Wir haben gesehen: „Goldraub“ mit Vincent Ross und Karl Rogov aus dem polnischen Świecko. Das Duo muss ausnahmsweise mal wieder in Potsdam ermitteln. War das spannend?
In diesem Juwelierladen starb ein Mann. Wer trägt die Verantwortung dafür? Die Kommissare Karl Rogov (Frank Leo Schröder, li.) und Vincent Ross (André Kaczmarczyk) befragen die Angestellte Katrin Gollwitz (Esther Esche).
Von Tilmann P. Gangloff
Was taugt „Goldraub“? Der neue „Polizeiruf 110“ aus Świecko im Schnellcheck.
Die Handlung in zwei Sätzen
Seit zwei Jahren rauben Gangster mit Clownsmasken Juweliergeschäfte im deutsch-polnischen Grenzgebiet aus. Beim jüngsten Überfall ist erstmals ein Ladenbesitzer erschossen worden.
Zahl der Leichen
1
Sehenswürdigkeiten
Einige, weil der „Polizeiruf“ vom RBB ausnahmsweise wieder wie früher in Potsdam spielt. Schauplätze sind unter anderem das Alte Museum, das Holländische Viertel und der Park Sanssouci.
Heiterkeiten
Dass Kommissar Rogov seine Nikotinsucht in den Griff kriegen will und deshalb sehr empfindlich reagiert, wenn Ross ins Auto steigt, nachdem er gerade geraucht hat, trägt selbstredend nichts zur Wahrheitsfindung bei, ist aber recht amüsant.
Dynamik
Praktisch gleich null, da der Film zwischen Prolog und Epilog größtenteils aus Befragungen und Gesprächen besteht. Nachdem ein Mantrailer die Leiche eines der beiden Ganoven aufgespürt hat, kommt die Handlung mehr oder weniger zum Stillstand und wird fortan ausschließlich in Form von Dialogen fortgesetzt, weil die Ermittler ein vom Drehbuch unnötig kompliziert dargebotenes Beziehungsgeflecht entschlüsseln müssen.
Unser Fazit
Den im Grunde einzigen Reiz von „Goldraub“ machen die Kontraste zwischen dem Ermittler-Duo aus: hier der knorrige Kommissar alter Schule (Frank Leo Schröder), dort der empathische junge Kollege mit seinem schwarzem Lidstrich und der ausgefallenen Kleidung (André Kaczmarczyk). Regisseur Felix Karolus hat in der Vergangenheit auch für den „Polizeiruf 110“ schon deutlich bessere Filme gedreht. Größtes Manko: die Unterforderung der Krimi-Fans, die gleich zu Beginn ahnen, dass es sich bei den Potsdamer Räubern um Trittbrettfahrer handelt. Wer hinter dem Überfall steckt, ist bald darauf ebenfalls klar.
Spannung
Note 5
Anspruch
Note 4
Kriminalkommissar Karl Rogov (Frank Leo Schröder) und Kollegin Grit Klempke (Anne Müller) nebst Clownsmaske
Rogov (re.) und Kollege Vincent Ross (André Kaczmarczyk, Mitte) informieren ihren Chef Karol Pawlak (Robert Gonera, li.) über den Stand der Dinge.
Rogov und Ross wollen von der Juwelierladen-Angestellten Katrin Gollwitz (Esther Esche) wissen, was überhaupt gestohlen wurde.
Die Inhaberin Bettina Michalski (Deborah Kaufmann) steht noch völlig unter Schock, als Ross sie befragt.
Nico Wilke (Jakob Fliess) muss verarbeiten, dass sein Vater bei dem Juwelierraub ums Leben kam.
Coole Ermittler zwischen sanierten Fassaden
Kein Kommissar kann pausenlos ermitteln.
Museumsdirektor Henrik Feldmann (Thomas Bading, rechts) hat an seinem Arbeitsplatz einen traumhaften Blick auf das historische Zentrum Potsdams, muss sich die kritischen Fragen von Kommissar Ross aber trotzdem gefallen lassen.
Ein engagierter Hund hilft den Kommissaren Klempke und Rogov bei der Verfolgung eines Tatverdächtigen.
Das deutsch-polnische Ermittlerteam Ross, Rogov und Wiktoir Krol (Klaudiusz Kaufmann, von links)
Immer diese Akten! Wann kommt endlich die Digitalisierung?
Welcher Zeuge könnte diesen Ermittler-Blicken widerstehen?
...und manchmal muss man auch mal nach innen schauen.
Austausch im Park: Rogov und seine Potsdamer Kollegin Klempke
Etwas kompliziert: Romy Berger (Meira Durand, rechts) tröstet hier die Frau des Mannes, der beim Raubüberfall erschossen wurde, und die zugleich die Mutter ihres früheren Lebensgefährten (also von Romy) ist.
Auch Kommissar Ross hat Fragen an die Besitzerin des Juweliergeschäftes.
...von Kommissar Rogov ganz zu schweigen.
Vater erschossen, Mutter ausgeraubt: Auch der Sohn Nico Wilke (Jakob Fliess) kommt um ein Verhör nicht herum.