Soll man sich lieber wegducken, wenn man nicht weiß, was zu tun ist? Das Junge Ensemble Stuttgart geht dieser Frage mit Humor nach.
Rätselraten bei Adriana Fernandez Falso, Gerd Ritter und Maximilian Schaible. In der Anleitung steht nicht, was zu tun ist.
Von Adrienne Braun
Für Kinder sind das die Schilder, die neugierig machen: Vorsicht! Achtung! Betreten nur auf eigene Gefahr! Da können Eltern warnen, soviel sie mögen. Ob es Baustellen sind oder verlassene Grundstücke, je verbotener, desto größer die Lust, darauf herumzustromern. Deshalb haben die Kinder auch keine Sorge, in den Theatersaal des Jungen Ensembles Stuttgart zu gehen, obwohl Alarmstufe herrscht und es lästig piepst und trötet – und die Schauspieler aufgeregt durchs Haus wuseln.
Was tun, wenn Unvorhergesehenes passiert? Das ist die große Frage in „Eintritt auf eigene Gefahr“, dem neuen Stück im Jungen Ensemble Stuttgart, das die Intendantin Grete Pagan mit dem Ensemble entwickelt hat für Kinder ab fünf Jahren. Und die werden beim Durcheinander auf der Bühne schnell begreifen, dass auch Erwachsene nicht immer wissen, was zu tun ist. Denn wie soll man sich bei Alarm verhalten, wenn man nicht einmal weiß, warum er ausgelöst wurde?
Im Ordner steht nicht alles
Es ist nicht die hellste Truppe, die da auf der leeren Bühne beratschlagt, wobei alle Vier sich am liebsten wegducken würden und die anderen entscheiden lassen. Nicht einmal der Chef hat die Lage annähernd im Griff und drückt sich vor der Verantwortung. „Ich kann das nicht alles allein! Alles hängt an mir!“ Aber was soll man machen, wenn man nicht weiß, wie die eine korrekte Antwort ausschaut? Also holen sie einen Ordner, der angeblich Anleitungen bereithält für sämtliche Eventualitäten. Da wird erläutert, was bei „Überbelegung“ oder „Feueralarm“ angeraten ist. Aber was zu tun ist, wenn der Alarm aus- und plötzlich doch wieder angeht, das steht natürlich nicht in der Handreichung für alle Fälle.
Eigentlich passiert recht wenig in dieser einen Theaterstunde, da nicht wie üblich eine stringente Geschichte erzählt und Sprache auch nur sehr sparsam eingesetzt wird. Stattdessen treffen hier vier Personen aufeinander, die mit Widrigkeiten umzugehen versuchen, gespielt von Adriana Fernandez Falso und Gerd Ritter, Maximilian Schaible und Charlie Wyrsch. Grete Pagan hat das Stück mit Freude am Spiel und an Absurditäten inszeniert. Manchmal fühlt man sich an „Dick und Doof“ erinnert, dann wieder an Pantomime oder Clownerie aus dem Zirkus. Die Klavierbegleitung von David Pagan klingt stellenweise wie Filmmusik, dann übernimmt sie wieder die monotonen Alarmwarnungen.
Langsamer Rhythmus fordert heraus
Das junge Publikum scheint sich prächtig zu amüsieren, obwohl einiges von ihm abverlangt wird. Denn das Stück schlägt einen eher langsamen Rhythmus an. Sätze und kurze Sequenzen wiederholen sich, da heißt es für die kleinen Zuschauer durchhalten, was aber erstaunlich gut gelingt.
Der eigene Verstand ist gefragt
Am Ende dämmert den Vieren, dass es nicht für alles Regeln und Anleitungen geben kann und man stattdessen lieber auf sich selbst hören und den Mut haben sollte, seinen Kopf einzuschalten, abzuwägen und selbst Entscheidungen zu treffen. Denn wenn das Licht ausgeht, muss man manchmal einfach wagen, den Knopf zu drücken.
Weitere Termine vom 12.-14 . April und im Mai