Stahlwerk der Salzgitter AG in der gleichnamigen Industriestadt, die sich aktuell im Strukturwandel befindet.
Von Michael Maier
Die AfD wollte ihr Ergebnis bei der Kommunalwahl in Niedersachsen vervierfachen – am Ende war es „nur“ eine Verdreifachung. Mit 15,9 Prozent auf Kreisebene holte die Rechtsaußenpartei 11,3 Prozentpunkte mehr als noch 2021 und landete hinter CDU und SPD auf Platz 3. Auf Gemeindeebene lagen die Ergebnisse mit knapp über elf Prozent etwas niedriger. 235 kommunale AfD-Mandate konnten gar nicht besetzt werden, da man nicht genug Kandidaten gefunden hatte, die trotz aller Anfeindungen ihr Gesicht zeigen wollten. Einen AfD-Bürgermeister wird es wohl nicht geben – aber in drei Orten zog die Partei in die Stichwahl ein. Und das sind keine Zufälle.
AfD-Stichwahl am Bundeswehr-Standort
In Munster im Heidekreis zog die AfD in die Stichwahl ein. Mit 20,7 Prozent belegte sie Platz zwei hinter einer unabhängigen Kandidatin, die mit 48,1 Prozent knapp die absolute Mehrheit verfehlte und als klare Favoritin in die Stichwahl geht. Im Stadtrat erzielte die AfD sogar 25,2 Prozent und wurde dort stärkste Kraft. Bemerkenswert: Munster ist vor allem für seinen Bundeswehr-Standort bekannt – bezogen auf die Zahl der stationierten Soldaten ist es der größte Standort des deutschen Heeres. Dass die AfD ausgerechnet dort so stark abschneidet, kann Kenner der deutschen Streitkräfte nicht überraschen.
AfD-Kandidatin Patricia Mair in Salzgitter
In der Industriestadt Salzgitter schaffte es AfD-Kandidatin Patricia Mair mit 25,7 Prozent auf Platz 2 – hinter Amtsinhaber Frank Klingebiel (CDU) mit 45,6 Prozent. Die Stichwahlen finden am 27. September statt. Noch bemerkenswerter ist das Ergebnis im Stadtrat: Mit 27,39 Prozent wurde die AfD dort zur stärksten Fraktion mit 13 Sitzen. Die Stahlindustrie-Stadt, die seit Jahren mit wirtschaftlichem Wandel kämpft, ist damit die symbolisch bedeutsamste AfD-Hochburg Niedersachsens.
Das niedersachsenweit stärkste AfD-Ergebnis bei einer Bürgermeisterwahl kam indes aus dem 10.000-Einwohner-Städtchen Bockenem im Landkreis Hildesheim. Mit 28,2 Prozent landete der AfD-Kandidat auf Platz zwei – hinter einem unabhängigen Kandidaten, der 37,8 Prozent holte. Auch im Gemeinderat ist die AfD mit 28,5 Prozent zweitstärkste Kraft. Ein Ergebnis, das in einer niedersächsischen Kleinstadt so vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
AfD auch in Ostfriesland und im Kreis Cloppenburg stark
Neben den drei Stichwahlorten gab es weitere auffallende AfD‑Ergebnisse. In der Gemeinde Wesendorf im Landkreis Gifhorn holte die AfD mit 29 Prozent ihr bestes Ergebnis auf Ratsebene in ganz Niedersachsen. In der ostfriesischen Gemeinde Südbrookmerland reichten 26,4 Prozent jedoch nicht für die Stichwahl – ein unabhängiger Herausforderer dominierte mit 73,6 Prozent.
Bei den Landratswahlen schaffte es die AfD nirgendwo in die Stichwahl. In Cloppenburg kam sie mit 23,1 Prozent auf Platz 2, der CDU-Kandidat gewann aber bereits mit 52,6 Prozent im ersten Wahlgang. Auch in Stade und Wittmund belegte die AfD jeweils Rang zwei. Der Kieler Politologe Christian Martin sieht das Ergebnis auch als Reaktion auf den Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt, wie er gegenüber Medien sagte.