Neu im Kino

Ein Film mit Hape Kerkeling – Wo der Deutsche ganz Türke ist

Die auch mit Hape Kerkeling hochkarätig besetzte Komödie „Extrawurst“ könnte Öl ins Feuer einer alten Debatte gießen.

Ein Film mit Hape Kerkeling – Wo der  Deutsche ganz Türke ist

Hape Kerkeling spielt in „Extrawurst“ den Vereinsvorsitzenden Heribert

Von Kathrin Horster

Heribert, erster Vorsitzender vom TC Lengenheide, hält sich nicht mit Petitessen auf. Der Vereinsgrill ist Schrott, ein neuer ausgesucht und das Geld dafür in der Kasse. Also kaufen und gut ist! Doch Heribert (Hape Kerkeling), der alte Feudalist, hat die Rechnung nicht mit seiner Platzrakete Melanie (Anja Knaur) gemacht.

Als bei der Mitgliederversammlung pro forma pro Grill gestimmt werden soll, riskiert die unangefochtene Doppelmeisterin eine Riesenlippe, die türkisch-muslimischen Mitglieder bräuchten einen eigenen Grill, um ihre Sucuk halal zu grillen. Den Aufriss veranstaltet Melanie allerdings bloß für ihren Spielpartner Erol (Fahri Yardim), den einzigen Muslim im Verein, noch dazu ein in Deutschland geborener, der bisher nie ein Problem damit hatte, dass der Grill vom TC Lengenheide beim Halal-Test abgeschmiert wäre. Als sich auch noch Melanies auf Erol eifersüchtiger Mann Torsten (Christoph Maria Herbst) in die Debatte einschaltet und darauf hin jedes Vereinsmitglied Senf zur deutsch-türkischen Wurstkrise geben will, platzt Heribert der Kragen.

Es fängt lustig an

Konversationskomödien wurden sowohl im Theater als auch im Kino vor allem aus der Feder der Französin Yasmina Reza zum Hit – siehe „Der Gott des Gemetzels“ über den Zoff zweier großbürgerlicher Elternpaare. So viel Pfeffer hat Marcus H. Rosenmüllers Kinoadaption vom Bühnenstück „Extrawurst“ des Kölner Autoren-Duos Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob leider nicht.

Zwar fängt alles ganz lustig an im Eiche-kackbraun furnierten Pressspanmöbel-Dekor einer typisch deutschen Tennishallenkneipe, wo Hape Kerkelings Heribert als feister Vereinsmeier mit Ego und Ischias über seine Untergebenen herrscht. Der Konflikt um Grill und Wurst ist allerdings derartig spießig-realistisch geraten, dass er selten zum Lachen reizt. Melanie, die ihrem Partner Erol nur Gutes will, verstrickt sich selbst in Vorurteile, weil sie den Deutschen permanent als Türken bezeichnet und ihm mit ihrer wohlmeinenden Einmischung über Mund und Meinung fährt. Das Vereinskollegium macht es nicht besser.

Nur die Klischees werden verhandelt

Die Komödie rührt zwar am realen Problem, dass deutsche Muslime im eigenen Land nach wie vor nicht als Deutsche gelten, sondern als ewige Ausländer, denen vermeintlich aufgeschlossene Ureinwohner zu ihrem Recht verhelfen wollen. Die Dialoge, die Rosenmüller in seinem um Tennisplatz und Geräteraum erweiterten Kammerspiel mit seinem prinzipiell engagierten Ensemble inszeniert, verhandeln aber bloß die Klischees einer abgestandenen Debatte, um so das komödiantische Moment zu erzwingen.

Die im Kern heiße „Extrawurst“ brutzelt zwischen dem Anspruch, den Wert von Toleranz und Solidarität in sozial rauen Zeiten zu vermitteln, und dem Druck, deutschen Kinogängern harmlose Ablenkung von der AfD-infizierten Realität zu schenken, auf kleiner Flamme vor sich hin. Weil sich Rosenmüller weder für das eine noch das andere konkret entscheidet, bleibt sie ein unbefriedigend halbgares Vergnügen.

Extrawurst. Deutschland 2026. Regie: Marcus H. Rosenmüller. Mit Hape Kerkeling, Anja Knaur. 98 Minuten. Ab 12 Jahren.