Brad Pitt als Ex-US-Soldat James Belmont mit seinem Schäferhund Odin in „Eiserne Wildnis - Heart of the Beast"
Der ehemalige Soldat der US-Special-Forces James Belmont (Brad Pitt) sucht nach dreißig Dienstjahren im Ruhestand die totale Einsamkeit. Mit einem Sportflugzeug fliegt er hinaus in die Wildnis Alaskas. Zelt, Angelrute, eine Kühlbox mit belgischem Bier und keine Menschenseele weit und breit.
Das Wasser des Sees ist klar, das Licht der Sonne ungebrochen, und in der Ferne erstrahlen die Berge in majestätischer Größe. Mit dabei ist sein treuer Schäferhund Odin, der ihn als Spür- und Kampfhund bei seinen Einsätzen in Afghanistan und im Irak begleitet hat. Das Tier hat eine Pfote im Kampf verloren und wird genauso wie sein Besitzer nachts im Traum von den schrecklichen Kriegserlebnissen heimgesucht.
In David Ayers Survival-Thriller „Eiserne Wildnis“ verschmelzen Mann und Hund zu einer traumatisierten, seelischen Einheit, deren Verbundenheit auf eine neue Probe gestellt wird. Auf dem Rückflug bei stürmischen Wetterbedingungen erleidet James einen Herzinfarkt. Nach dem dramatischen Flugzeugabsturz müssen sich Mann und Hund mehr als achtzig Kilometer durch die Wildnis bis zur nächsten Straße durchschlagen. Dabei hält die unbarmherzige Natur Alaskas für die beiden so manche Prüfung bereit. Reißende Flüsse und moorige Wälder gilt es zu durchqueren. Ein riesiger Braunbär kommt im feinsten Dolby-Surround-Getrappel angerannt, und ein digital animiertes Wolfsrudel fällt über die beiden her.
Der Actionregisseur David Ayer („Suicide Squad“) inszeniert „Eiserne Wildnis“ als geradlinigen Survival-Thriller, der ganz auf die Präsenz seines prominenten Stars vor einer imposanten Naturkulisse setzt. Brad Pitt spielt den militärisch ausgebildeten Überlebensspezialisten, dessen traumatische Kriegserlebnisse nur in Traumsequenzen angerissen und nicht ethisch eingeordnet werden, mit der ihm eigenen nonchalanten Coolness. Im Kampf gegen die Gefahren der Wildnis führt er seine Figur an ihre körperlichen wie medizinischen Grenzen und zeichnet den ehemaligen Soldaten als Helden der Resilienz, der sich selbst den gebrochenen Arm schient und in jeder noch so ausweglosen Situation ein Lagerfeuer in Gang setzen kann.
Dabei stiehlt ihm sein Co-Star, der Hund, fast die Show. Es ist beachtlich, wie Regie, Bildgestaltung und Tiertrainer den Vierbeiner als gleichberechtigte Figur in Szene setzen. Denn im Kern ist dieses Actionspektakel auch eine romantische Schnulze, die die tiefe Beziehung zwischen Hund und Herrchen gnadenlos sentimentalisiert. Mit einer ganzen Palette von seelenvollen Blicken stellt dieser deutsche Schäferhund die emotionale Verbindung zum Publikum her und dürfte selbst eingefleischte Katzenliebhaber von seiner Treuherzigkeit überzeugen. Dies ist auch dringend notwendig, weil dieser Film per Definition nur mit sehr wenigen Dialogen auskommen muss. Zu Beginn kommt noch J. K. Simmons in einer etwas aufgesetzten Szene in einem Kanu angepaddelt, um dem schweigsamen Helden ein paar Sätze über dessen Vergangenheit zu entlocken und eine Handvoll Lebensweisheiten loszuwerden. Danach müssen Mann und Hund das Publikum alleine unterhalten.
Immerhin gibt es noch die spektakuläre Naturkulisse, die der oscarprämierte, italienische Kameramann Mauro Fiore ‚(„Avatar – Aufbruch nach Pandora“) in brillanten Totalen und malerischen Drohnenflügen ins Bild fasst. Wer nach dem Kinobesuch den nächsten Survival-Urlaub in Alaska buchen will, sollte wissen, dass der Film auf der anderen Erdhalbkugel in Neuseeland gedreht wurde, das seit „Herr der Ringe“ zum Mekka für Filmproduktionen auf der Suche nach wildromantischen Naturkulissen avanciert ist.
Ziemlich beste Freunde: James Belmont (Brad Pitt) und Odin