Lassen sich Fragen der Identität bildnerisch erzählen? Der Stuttgarter Künstlerin Stefanie Fleischhauer gelingt es – jetzt erhält sie den Preis der Werner-Pokorny-Stiftung.
„Manchmal war ich“ ist dieses Werk von Stefanie Fleischhauer betitelt
Von Nikolai B. Forstbauer
Gratulation: Die Stuttgarter Künstlerin Stefanie Fleischhauer wird für ihre „herausragende künstlerische Leistung“ mit dem Preis der Werner-Pokorny-Stiftung ausgezeichnet. Die mit 5000 Euro dotierte Ehrung geht auf eine Stiftung des 2022 gestorbenen Bildhauers Werner Pokorny zurück, der von 1998 bis 2013 als Professor für Allgemeine Künstlerische Bildung mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an der Kunstakademie Stuttgart lehrte. Die Preisverleihung findet am Mittwoch, 14. Januar 2026, um 19 Uhr statt – anlässlich der Eröffnung der Ausstellung der Abschlussarbeiten der Fachgruppe Kunst im Neubau 2 der Kunstakademie Stuttgart. Die Laudatio hält die Kunsthistorikerin Stefanie Ufrecht, Kuratorin im Museum Kunstpalast in Düsseldorf.
Stefanie Fleischhauer ist Meisterschülerin im Weißenhof-Programm
Auf eigenen künstlerischen Wegen unterwegs zu sein, das sagt sich einfach und wird gern zum Missverständnis. Stefanie Fleischhauer, 1997 in Pforzheim geboren, ist auf eigenen Wegen unterwegs – und überzeugt. Von 2017 bis 2024 studierte sie an der Kunstakademie auf dem Weißenhof – in der Grundklasse von Volker Lehnert sowie in der Klasse für Malerei und Zeichnung bei Cordula Güdemann und Katrin Plavčak. Seit 2024 ist sie Meisterschülerin im postgradualen Weißenhof-Programm. Die Auszeichnung jetzt bestätigt eine konsequent zeichnerische Position. 2022 bereits mit dem an der Universität der Künste Berlin und der Kunstakademie Stuttgart vergebenen Walter-Stöhrer-Preis für Grafik ausgezeichnet, waren Fleischhauers Arbeiten vielfach in Ausstellungen präsent. So etwa 2025 in der Galerie Lauffer in Stuttgart, 2024 in der Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung in Nürtingen und 2023 in der Adolf Hölzel Stiftung in Stuttgart sowie in der Galerie Abtart in Stuttgart.
In ihren Arbeiten, heißt es jetzt aus der Kunstakademie Stuttgart, eröffne Stefanie Fleischhauer Räume, in denen Fragen nach Identität nachhallen. Und: „Persönliche wie auch fremde Erinnerungsfragmente, Alltagsszenen und erzählte Erfahrungen verschmelzen darin zu neuen zeichnerischen Zusammenhängen. Auf poetische Weise bewegen sich die Werke zwischen Erinnern und Vergessen, zwischen Sehnsucht, Verdrängung, Migration und Herkunft – und kreisen stets um das Ringen um eine eigene Position innerhalb der Gesellschaft. Häufig bilden Traumaufzeichnungen und innere Bildlandschaften den Ausgangspunkt für diese künstlerischen Untersuchungen.“
Stefanie Fleischhauer von Fachjury gewürdigt
Die Jury betonte zudem, Fleischhauer wechsle kontinuierlich die Perspektiven – „als würde sie ihre Motive in einem gedanklichen Karussell aus immer neuen Blickwinkeln betrachten“. So entstehe „ein sich stetig wandelndes, dynamisches und bildstarkes installatives Gesamtwerk“. Zur Jury gehörten Andreas Opiolka (Kunstakademie Stuttgart), Brigitte Ruland-Mollien (Hans-Ruhland-Stiftung), Daniela Meyer (Museum Stadt Ettlingen), Eckart Steinhauser (Künstler), Gabriela Oberkofler (Künstlerin), Gabriele Pokorny, Kuno Schlichtenmaier (Galerie Schlichtenmaier), Super Vivaz (Künstlerduo) und Werner Meyer (Kunstverein Wilhelmshöhe).