Deutscher Zukunftspreis für Bosch

240.000 Euro – Preisträger wollen forschende Schüler unterstützen

Mit dem Gewinn des Deutschen Zukunftspreises sicherte sich ein Bosch-Trio mehr als 200.000 Euro. Den Großteil des Preisgelds wollen die Ingenieure spenden. Was treibt sie dazu an?

240.000 Euro – Preisträger wollen forschende Schüler unterstützen

Christoffer Uhr gewann mit seinen Kollegen Kai Weeber und Pierre Andrieu den Deutschen Zukunftspreis. Sein Spendenziel steht nun fest.

Von Rouven Spindler

Im vergangenen November hat sich ein Team des Stuttgarter Technologiekonzerns Bosch mit der Entwicklung eines Brennstoffzellen-Antriebssystems für Schwerlast-Lkw den Gewinn des Deutschen Zukunftspreises gesichert – und somit 250.000 Euro Preisgeld. Ihr Vorhaben: den Betrag zu spenden.

Nun steht das erste von drei Zielen fest: Christoffer Uhr, Sprecher des Trios, spendet 80.000 Euro und damit fast das gesamte Preisgeld an das Zukunftslabor der Auerbach Stiftung, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. Dieses ist ein vom Land anerkanntes außerschulisches Forschungszentrum, das in Bruchsal sitzt, wo Uhr auch wohnt. „Einrichtungen wie das Z-Lab bieten die Möglichkeit, den Unterricht durch experimentelles und interaktives Lernen zu ergänzen“, sagt der Boschler, der seit 1995 im Konzern ist.

Bosch-Trio will Preisgeld gemeinnützig einsetzen

Seine Kollegen Kai Weeber und Pierre Andrieu wollen jeweils dieselbe Summe vergeben – wohin genau, ist noch nicht bekannt. Die Richtung allerdings schon. „Es liegt uns am Herzen, dass wir das Geld nicht für uns behalten, sondern es gemeinnützig einsetzen und Jugendliche in den Bereichen Technik und Wissenschaft fördern“, sagt Uhr, der sich bei Bosch inzwischen auf die Leitung des Entwicklungsbereichs Elektrolyse fokussiert.

Ob und wofür die Sieger spenden, sei freigestellt, sagt Peggy Gross, Sprecherin des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, der unter anderem das Preisgeld einwirbt und die Verleihung organisiert. In den vergangenen Jahren sei das Spenden zu einer Tradition geworden. Die von den Preisträgern geförderten Projekte lägen meist im Dunstkreis des eigenen Wirkens. So auch bei Bosch.

Bosch-Ingenieur fördert Begeisterung fürs Tüfteln

Für Uhr ist die Spende ein Anliegen. Er glaube, „dass gut ausgebildete Ingenieure einen wichtigen Beitrag für die für Europa so wichtige wirtschaftliche Stärke leisten“. Das fange mit einer guten schulischen Ausbildung an. Doch die Möglichkeiten des Schulsystems sind aus seiner Sicht begrenzt, „wenn es darum geht, Kinder von Innovation und Technik zu begeistern.“

Der 56-Jährige hält außerschulische Weiterbildungsmöglichkeiten für notwendig und sagt: „Eine Begeisterung bei Kindern entsteht vor allem dadurch, dass sie experimentieren, tüfteln und dabei ein Erfolgserlebnis haben.“ Das Z-Lab, das in seiner Heimat Bruchsal liegt, biete hier extrem gute Möglichkeiten. „Grundsätzlich wäre es hilfreich, wenn man mehr auf die Stärken Europas schauen würde – und dazu gehören Menschen, die Technik und Innovation umsetzen können. Und das wird auch in Zukunft so sein“, so Uhr weiter.

Die Beteiligten bei Bosch um Christoffer Uhr, Kai Weeber und Pierre Andrieu zählen zu diesen Menschen – rund 1000 aus Forschung, Entwicklung, Technik, IT bis hin zum Einkauf wirkten an dem 2014 gestarteten Projekt mit. Der Lohn war die Preisverleihung in Berlin. „Das war ein sehr spannender Tag, der für mich natürlich etwas ganz anderes war als die tägliche Arbeit“, blickt Uhr persönlich zurück. Die Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Gewinner mit dem renommierten Forschungspreis auszeichnete, habe er sehr positiv empfunden.

Sein Team siegte mit der Entwicklung eines Brennstoffzellensystems, das seit 2023 serienreif ist und das es inzwischen in mehreren Varianten gibt. Wie er das „Fuel Cell Power Module“ in einfachen Worten erklärt? „Dieses System erzeugt elektrische Energie, dafür braucht es Wasserstoff. In der Brennstoffzelle findet dieser elektrochemische Prozess statt – die Umwandlung von Wasserstoff und Umgebungsluft zu elektrischer Energie“, sagt Uhr, der in Vorträgen und Interviews über Innovation spricht. Was übrig bleibe: Wasserdampf und Abwärme. Das FCPM kann mit einer Tankfüllung eine Reichweite von 1000 Kilometern ermöglichen.

Bosch-Innovation ist speziell für den Fernverkehr

Die Technologie biete eine gute Möglichkeit, speziell im Fernverkehr Lkw CO₂-frei zu betreiben. Die Notwendigkeit dafür sei klar, weil die Flottenemissionsziele immer schärfer werden.“ Die CO₂-Reduktionsvorgaben für schwere Nutzfahrzeuge, die ab 2030 auf den EU-Markt kommen, belaufen sich von da an bis 2034 auf 45 Prozent gegenüber 2019. Von 2035 bis 2039 sind 65 Prozent vorgegeben, ab 2040 dann 90.

„Sobald die Notwendigkeit steigt, CO₂-freie Antriebe in der Flotte zu haben, nehmen auch die Stückzahlen zu. Das wird wieder Arbeitsplätze generieren, vor allem in der Herstellung und in der Fertigung“, blickt der Entwicklungsleiter voraus. Bislang seien in China Tausende, in den USA Hunderte und in Europa überschaubar viele Fahrzeuge mit dem Bosch-System unterwegs.

„Wasserstofftechnologie wird von der Politik ein bisschen stiefmütterlich behandelt“, sagt der Bosch-Ingenieur – aber: Gerade komme wieder Schwung in die Thematik. Wie das Verkehrsministerium Ende Januar bekannt gab, fördert es den Start eines deutschlandweiten Netzes von Wasserstofftankstellen für Nutzfahrzeuge mit 220 Millionen Euro, um zum Klimaschutz beizutragen und die Transformation in der Auto- und Zuliefererindustrie in Deutschland hin zu alternativen Antrieben zu stärken.

Durch die in den kommenden Jahren zunehmende Produktion von grünem Wasserstoff – der grundsätzlich teurer sei als grauer – rechnet er mit einer Preisreduktion. Er sei fest davon überzeugt, dass Wasserstoff im Energiesystem der Zukunft eine wesentliche Rolle spielen werde. „In einer Wasserstoffwirtschaft findet die Energieumwandlung ohne CO₂-Emissionen statt.“

Und auch in einer für die Autoindustrie und Bosch schwierigen Zeit – der Konzern will in den kommenden Jahren 22.000 Stellen abbauen – richtet er den Blick nach vorn. „Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch“, sagt Christoffer Uhr und fügt hinzu: „Ich glaube, dass wir davon profitieren werden, dass wir bei Bosch Innovationen realisieren können. Das wird auch in Zukunft einen hohen Stellenwert haben, uns zu entsprechenden Erfolgen führen und das Unternehmen weiterbringen.“

Und das wird womöglich auch für weitere Zukunftspreise sorgen. Der Gewinn im Vorjahr war der vierte eines Bosch-Teams oder mit Bosch-Beteiligung.

Brennstoffzellensysteme von Bosch

ModelleNeben der ausgezeichnete Generation (2023) in Feuerbach hatten laut Bosch zudem die Brennstoffzellen-Varianten C75 (2023), C132 (2024) sowie die C190 und C300 (jeweils 2025) in China für den dortigen Markt bislang ihren Serienstart. Die Zahlen geben die Systemleistung in Kilowatt an.

AusblickBosch plant nach eigenen Angaben für den europäischen und nordamerikanischen Markt einen Serienstart der Zelle C100 für Stadtbusse ab Mitte 2027, der C190 für Reisebusse und mittelschwere Lkw ab Ende 2026 sowie der C300 für Schwerlastwagen ab Mitte 2028. Der bei Bosch in Bamberg gefertigte Stack, das zentrale Element eines Brennstoffzellensystems, werde zudem von Powercell, einem schwedischen Kooperationspartner des Konzerns, in stationären und maritimen Anwendungen eingesetzt.