Afrikas Balanceakt

Im Spannungsfeld des Machtkampfs zwischen China und den USA steht zunehmend auch Afrika.

Von Christian Putsch

Kapstadt - Wie sehr Afrika zwischen die Fronten des chinesisch-amerikanischen Machtkampfes geraten ist, zeigt das Beispiel des Kongos. Das riesige Land verfügt über zwei Drittel der weltweit bekannten Kobalt-Vorkommen wie auch über bedeutende Mengen der begehrten Seltenen Erden. Die USA haben lange tatenlos zugesehen, wie China dort die meisten Bergwerke aufkaufte – bis Präsident Donald Trump vor einigen Wochen seine transnationale Diplomatie anwandte.

Washington vermittelte einen Friedensdeal zwischen Kongo und Ruanda und verknüpfte ihn mit dem Zugang zu Mineralrechten. Auf dem Spiel steht gemäß der Trump-Logik nicht nur die Kontrolle über Rohstoffe, sondern auch die geopolitische Vormachtstellung in Afrika. China schickte umgehend eine hochrangige Delegation in den Kongo, reagierte zudem mit Handels-Expos in Nigeria und Kenia und allgemeinen Treuebekundungen an Afrika. Präsident Xi Jinping forderte kürzlich gar eine „Eigenständigkeit des Globalen Südens“. Tenor: Keiner braucht mehr die mit ihren Importzöllen um sich werfenden USA.

Doch für afrikanische Regierungen scheint klar: Wer sich auf eine Seite schlägt, verliert. Die bisweilen allzu selbstbewusste panafrikanische Rhetorik im politischen Diskurs lenkt davon ab, dass sich der Kontinent derzeit alles andere als in einer komfortablen Verhandlungsposition befindet. Eine Reihe von Staaten, allen voran Äthiopien und Kenia, befinden sich in einer Schuldenkrise. Das Wirtschaftswachstum beträgt aktuell im Schnitt nur rund drei Prozent– während des Rohstoffbooms vor knapp 20 Jahren war es noch das Doppelte.

Ändern wird sich das in absehbarer Zeit nicht. In Zeiten geopolitischer Spannungen fließt Kapital aus Entwicklungsländern ab, und Afrika ist davon besonders betroffen. Die Bedeutung Pekings ist seitdem deutlich größer geworden, beim Handelsvolumen mit Afrika und Investitionen auf dem Kontinent hat China die USA abgehängt. China hält mittlerweile rund 40 Prozent der bilateralen Schulden afrikanischer Staaten – etwa 62 Milliarden Dollar, nach lediglich 11 Prozent im Jahr 2009. Unter den zwanzig Ländern mit den höchsten chinesischen Krediten befinden sich elf in Afrika.

Doch die Rolle der USA wird unterschätzt. Gerade für kontinentale Schwergewichte wie Südafrika, Kenia oder Äthiopien hängen weit mehr Arbeitsplätze an den Exporten in die USA als nach China. Und dieser Faktor bleibt angesichts der Massenarbeitslosigkeit der jungen Bevölkerung Afrikas eine wichtige Größe.

Somalia und andere Länder des Horns von Afrika bleiben derweil auf militärische Hilfe aus Washington angewiesen. Und nicht zuletzt bei Migrationsabkommen zeigt sich, dass Washington einflussreicher auf dem Kontinent ist, als China es darstellt. So stimmten Südsudan, Ruanda und Eswatini gegen Widerstände in der eigenen Bevölkerung der Aufnahme abgeschobener Migranten aus den USA zu – darunter waren US-Angaben zufolge auch Schwerverbrecher.

Zuletzt hat auch China gezeigt, wie weit es geht, um seine Interessen in Afrika durchzusetzen. Abgeordnete aus Malawi und Gambia verließen die „Inter-Parliamentary Alliance on China“ (IPAC), eine Allianz von Parlamentariern aus 38 Ländern, die sich kritisch mit den Menschenrechtsverletzungen der Weltmacht auseinandersetzt. Chinesische Diplomaten hatten mit der Absage regionaler Gipfeltreffen gedroht.

Afrikas Zurückhaltung gegenüber „Entweder-China-oder-USA“-Rhetorik ist also kein diplomatisches Ausweichen, sondern eine wirtschaftliche Überlebensstrategie. Die Abhängigkeit des Kontinents von beiden Weltmächten erlaubt keine Alternative.