Da werden Erinnerungen an E.T. wach: Der Science-Fiction-Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“ erzählt von einer Weltrettungs-Mission und der Kraft der Kommunikation.
Ryan Gosling als Ryland Grace in „Der Astronaut“
Von Martin Schwickert
Lange, fettige Haare und Zottelbart – so verwahrlost wie zu Beginn von „Der Astronaut – Project Hail Mary“ hat man Ryan Gosling noch nie auf der Leinwand gesehen. Sein Ryland Grace ist gerade aus einem langjährigen künstlichen Koma erwacht. Der Mann hat keine Ahnung, wer und wo er ist und warum er dort ist – in einem Raumschiff Lichtjahre von seinem Apartment entfernt im Tau-Ceti-System.
Weltraumbakterien schwächen die Kraft der Sonne
Nur langsam kehrt während der nächsten Tage und Wochen das Gedächtnis bruchstückhaft zurück. Dem Publikum helfen derweil Rückblenden in die irdische Vergangenheit des Weltraumreisenden. Als engagierter Mittelschullehrer verdingt sich der promovierte Molekularbiologe, als die Uno-Beauftragte Eva Stratt (Sandra Hüller) ihn für ein Projekt zur Rettung des Planeten Erde rekrutiert. Dessen Existenz wird durch Weltraumbakterien, Astrophagen, bedroht, welche die Kraft der Sonne erheblich schwächen. Eine neue Eiszeit und weltweite Hungersnöte stehen bevor. Nur ein Stern im Tau-Ceti-System scheint immun gegen die Sonnenkillerbakterien zu sein. Ein Raumschiff wird gebaut und ein Himmelfahrtskommando zusammengestellt, um das Geheimnis der Resilienz zu entschlüsseln.
Trotz dieses dystopischen Szenarios entwerfen die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller mit „Der Astronaut“ einen überraschend optimistischen Film. Als Vorlage diente ihnen der gleichnamige Roman von Andy Weir, dessen „Der Marsianer“ vor elf Jahren von Ridley Scott adaptiert wurde.
Der Alien – ein steinartiges Wesen mit Krabbenbeinen
Die beiden Geschichten sind durch eine klare Seelenverwandtschaft miteinander verbunden. Hier wie dort findet sich ein Astronaut allein in einer außerirdischen Umgebung wieder und stemmt sich mit wissenschaftlicher Erfindungsgabe und ungebremstem Überlebenswillen gegen die widrigen Verhältnisse. „Der Astronaut“ rückt jedoch schon bald von dem Einzelkämpfer-Szenario ab und stellt dem tapferen Erdling einen außerirdischen Freund zur Seite – ein steinartiges Wesen mit Krabbenbeinen, das Grace auf den Namen Rocky tauft.
Das ungleiche Duo macht sich an die Arbeit, um das Geheimnis der Astrophagen-Immunität zu erforschen. Äußerst liebenswürdig wird dieses nerdige Teamwork der beiden Wissenschaftstüftler in Szene gesetzt, die sich mit ungetrübter Neugier für die Welt und die Gedanken des jeweils anderen interessieren. „Der Astronaut“ bricht eine Lanze für die unvoreingenommene Begegnung mit dem Fremden und für die problemlösende Kraft der gemeinsamen Kommunikation. In Zeiten weltpolitischer Polarisierung ist eine solche Botschaft im Science-Fiction-Format mehr als willkommen. Vor allem weil sie hier mit viel Humor, Herz und übersprudelnden Ideenreichtum lebendig wird.
Für sein optimistisches Vorhaben hat das Regieduo Lord und Miller („21 Jump Street“) mit Ryan Gosling den idealen Hauptdarsteller gefunden. Dessen Star-Charisma gründet ja nicht nur auf seinem blendenden Aussehen, sondern vor allem auf jener unnachahmlichen Leichtigkeit, mit der er diesen schauspielerischen Marathon über 156 höchst unterhaltsame Kinominuten absolviert.
Hierzu bildet Sandra Hüller als hyperpragmatische Projektleiterin einen interessanten Gegenpol und bringt mit einer wunderbaren Karaokeversion von Harry Styles „Sign of the Times“ nur ganz kurz die innere Melancholie ihrer Figur zum Leuchten.
Der Astronaut – Project Hail Mary: USA 2026. Regie: Phil Lord, Christopher Miller. Mit Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lyonel Boyce, 156 Minuten. Ab 12 Jahren.