Darstellung in Stuttgart-„Tatort“

Fake-Lösegeld-Forderungen bei Vermisstenfällen – gibt es das?

Der aktuelle Stuttgart-„Tatort“ beschäftigte sich mit einem vermissten Kind. Bei der Polizei gingen Fake-Forderungen von angeblichen Entführern ein. Was die echte Polizei dazu sagt.

Fake-Lösegeld-Forderungen bei Vermisstenfällen – gibt es das?

Im aktuellen Stuttgart-„Tatort“ gingen bei einem Vermisstenfall zahlreiche Lösegeldforderungen bei der Polizei ein. Ist das im wahren Leben wirklich so?

Von Sascha Maier

Der aktuelle Stuttgarter „Tatort: Ex-It“ wurde von der Kritik eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen, auch unsere Rezension kam zu dem Schluss, dass „kaum echte Spannung“ aufkommen wollte. Dennoch hat eine Szene womöglich für Aufsehen gesorgt: In dem Film, der unter anderem eine Vermisstensuche nach einem Kind thematisiert, gingen bei der Polizei mehrere Lösegeldforderungen von angeblichen Entführern ein. Ganz normal sei das, so die Ermittler, wenn Vermisstenfälle groß in der Presse gebracht würden.

Aber sind wirklich so viele Leute so schäbig, dass sie versuchen, das Leid von Eltern vermisster Kinder derart perfide auszunutzen und eine Entführung vorgaukeln, um sich zu bereichern? Ein kurzer Faktencheck kommt zu einem ziemlich eindeutigen Ergebnis. Die echte Stuttgarter Polizei sieht in der Darstellung im „Tatort“ nämlich keine Parallelen zur Wirklichkeit.

„Uns ist kein einziger solcher Fall bekannt“, sagt der Stuttgarter Polizeisprecher Stephan Widmann. Das Raubdezernat erinnere sich an keine vergleichbaren Vorkommnisse.

Auch im „Tatort“ am Ende alles fake

Auch eine Google-Suche mit naheliegenden Schlagworten erzielt keine Treffer – vorgegaukelte Vermisstensuchen gebe es zwar, aber dass Kriminelle Eltern von vermissten Kindern zu Lösegeldzahlungen auffordern würden: Fehlanzeige.

Immerhin: Im Stuttgart-„Tatort“ stellt sich schließlich auch heraus, dass die fiktiven Lösegeldforderungen von der eigenen Mutter gefälscht wurden: Um die Hoffnung lebendig zu halten, dass es dem Kind gut gehe. Aber bei allen unvorstellbaren Verbrechen, die es wirklich gibt: Fake-Lösegeldforderungen gegen Angehörige von Vermissten gehören zumindest in Stuttgart wohl ins Reich der Fabeln.