Fernsehen

Kultkrimis statt WM

Keine Lust auf WM-TV? Als Kontrastprogramm wiederholen die dritten Programme Kultkrimi-Reihen, die ein allzu frühes Ende ereilte.

Kultkrimis statt WM

Kommissar Zeki Demirbilek (Tim Seyfi) und Kollegin Isabel Vierkant (re. Theresa Hanich) am Leichenfundort

Von Tilmann P. Gangloff

Ob Adolf Grimme das wirklich so gesagt hat, sei dahingestellt, aber seiner Haltung hätte das Zitat durchaus entsprochen: „Wir senden, was die Leute sehen wollen sollen.“ Grimme, Namenspatron des renommiertesten deutschen Fernsehpreises, war nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich an der Gründung des deutschen Rundfunks beteiligt und wurde 1948 erster Generaldirektor des damaligen NWDR.

Knapp achtzig Jahre später können sich ARD und ZDF eine derart pädagogische Ausrichtung längst nicht mehr leisten, was wiederum zur Folge hat, dass sehenswerte Reihen regelmäßig eingestellt werden, wenn das Publikumsinteresse nachlässt. Zum Glück gibt’s die „Dritten“, die während der WM ein Wiedersehen ermöglichen, zum Beispiel an diesem Samstagabend mit „Kommissar Pascha“ aus dem Jahr 2017. Der Münchener Ermittler mit türkischen Wurzeln, bis heute eine der originellsten Figuren inmitten der kaum noch überschaubaren Anzahl an TV-Krimis und grandios von Tim Seyfi verkörpert, durfte nur zweimal ermitteln. Die Komödien erzählen Geschichten mit viel Atmosphäre und einer Menge Lokalkolorit: Zeki Demirbilek und sein Team sind für Verbrechen von oder an Menschen mit Migrationshintergrund zuständig. Der WDR zeigt beide Filme (21.45 Uhr, 23.10 Uhr). Der erste ist der bessere: Die „Migra“ sucht den Mörder eines jungen Türken. Der Mann war der Gärtner des größten deutschen Döner-Betreibers, der seine Tochter mit dem Sohn eines Konkurrenten verheiraten will.

Albträume wie aus einem Horrorthriller

Ein ähnliches Schicksal wie „Kommissar Pascha“ ereilte die „Kluftingerkrimis“ mit Herbert Knaup, der den kultigen Kommissar aus dem Allgäu zwischen 2009 und 2016 immerhin fünfmal spielen durfte. „Herzblut“ (BR, diesen Samstag, 20.15 Uhr) war 2016 der vorletzte Film der Reihe, fiel aber mit seiner ungewohnt drastischen Geschichte über einen Serienmörder aus dem Rahmen der bis dahin eher komischen Krimis. Für die heiteren Momente sorgt ein Missverständnis: Nach einem Gespräch mit seinem Arzt ist Kluftinger überzeugt, sein Herz sei so gut wie hinüber. Die aus der Angst resultierenden Albträume bescheren dem Film einige Szenen, die Regisseur Lars Montag – für die Netflix-Serie „How to sell Drugs online (fast)“ 2020 mit dem Grimme-Preis geehrt – wie aus einem Horrorthriller inszeniert. Auch wenn einige Details und Dialoge sehr witzig sind: Spätestens zum fesselnden und eindrucksvoll gestalteten Finale in einer Geisterbahn kann von Komödie keine Rede mehr sein.

Brutaler Mord an einem Priester

Am Montag (29. Juni) wiederholt die ARD um 20.15 Uhr den „Donna Leon“-Krimi „Tod zwischen den Zeilen“ von 2017. Besonders ungewöhnlich ist diesmal der Prolog, die Geschichte beginnt im Jahr 1587, als ein Mann gemeuchelt wird, der beste Aussichten hat, der nächste Doge von Venedig zu werden. Die Identität des Mörders bleibt zunächst unklar, aber 430 Jahre später zieht die Untat eine weitere nach sich, als ein ehemaliger Priester brutal zu Tode getreten wird. Der Film bietet vor allem schöne Venedig-Bilder, davon abgesehen ist es immer eine Freude, dem vor einem halben Jahr verstorbenen Uwe Kockisch bei der Arbeit zuzuschauen.