Travis Knight erweckt in „Masters of the Universe“ die Kinderzimmer-Superhelden aus den Achtzigern zum Leben. Lohnt sich das Anschauen?
Alte Schulfreunde – und vielleicht mehr? Adam (Nicholas Galitzine) und Teela (Camila Mendes)
Von Martin Schwickert
Dass Superhelden aus Comicvorlagen auf der Kinoleinwand überlebensgroße Gestalt annehmen, gehört zum cineastischen Alltag. Aber auch die Spielzeugindustrie ist längst auf den Blockbuster-Zug aufgesprungen. Mit „Transformers“ (2007) verwandelte Michael Bay die umbaufähigen Actionfiguren des Herstellers Hasbro in ein lukratives Film-Franchise. Wenig später folgten zahlreiche Lego-Movies. Mit „Barbie“ (2023) fand Greta Gerwig einen kongenialen, feministisch-ironischen Zugang zum Puppenuniversum.
Remake eines Mega-Flops
Nun hat Regisseur Travis Knight („Bumblebee“) die Spielfiguren seiner Kindheit aus dem Keller gekramt, welche die Firma Mattel in den Achtzigern auf den Markt brachte. Schon damals gehörten zum Marketingkonzept eigene Comic-Hefte, Zeichentrickfilme sowie ein Kinofilm, der die Verkaufszahlen ankurbeln sollte. Gary Goddards „Masters of the Universe“ (1987) ging damals allerdings an der Kinokasse mit Mast und Segel unter und spielte nicht einmal seine Produktionskosten wieder ein. Vollkommen talentfrei verkörperte Dolph Lundgren den blonden He-Man mit kühlschrankgroßem Brustkorb und geschultertem Zauberschwert. Aber als B-Movie, dessen Qualitäten sich vornehmlich im Bereich der unfreiwilligen Komik entfalteten, brachte es das einfältige Action-Fantasy-Spektakel bei einer eingeschworenen Fangemeinde zu einem gewissen Kultstatus.
Dass nun die Amazon-Studios im Verein mit Mattel ein Budget von 170 Millionen in das Remake eines Mega-Flops aus den 1980er-Jahren investieren, wirkt auf den ersten Blick etwas skurril. Aber der Profit eines solchen Vorhabens wird eben nicht nur an der Kinokasse gemessen, sondern vor allem am Verkauf von Action-Spielfiguren und Merchandisingprodukten.
In erster Linie ist „Masters of the Universe“ ein 132-minütiges Product-Placement im Kinoformat. Trotzdem gelingt es dem Regisseur Travis Knight den generischen Charakter des Projektes zeitweise zu verdecken, indem er eine gute Portion Humor in das Superhelden-Epos einfließen lässt. Es beginnt auf dem Planeten Eternia, wo der kleine Prinz Adam nur widerwillig zum Kampftraining bei dem alten Haudegen Duncan (Idris Elba) antritt. Der schmächtige Junge ist nicht geschaffen für die Rolle des Kriegers, was sein Vater Randor (James Purefoy) nicht akzeptieren will. Der Herrscher weiß, dass sein Königreich, in dem das magische Schwert von Grayskull beheimatet ist, stets von außen bedroht wird.
Und schon fliegen die ersten Bomben und Raketen. Der bösartige Skeletor (Jared Leto) und seine furchterregenden Kämpfer erobern Eternia im Sturm. Mithilfe der Magierin The Sorceress (Morena Baccarin) kann Adam flüchten, verliert jedoch im Landeanflug auf den Planeten Erde das Zauberschwert. Fünfzehn Jahre später arbeitet Adam (Nicholas Galitzine) in der Personalabteilung eines Großunternehmens und versucht sich, so gut es geht, in das Erdenleben zu integrieren. Nur als er bei einem Date nach seiner Herkunft gefragt wird, verschreckt er die junge Frau mit seiner Fantasy-Familiengeschichte. Manisch sucht er im Internet nach dem Zauberschwert, das die letzte Verbindung zu seiner eigentlichen Existenz darstellt. Schließlich findet er es in einem Comic-Fanshop, und wenig später treten Skeletors Söldner auf den Plan, um das Objekt der Begierde an sich zu reißen.
Nur mithilfe seiner früheren Schulfreundin Teela (Camila Mendes) kann Adam fliehen und endlich in seine alte Heimat zurückkehren. Dort herrscht Skeletor mit harter Hand und hofft durch das magische Schwert zum Diktator der ganzen Galaxie aufzusteigen. Aber erst einmal verleiht die schwungvoll gen Himmel gereckte Zauberwaffe Adam ungewohnte Kampfeskraft. Seine Statur bläht sich zu einem durchtrainierten Muskelkörper auf, der sich fortan in einem knappen Lendenschurz-Kostüm präsentiert. Zusammen mit der kampferprobten Teela und deren Vater Duncan, der mittlerweile dem Alkohol verfallen ist, macht sich Adam als He-Man daran, die Tyrannei zu beenden.
Die Story von „Masters of the Universe“ kommt direkt aus der Fantasy-Retorte und führt über einige Hindernisse hinweg zum Triumph. Dabei darf der muskulöse Held seine Erfahrungen aus der Personalabteilung zur Motivation seiner Mitkämpfenden einsetzen. Was mit dem Team-Building-Seminar im Großraumbüro funktioniert hat, kann auch direkt in der epischen Schlacht zwischen Gut und Böse angewendet werden.
Mehr als Merchandising?
Solche ironischen Verbindungen zwischen irdischem Leben und Fantasy-Welten bestimmen den augenzwinkernden Humor des Filmes, der seinen Helden immer wieder ins schillernde Licht der Selbstironisierung setzt. Dadurch werden der übersichtliche Plot, die vorhersehbaren Figurenentwicklungen und rituellen Schlachtengemetzel zumindest punktuell ein wenig aufgelockert. Dennoch sucht man während der zwei moderat unterhaltsamen Kinostunden vergeblich nach Sinn und Zweck des Unternehmens, die über die Merchandising-Strategien des Spielzeugherstellers hinausweisen könnten.
Masters of the Universe. USA 2026. Regie: Travis Knight. Mit Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Idris Elba. 132 Min., ab zwölf Jahren.