Der „Polizeiruf“ aus Magdeburg zum Internationalen Frauentag bezieht klare Haltung zum Thema Abtreibung. Aber ist er auch spannend?
Doreen Brasch (Claudia Michelsen) lupft das Laken.
Von Tilmann P. Gangloff
Der Titel dieses „Polizeiruf“-Krimis aus Magdeburg – „Your Body, my Choice“ – ist eine bewusste Verfälschung: Als mehrere obenrum nur mit BH bekleidete Frauen eine Versammlung stürmen, skandieren sie „My Body, my Choice“. Die Parole haben sie in Anlehnung an die einst in der Ukraine gegründete feministische Gruppierung Femen auch auf ihre Oberkörper geschrieben: mein Körper, meine Wahl.
Die Handlung von „Your Body, my Choice“
Spätestens jetzt ist klar: Dieser „Polizeiruf“ am Internationalen Weltfrauentag ist unübersehbar ein Krimi mit Botschaft, zumal auch die Haupt- und Identifikationsfigur Stellung zum Thema Abtreibung bezieht, und das nicht nur einmal. Letztlich geht’s in dem Drehbuch von Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer um die allerdings nicht explizit ausgesprochene Frage, woher sich Männer auch im 21. Jahrhundert noch das Recht nehmen, Gesetze zu erlassen (beziehungsweise in diesem Fall: nicht abzuschaffen), die in erster Linie Frauen betreffen. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) bringt es sinngemäß auf den Punkt: Der Paragraf 218 ist ein Relikt aus fünftausend Jahren Patriarchat.
Bis hierher ist das Stoff für ein Mittwochsdrama im „Ersten“, aber sonntags erwarten die Menschen einen Krimi, deshalb beginnt der Film mit einem Todesfall, für den sich Brasch zunächst gar nicht zuständig fühlt: Eine junge Frau ist mit ihrem Fahrrad auf einer Kreuzung gegen ein Auto geprallt. Tatsächlich handelt es sich, wie ein uniformierter Kollege feststellt, um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr mit Todesfolge: Die Bremskabel sind durchtrennt worden. Das Opfer Marwa hat in einer gynäkologischen Praxis gearbeitet.
Hass-Mails und Morddrohungen
Damit ist der weitgehend unaufgeregt inszenierte Film beim Handlungskern: Ihre Chefin (Jenny Schily) ist eine der letzten Frauenärztinnen in Magdeburg, die Schwangerschaftsabbrüche vornimmt. Rasch wird deutlich, warum sich das sonst noch kaum jemand traut: Die Praxis bekommt regelmäßig Hass-Mails und Morddrohungen; und nun ist aus den Worten offenbar eine Tat geworden.
Die Schauspieler des neuen „Polizeirufs“
Claudia Michelsen (Doreen Brasch)
Felix Vörtler (Uwe Lemp)
Luna Jordan (Lara Becker)
Nicola Magdalena Lüders (Dania)
Sebastian Jakob Doppelbauer (Maik Gerboth)
Melissa Gross (Marwa)
Jenny Schily (Dr. Doro Schöller-Hahnfeld)
Mathias Max Hermann (Thilo Schubert)
Der „Polizeiruf“ in der Mediathek
In der ARD-Mediathek sind alle „Polizeiruf“-Folgen sechs Monate lang als Stream verfügbar. Aus Jugendschutzgründen kann der „Polizeiruf“ nur zwischen 20 Uhr und 6 Uhr gestreamt werden.
Gleichzeitig zur TV-Ausstrahlung zeigt das Erste den aktuellen „Polizeiruf“ auch als Livestream: Hier geht es zur ARD-Mediathek.
TV-Ausstrahlung: Sonntag, 20.20 Uhr, ARD
Lara Becker (Luna Jordan) überwältigt Maik Gerboth (Sebastian Jakob Doppelbauer).
Damit hat er wohl nicht gerechnet.
Dania (Nicola Magdalena Lüders) trifft in der Magdeburger Innenstadt Maik Gerboth...
...und wird prompt von ihm verfolgt. Warum?
Toni (Ruben Sabel) und Lara Becker auf der Beerdigung.
Doreen Brasch nutzt die Gunst der Stunde für ein paar Fragen.
Lara hält die Trauerrede.
Auch Dr. Schöffler-Hahnfeld (Jenny Schily, zweite von rechts) ist zur Beerdigung erschienen.
Die Ärztin muss ihre Praxis geschlossen halten.
Das liegt auch an den Leuten vor der Tür (Mathias Max Herrmann, Annett Sawallisch)
Gut, dass Doreen Brasch nichts entgeht.
Lara begleitet Dania (Nicola Magdalena Lüders) auf einem schweren Weg.
Zwei Frauen, die sich unterstützen
Dr. Schöller-Hahnfeld spricht Dania Mut zu.
Maiuk Gerboth ist nicht mit allem einverstanden, was hier geschieht.
Auch Lara sieht Probleme.
...und da sind sie auch schon.
Ob Singen allein da weiterhilft?
Dania und Lara in der Praxis