Tübingen: Kultur 2026

Vom antiken Tempel bis zu Lars Eidinger

Tübingen hat viel vor 2026, weil die Universität Geburtstag feiert. Aber auch die Kulturinstitutionen haben einiges zu bieten in den nächsten Monaten.

Vom antiken Tempel bis zu Lars Eidinger

Ausschnitt als „Tree“ von Alex Katz, 2020

Von Adrienne Braun

Künstler sterben häufig jung. Er nicht. Alex Katz ist stolze 98 Jahre alt – und immer noch einer der erfolgreichsten und vor allem beliebtesten amerikanischen Maler. Das liegt vermutlich an seinem Lieblingsthema und seinem Stil: Frauen und Pop-Art. Deshalb plant die Kunsthalle Tübingen eine große Ausstellung zu dem Maler, die am 28. März eröffnet wird und auch einen neuen, anderen Alex Katz zeigen wird. Denn inzwischen malt der alte Herr sinnlicher und gestisch auf riesigen Flächen.

Während in vielen Städten das Kulturangebot in diesem Jahr zwangsläufig eingedampft wird, hat Tübingen 2026 viel vor. Grund ist der Geburtstag der Universität, die 550 Jahre alt wird. Sie ist somit eine der ältesten Universitäten Europas. Die rund achtzig Sammlungen, die im Lauf der Jahrhunderte zusammengetragen wurden, sind heute im Museum der Universität Tübingen – MUT – zusammengefasst.

Ägyptische Originalstücke aus der Uni-Sammlung

Im Oktober wird auf Schloss Hohentübingen eine besondere Schau eröffnet werden: „Bunte Götter in Ägypten – Die wiedergewonnene antike Polychromie des Tempels von Esna“. Dabei geht es um den Tempel von Esna, der rund sechzig Kilometer südlich von Luxor liegt und der in einem aufwendigen Restaurierungsprojekt wieder seine ursprüngliche Vielfarbigkeit erhält. Das Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients war maßgeblich beteiligt an dem Projekt, dessen Ergebnisse in der Sonderausstellung gezeigt werden sollen – neben großen Foto- und Videoinstallationen ergänzt durch antike Originalstücke aus den Beständen der Ägyptischen Sammlung der Uni.

Ein Jubiläum anderer Art feiert das Stadtmuseum Tübingen. Denn vor hundert Jahren entstand der erste animierte Langfilm, der noch heute erhalten ist: „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“. Geschaffen hat ihn Lotte Reiniger (1899–1981). Sie wurde in Charlottenburg bei Berlin geboren und war als Scherenschnittkünstlerin, Buchillustratorin und Silhouetten-Animationsfilmerin tätig. Sie gilt als eine der Pionierinnen des Films – und ein Teil des Nachlasses von Lotte Reiniger befindet sich heute im Tübinger Stadtmuseum. Einige Stücke daraus werden in einer Dauerausstellung gezeigt. In der interaktiven Sonderausstellung zu „100 Jahre Prinz Achmed“ (ab 25. April) soll dieser Meilenstein des Animationsfilms nun neu interpretiert werden. Dabei wird es auch interaktive und immersive Stationen geben, um in die Kunst von Lotte Reiniger besser eintauchen zu können.

Nicht minder populär dürfte der zweite Star sein, dem die Kunsthalle Tübingen dann im Herbst eine große Ausstellung widmen wird: Lars Eidinger. Der erfolgreiche Berliner Schauspieler steht nicht nur vor der Kamera und auf der Bühne, sondern fotografiert auch seit vielen Jahren während seiner Drehpausen im In- und Ausland. Am Anfang nutzte er eine Spiegelreflexkamera, inzwischen reicht ihm das Smartphone. Er spürt gern Kuriositäten im Alltag auf – beiläufige Momente, Zufälle, die aus dem Üblichen ausbrechen, Störmomente und Irritationen, die schmunzeln lassen: steinerne Nymphen am Wegesrand, denen die Hände fehlen, geometrisch zugerichtete Bäume und Hecken oder Passanten im Doppelgänger-Look. Lars Eidingers Fotografien werden ab 10. Oktober im Dialog mit der Sammlung der Kunsthalle Tübingen gezeigt werden.

Oh, wie schön zeichnet Janosch!

Neben Veranstaltungen in der Tübinger Altstadt wie dem Internationalen Brass & Popfestival, den Schlosshofkonzerten oder dem Vielklang-Festival hat sich inzwischen auch das Neue Kunstmuseum Tübingen – NKT – als Veranstalter etabliert. „Gysis Begegnungen“ nennt sich eine Gesprächsreihe von Gregor Gysi, der am 2. März mit dem Unternehmer Wolfgang Grupp sprechen wird; am 8. April ist Pater Anselm Grün zu Gast; am 29. Juni der CSU-Politiker Peter Gauweiler. Die nächste Ausstellung im NKT richtet sich derweil an Familien: Am 12. März wird ein Potpourri zu „95 Jahre Janosch“ eröffnet, eine Retrospektive über das Leben und Werk des Illustrators („Oh, wie schön ist Panama“). Ab 31. Mai folgt dann eine Sonderausstellung über die Künstlerin Elvira Bach.