Der Verdi-Warnstreik am Montag hat spürbare Auswirkungen auf den Nahverkehr in der Region Stuttgart. Betroffen sind vor allem Stuttgart und Esslingen, doch die Auswirkungen dürften auch anderswo zu spüren sein. Pendler müssen mit Staus auf den Straßen rechnen.
Die Stadtbahnen bleiben am Montag im Depot.
Von unserer Redaktion
Stuttgart - Wer kann, sollte am Montag im Homeoffice arbeiten. Verdi Baden-Württemberg ruft zum Warnstreik im kommunalen Nahverkehr auf. Betroffen sind mehrere Städte im Südwesten, und ganz besonders auch die Landeshauptstadt und das benachbarte Esslingen. Neben allen Stadtbahnen dürfte auch ein Großteil der Busse ausfallen. Die S-Bahnen fahren aber wie gewohnt.
Hintergrund ist ein Tarifstreit mit bundesweiten Auswirkungen. Die Tarifverhandlungen für die rund 6700 Beschäftigten in den sieben kommunalen Nahverkehrsbetrieben zwischen ver.di Baden-Württemberg und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) waren am 20. Januar ohne Angebot vertagt worden. Die nächste Verhandlungsrunde ist am 9. Februar. Verdi fordert unter anderem die Anhebung von Zuschlägen und Zulagen. Die Arbeitgeber wiederum sagen, dass in Zeiten klammer kommunaler Kassen kein Spielraum für eine Erhöhung besteht.
In Stuttgart stehen die SSB-Züge den ganzen Tag still
Die Stuttgarter Straßenbahnen AG lässt sämtliche Linienbusse und Stadtbahnen im Depot. Auch die Seilbahn, die Zahnradbahn, der Zacke-Bus und die Flexbusse werden am Montag ganztägig nicht fahren. Zudem öffnet die SSB ihre Kundenzentren und die Fundstelle nicht, der telefonische Kundenservice wird ebenfalls nicht angeboten.
Ausgenommen vom Streik sind die Buslinien 54, 58, 60, 64, 66, 71, 73, 90 und 99, die private Omnibus-Unternehmen im Auftrag der SSB betreiben. Die Linie 53 (Zuffenhausen-Zazenhausen Steigle) verkehrt am Montag ebenfalls, die Linien 53E (Mühlhausen-Zazenhausen Steigle) und 91 fallen hingegen aus.
In Esslingen beteiligt sich der städtische Verkehrsbetrieb
In Esslingen streiken am Montag die Mitarbeitenden des Städtischen Verkehrsbetriebs (SVE), erklärt eine Sprecherin des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) auf Nachfrage. Betroffen sind dabei die Buslinien 101, 102, 103, 104, 105, 108, 109, 110, 111, 113, 115, 118, 132 und 138. Diese seien bereits aus der Auskunft entfernt worden, damit Fahrgäste die Verbindungen gar nicht erst angezeigt bekommen. Ein Notfahrplan für den Schülerverkehr wird nicht eingerichtet. Zudem wird der Infopoint des SVE während des Streiks nicht besetzt sein.
Die Apps und elektronischen Fahrplanauskünfte der SSB und des VVS informieren die Fahrgäste für den betroffenen Zeitraum über Fahrten, die nutzbar sind. Mit Betriebsbeginn am Dienstag, 3. Februar, sollte der Betrieb bei der SSB wieder nach Fahrplan laufen.
S-Bahnen fahren zwar wie gewohnt, auch die Regionalzüge, Nebenbahnen, der VVS-Rider und weitere Busunternehmen in der Region sind von dem Warnstreik nicht betroffen. Doch ist angesichts der Bus- und Bahnausfälle von einem deutlich erhöhten Fahrgastaufkommen und somit vollen Zügen auszugehen. Trotzdem bleibt es beim Viertelstundentakt, denn eine Angebotsausweitung ist nicht möglich. „Wir sind auf der Stammstrecke am Limit“, sagte ein Bahnsprecher am Freitag.
Die Busgesellschaften der DB-Regio, wie die Friedrich Müller Omnibusunternehmen GmbH, deren Fahrzeuge unter anderem auf den Fildern unterwegs sind, fahren ebenfalls.
Die Straßen dürften am Montag voller als sonst sein
Da ein Großteil der Pendler am Montag wohl aufs Auto umsteigen wird, ist auf Stuttgarts Straßen mit deutlich erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Aufgrund von Staus und Verkehrsbehinderungen sollte man längere Fahrtzeiten im Berufsverkehr einplanen. Laut der Gewerkschaft ist jedenfalls davon auszugehen, dass in den betroffenen Gebieten der Nahverkehr „zum Erliegen kommt“. Was bedeutet das für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die auf dem Weg zum Job auf den ÖPNV angewiesen sind?
Arbeitnehmern droht Ärger bei Nichterscheinen
Grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich sind, pünktlich im Betrieb anzukommen, sie tragen das sogenannte Wegerisiko. Das gilt bei Streik genauso wie etwa bei Schnee und Glätte. Heißt: Auch wenn Busse und Bahnen nicht fahren, dürfen Angestellte nicht einfach zu spät kommen. Darauf macht Volker Görzel vom Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte (VDAA) aufmerksam.
Wenn das Homeoffice keine Lösung ist, müssen Angestellte also nach zumutbaren Alternativen suchen. Wer keine der zumutbaren Alternativen nutzt und dann zu spät oder gar nicht zur Arbeit kommt, muss im Zweifelsfall mit Konsequenzen rechnen, heißt es vom VDAA.
Wenn es hart auf hart kommt, gilt laut VDAA der Grundsatz „ohne Arbeit kein Lohn“. Wer also wegen eines Streiks zu spät oder im schlimmsten Fall gar nicht arbeitet, hat auch keinen Anspruch auf Bezahlung – das Gehalt kann entsprechend gekürzt werden. Auch eine Abmahnung ist denkbar.
Betroffen von dem Arbeitskampf sind neben Stuttgart und Esslingen auch Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden und Konstanz, wie der Verdi-Landesbezirk mitteilte. Der eintägige Ausstand findet im Zuge bundesweiter Arbeitsniederlegungen statt. In allen Bundesländern stehen in diesem Frühjahr Verhandlungen über neue Manteltarifverträge für die kommunalen Nahverkehrsbetriebe an.