Drohender Iran-Krieg

Amerikanische Muskelspiele ohne politisches Ziel

Die USA haben eine überschaubare Streitmacht vor der iranischen Küste zusammengezogen. Trump scheint das Land nur aus der Luft angreifen zu wollen.

Amerikanische Muskelspiele ohne politisches Ziel

Soldaten bereiten an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln Kampfjets für eine Mission vor: Imageverlust droht.

Von Franz Feyder

Die laufenden Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran sollen binnen zehn bis 15 Tagen mit einem „sinnvollen Abkommen“ abgeschlossen werden. Ansonsten, droht US-Präsident Donald Trump, „passieren schlimme Dinge“. Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ schreibt, der Republikaner ziehe „einen ersten, begrenzten Militärschlag“ in Erwägung, sollte das Ultimatum verstreichen.

Wo sind die roten Linien für die USA in den Verhandlungen mit dem Iran?

Nach dem Willen Trumps soll der Iran über keine Atomwaffen verfügen. Zudem will der US-Präsident die Urananreicherung in Atomanlagen stoppen und zurückfahren. Mit dieser Forderung ist Trumps Drohkulisse verbunden. Zudem will die US-Regierung verbindlich über die Stärke das iranischen militärischen Potenzials verhandeln, mit dem das Land im Falle eines Angriffs von außen Vergeltung üben könnte. Die USA fordern hier „spürbare Einschränkungen“.

Wo sind die roten Linien des Iran?

Der Iran lehnt es ab, die Urananreicherung komplett zu stoppen. Zudem will Regimeführer Ayatollah Ali Chamenei unter allen Umständen verhindern, dass sein Land bereits heute hoch angereichertes Atommaterial abgeben muss, um es ins Ausland zu bringen. Undenkbar ist für den Iran auch, über Obergrenzen für sein Vergeltungsarsenal zu sprechen: Seine Diplomaten haben in den vergangenen Tagen sehr deutlich gemacht, dass sie Falle eines US-Angriffes in der gesamten Region US-Basen, Eigentum von US-Bürgern und Länder angreifen werden, die die USA bei einem Angriff selbst nur durch Überflugrechte unterstützen.

Wie stark sind die USA in der Region?

Vor Ort befindet sich bereits die Trägerkampfgruppe Abraham Lincoln. Auf dem Träger sind 70 bis 90 Kampfjets der Typen F-35C, F/A-18 Super Hornet, Erdkampfflugzeuge A-10C, für die elektronische Kampfführung wie dem Ausschalten von Radarsystemen spezialisierte Jets des Typs EA-18G Growler sowie Aufklärungsflugzeuge E-2D Hawkeye. Hinzu kommen Hubschrauber. Die Trägerkampfgruppe wird von fünf Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse geschützt. Von diesen Schiffen können zudem Marschflugkörper mit Reichweiten von 1500 Kilometer verschossen werden. Außerdem haben die USA auf ihren etwa 20 Basen im Nahen und Mittleren Osten eine ungezählte Anzahl von Jägern, Tarnkappenbombern, Erdkampf- und Tiefflugjets zusammengezogen. Der größte Träger der USA, die Abraham Lincoln, ist mit neun Zerstörern und drei Fregatten auf dem Weg in die Region.

Gibt es US-Bodentruppen in der Region?

Nein. Außer den auf der saudi-arabischen Prince Sultan Air Base und der katarischen al-Udeid Air Base ständig stationierten etwa 2000 Marineinfanteristen haben die USA keine Bodentruppen für einen Angriff auf den Iran verfügbar. Unklar ist, ob sich eine sogenannte Marines Expeditionseinheit (MEU) mit zusätzlichen 2000 bis 2500 Soldaten auf dem Weg in die Region befindet: Die der im Roten Meer operierenden 5. US-Flotte zugeordnete 15. MEU ist nicht eindeutig zu lokalisieren.

Was können diese Bodentruppen?

Diese Truppen können abgeschossene US-Piloten in einem Streifen von etwa 350 Kilometern jenseits der Küste retten. Aufklärer, die möglicherweise durch Kampfschwimmer der Seals-Eliteeinheit verstärkt werden, könnten im Iran aus Verstecken Luftangriffe präzise auf Ziele leiten. Zu einer Operation wie in Venezuela, wo am 3. Januar US-Spezialeinheiten Machthaber Nicolás Maduro entführten, sind die USA im Iran nicht in der Lage. Erst recht reichen diese Kräfte nicht aus, um eine Bodenoffensive zu beginnen.

Wie könnte ein US-Angriff aussehen?

Absehbar ist, dass die USA ohne weitere Verstärkungen militärisch nur in der Lage sind, über mehrere Wochen hinweg die iranische Luftabwehr zu schwächen, Infrastruktur für den Bau ballistischer Raketen und Drohnen zu zerstören sowie ausgewählte Schlüsselgebiete für die nukleare Rüstung anzugreifen. Ein solcher Schlag würde von einigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen geführt werden. Schlägt der Iran – wie angekündigt – zurück, könnten die USA die Luftherrschaft über den Iran erkämpfen, um wochenlang die überwiegend auf mobilen Abschussrampen befindlichen iranischen Vergeltungswaffen systematisch zu zerstören.

Welche weiteren Gefahren drohen?

Während möglicher US-Angriffe ist die Handelsseefahrt gerade in den beiden Engstellen Straße von Hormus und Bab al-Mandab sehr stark gefährdet oder wird ganz unterbunden. Dies wird ebenso dramatische Auswirkungen auf den weltweiten Ölhandel haben wie mögliche Angriffe auf US-Verbündete wie Israel, Saudi-Arabien oder die Türkei. Gerade Israels Lage wird dadurch erschwert, dass durch die iranische Reaktion auf die US-israelischen Luftangriffe im vergangenen Sommer die Arsenale für Luftabwehrraketen nur rudimentär gefüllt sind.

Was ist das politische Ziel der USA?

Vordergründig will Trump das iranische Atomwaffenprogramm beenden. Gerade nach dem desaströsen Misserfolg der US-Luftangriffe auf die zumeist in unterirdischen Anlagen versteckten iranischen Einrichtungen ist es mehr als fraglich, ob ein neuer Angriff mehr Erfolg bringt. Klar ist auch, dass die USA keinen Regierungswechsel im Iran herbeibomben können und wohl auch nicht wollen. Insofern ist das politische Ziel eines neuerlichen Waffengangs aus US-Sicht höchst unklar. Im Gegenteil: Bei einem neuerlichen Misserfolg droht den USA ein weiterer Imageverlust bei iranischen Oppositionellen, in der Region und bei ihren Verbündeten.