten lassen.“