Der 13-jährige Levin Giesler hat auf dem Teufelstisch im Bodensee ein Konzert gegeben.
Von Eberhard Wein
Zärtliche Klaviertöne schweben über den Bodensee. Das Wasser plätschert leise über den Felsen, der wegen des niedrigen Pegels nur noch wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegt. Levin Giesler spielt „The River flows in You“ des südkoreanischen Pianisten Yiruma. Auch das monumentale „Bohemian Rhapsody“ von Queen ist zu hören und Pachelbels „Kanon in D“.
Dass der 13-Jährige beim Spielen nasse Füße bekommt, ist nicht so schlimm. Der junge Pianist, der grundsätzlich auswendig spielt und es trotz fehlender Notenkenntnis bei der Vox-Musiksendung „The Piano“ bis ins Finale schaffte, spielt sowieso immer barfuß.
Der Teufelstisch vor der Marienschlucht im Überlinger See ist berüchtigt. Dutzende Taucher haben an der Felsnadel, deren Wand 80 Meter senkrecht in die Tiefe fällt, in den vergangenen Jahrzehnten ihr Leben verloren. Seit langem ist Tauchen nur mit Sondergenehmigung und unter Auflagen erlaubt. Doch darf auf dem Felsen konzertiert werden? Für die zuständigen Stellen im Konstanzer Landratsamt war das nicht so leicht zu entscheiden. Es sei die erste Anfrage für ein musikalisches Projekt auf dem Teufelstisch gewesen, erklärte die Behörde.
Klaviertransport im Segelboot
Die Bürokratie war aber nicht die einzige Hürde, die Levin und seine Helfer überwinden mussten, um den ungewöhnlichen Auftritt zu ermöglichen. Zunächst musste auch das Instrument herangebracht werden. Auch für die Konstanzer Klavierhandlung Starke war es der wohl ungewöhnlichste Klaviertransport ihrer Firmengeschichte.
Mit einem Segelboot transportieren sie den neuentwickelten Hybridflügel – mechanische Tasten, elektronische Hämmerchen und Saiten – bis zum Teufelstisch. Weil nicht alles aufs Schiff passte, musste ein Teil des zerlegten Pianos in einem Schlauchboot hinterher gezogen werden.
„Es war spannend und es hat alles geklappt“, sagte Levins Papa Holger Giesler hinterher. Sogar ein paar Zuhörer konnten dem Ereignis vom Ufer der Marienschlucht aus beiwohnen. In Absprache mit dem Landratsamt hatte man auf eine größere Bewerbung des Konzerts verzichtet. Es handele sich um eine PR-Aktion für eine größere Tournee, sagte Holger Giesler. In den Schulferien des nächsten Jahres will Levin, so wünscht er es sich, in den Hauptstädten Europas auftreten. Er wolle für den Frieden werben. Das Thema sei dem Sohn wichtig, erzählt Holger Giesler. Levins Opa lebt in Russland. Seit fünf Jahren habe er ihn nicht mehr gesehen.
Den Teufelstisch immer im Blick
Die Idee für den Auftritt auf dem Teufelstisch sei der Familie gemeinsam gekommen, erzählt der Papa. Von ihrem Wohnort ist der Teufelstisch allerdings auch nicht weit. Sipplingen liegt am gegenüberliegenden Ufer des Überlinger Sees.
Andere Auftrittsorte hat der 13-Jährige auch schon im Blick. Die Ravennaschlucht im Schwarzwald und die Triberger Wasserfälle könne er sich als Kulisse gut vorstellen. Aber ständig will er auch nicht konzertieren. „Die Schule geht natürlich vor“, sagt Holger Giesler.
Wegen des Niedrigwassers liegt der Teufelstisch nur wenige Zentimeter unter Wasser. Levin spielt ohnehin immer barfuß.