Reform der Öffentlichen-Rechtlichen

Wie ARD und ZDF die ersten Sparbeschlüsse umsetzen

Um Kosten zu senken, setzen die Öffentlich-Rechtlichen auf neue Strukturen. Manche Angebote werden demnächst ganz gestrichen.

Wie ARD und ZDF die ersten Sparbeschlüsse umsetzen

Der Spartenkanal Tagesschau 24 wird mit ZDF Info zum Sender info fusioniert.

Von Tilmann P. Gangloff

Mit dem im Dezember 2025 in Kraft getretenen Reformstaatsvertrag hat die Politik ARD und ZDF mehrere konkrete Maßnahmen vorgegeben. Im TV-Bereich sieht der Katalog eine Reduzierung der linearen Spartenkanäle vor. Das betrifft konkret den Bildungssender ARD alpha, das Info-Angebot Tagesschau24 sowie das von der ARD überwiegend als Wiederholungsprogramm genutzte One. Außerdem sollen ARD und ZDF die weiteren Spartenkanäle gemeinsam veranstalten.

Bei Kika, Arte, 3 Sat und dem nur im Internet verbreiteten Jugendangebot funk ist das schon lange der Fall. Nun gilt die Kooperation auch für das Informationsangebot Phoenix, das im Wesentlichen mit Beiträgen von ARD aktuell und ZDF heute gestaltet wird; hinzu kommen wie gewohnt die Parlaments- und Ereignisberichterstattung.

Aus Tagesschau 24 und ZDF Info wird info

An ZDF Neo, der Mainzer Spielwiese für Serien, die sich vorwiegend an ein junges Publikum richten, beteiligt sich nun auch die ARD. Aus Tagesschau24 und ZDF Info wird ein Sender mit dem schlichten Namen „info“. Die gemeinsam veranstalteten Angebote bestehen somit ab Januar 2027 neben dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte aus 3 Sat (Federführung ZDF), Kika (MDR), funk (SWR), info (ZDF), Neo (ZDF) und Phoenix (WDR).

Für den ARD-Hörfunk schreibt der Reformstaatsvertrag eine Reduzierung auf höchstens 53 terrestrisch verbreitete Radiowellen bis 2027 vor. Zu den Programmen, die terrestrisch wegfallen, gehören Puls (BR), BR24 live, BR Verkehr, BR Schlager, MDR Klassik, MDR Tweens, MDR Schlagerwelt, NDR Schlager, NDR Blue, NDR Info Spezial, WDR Event und WDR Die Maus.

Im Südwesten gibt es bereits jetzt gemeinsame Sendestrecken der jungen Wellen wie auch der Infoprogramme. Diese Kooperation soll noch enger werden; SWR, HR und SR schließen ihre Jugendwellen zusammen unter dem Titel „Das Ding“.

Für den Südwestrundfunk gilt seit September 2025 ein neuer Staatsvertrag, der einige Umstrukturierungen und Neuorganisationen nötig macht. Er sieht unter anderem die Auflösung der bisherigen Landessenderdirektionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Zukünftig wird es nur noch drei Programmdirektionen (bislang vier) und drei Direktionen für übergreifende Aufgaben geben. In Baden-Baden wird die Programmdirektion Kultur, Junge Angebote und Portfolio-Management angesiedelt, in Stuttgart die Programmdirektion Information, Unterhaltung und Baden-Württemberg und in Mainz die Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz.

Alle Direktionen sollen noch stärker als bisher standortübergreifende Verantwortung übernehmen und die Regionalität als Kernaufgabe des SWR stärken. „Die enge Verbindung zu den Menschen im Südwesten“ sowie die Berichterstattung über die Regionen, betont der SWR, sollen ein Markenzeichen des Senders bleiben. Die Neuorganisation bis zum Endes Jahres abgeschlossen sein.

ARD will mehr mit den Menschen reden als über sie

Außerdem sendet die ARD ein „Wir haben verstanden“-Signal. Ähnlich wie in der Politik gibt es auch gegenüber ARD und ZDF den Vorwurf, die Sender hätten den Kontakt zu ihrem Publikum verloren. Die ARD will daher gemäß der Devise „Mehr Räume für geschützten Austausch und Perspektivenvielfalt schaffen“ den Dialog intensivieren, und zwar nicht nur mit jenen, die das Programmangebot wahrnehmen, sondern auch mit anderen, die es nicht nutzen. Weil Debattenräume in der Gesellschaft fehlten, hat sich der Senderverbund vorgenommen, mehr mit den Menschen zu reden als über sie: „um zu verstehen, was sie wirklich bewegt“. Beim ZDF sieht man sich bei der staatsvertraglich vorgegeben Optimierung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit schon jetzt im Soll, unter anderem mit Blick auf die zuletzt noch mal verstärkte Kooperation mit der ARD. Die bis 2024 erzielten Einsparungen lägen „deutlich über Plan“.