Andrea Berg wird 60: Jetzt kommt das Beste am Leben

An ihrem runden Geburtstag ist Schlagerstar Andrea Berg mit sich im Reinen. Sie spürt keinen Druck mehr und will ihren Weg künftig noch mehr selbst bestimmen. An ein Karriereende denkt die Sängerin aus Aspach noch nicht.

Andrea Berg wird 60: Jetzt kommt das Beste am Leben

Mit 60 gelassener als je zuvor: Andrea Berg will nichts mehr beweisen, sondern vor allem Spaß haben, am liebsten zusammen mit ihrem Publikum.Foto: Berglive – Nadine Volz

ASPACH. Kurz vor ihrem 60. Geburtstag empfängt uns eine entspannte Andrea Berg zum Gespräch am rustikalen Esstisch im Schwarzwaldchalet. Der Ort ist nicht zufällig gewählt. „Das Dörfle ist mein Baby“, sagt sie über die 2015 eröffnete Ferienhaussiedlung am Rande des Sonnenhof-Areals in Kleinaspach. Die Dekoration der urigen Häuschen hat die Sängerin selbst ausgesucht und die Vorhänge auf der Nähmaschine genäht. Wer hier seinen – nicht ganz günstigen – Urlaub verbringt, hat gute Chancen, den Schlagerstar auch mal persönlich zu treffen. Buchen kann man die Begegnungen mit ihr aber nicht.

Seit 22 Jahren lebt Andrea Berg nun schon in Aspach, aber ist der Ort auch Heimat geworden? „Ja“, sagt sie, „Heimat ist ja nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl. Und für mich ist das hier, wo die wichtigsten Menschen sind.“ Dabei war der Umzug aus ihrer Geburtsstadt Krefeld in den Süden im Jahr 2003 durchaus eine Umstellung. „Man kann ein Mädchen aus dem Rheinland holen, aber nie das Rheinland aus einem Mädchen“, sagt sie und lacht. Dass die Schwaben eine etwas andere Mentalität haben, hat sie auch bei ihrem eigenen Mann festgestellt. Wenn sie früher zu Uli Ferber gesagt habe: „Jetzt lach doch mal“, habe er gefragt: „Warum?“ Nach mittlerweile 18 Jahren Ehe mit der rheinischen Frohnatur braucht er dafür keinen Grund mehr.

Hotel als Gegenpol zum Showgeschäft

Von der Landschaft rund um Kleinaspach ist Andrea Berg noch immer begeistert. „Wenn ich hier in den Weinbergen unterwegs bin und den Sonnenuntergang sehe, dann bin ich happy. Wir leben in einer wunderschönen Region.“ Und sie genießt es, dass sie hier neben dem Showgeschäft noch ein zweites Leben abseits der Bühne hat. „Wenn ich jeden Tag zwei Stunden in der Maske sitzen müsste, um irgendwo in eine Kamera zu lachen und mein ganz normales Leben nicht hätte, wäre das Ganze so, glaube ich, nicht über mehr als drei Jahrzehnte hinweg möglich“.

Die Bodenhaftung nicht zu verlieren – das war der erfolgreichsten Sängerin der deutschen Chartgeschichte immer wichtig. Schon am Anfang ihrer Karriere, die 1992 mit dem Debütalbum „Du bist frei“ begann, ging sie auf Nummer sicher. Bis zur Geburt ihrer Tochter Lena-Maria im Jahr 1998 hatte die gelernte Arzthelferin noch einen Halbtagsjob bei der Kassenärztlichen Vereinigung. Später engagierte sie sich ehrenamtlich und half mit beim Aufbau eines Hospizes und eines Kinderhauses in Krefeld. „So hatte ich das echte Leben parallel“, sagt Andrea Berg, denn ihr sei immer klar gewesen: „Bilde Dir auf nichts etwas ein und sei dankbar für jeden Augenblick.“

Heute ist das Hotel Sonnenhof ihr Gegenpol zum schillernden Showgeschäft. „Für mich bedeutet es Freiheit, dass ich mich im Hotel nicht verstellen muss, sondern den Menschen genauso authentisch begegnen kann wie auf der Bühne.“ Hier kann man Andrea Berg auch mal ungeschminkt und in Jogginghose begegnen. Nicht immer perfekt sein zu müssen – das empfindet sie als Privileg und es erleichtert ihr auch das Älterwerden: „Es ist doch besser, wenn mich die Leute schon mit 40 ungeschminkt gekannt und meinen Kern entdeckt haben. Wenn man um seiner Selbstwillen geliebt wird, dann kann man doch gelassen alt werden.“

„Ich will nur noch Sachen machen, die mich mit Freude erfüllen.“

Und so macht Andrea Berg überhaupt nicht den Eindruck, als empfinde sie die Zahl 60 als Belastung. Im Gegenteil. Körperlich fühlt sie sich fit wie nie. Hinzugekommen ist eine neue Gelassenheit. Nach 14 Nummer-Eins-Alben muss die Schlagerkönigin niemandem mehr etwas beweisen – auch nicht sich selbst. Und so lautet ihr guter Vorsatz zum runden Geburtstag: „Ich will nur noch Sachen machen, die mich mit Freude erfüllen.“ Gesungen hat sie das schon auf ihrem letzten Album: „Jetzt kommt das Beste am Leben. Vorbei mit Pflicht, ich will endlich Kür.“

Einladungen in Talkshows oder Projekte, auf die sie keine Lust hat, lehnt sie nun konsequenter ab als früher. „Das ist für die Menschen um mich herum vielleicht nicht immer ganz einfach zu verstehen, aber mit der Zeit gewöhnt sich das Umfeld daran.“

Erst Open-Air-Konzerte, dann Arena-Tour

Große Lust hat Andrea Berg nach wie vor auf die Musik und die Bühne. Im Sommer wird sie elf große Open-Air-Konzerte geben, darunter wie immer die zwei „Heimspiele“ in Aspach. Im Herbst 2027 folgt dann eine große Arena-Tour. Neben neuen Liedern wird sie ihren Fans auf der Bühne dann auch wieder kurze Röcke und hautenge Kleider präsentieren. Die Frage, ob das mit 60 noch angemessen ist, stellt sich ihr nicht. Andrea Berg, der oft vorgeworfen wurde, sie transportiere in ihren Texten ein antiquiertes Frauenbild, klingt bei diesem Thema beinahe feministisch. Es ärgert sie, wenn sie sieht, dass Frauen in ihrem Alter nur noch Werbung für Produkte gegen Blasenschwäche machen dürfen. „Warum soll ich mit 60 nicht mit Minirock und einer Lederjacke rumlaufen, wenn mir gerade danach ist?“

Neuer Hilfsverein als Herzensprojekt

Ihre Fans sehen das sicher genauso und sie dürfen darauf hoffen, dass es noch lange so bleibt. An ein Karriereende verschwendet der Schlagerstar jedenfalls noch keinen Gedanken: „Ich fühle mich pudelwohl. Deswegen denke ich: Solange das so geil ist, warum nicht?“ Bis zum nächsten Konzert Anfang Juni bleibt aber noch etwas Zeit – auch zum Geburtstagfeiern. Zum 50. vor zehn Jahren produzierte die ARD eine dreistündige Geburtstagsshow, diesmal verzichtet Andrea Berg bewusst auf großes Brimborium. „Wir werden den Tag so verbringen, wie ich mir das gewünscht habe“, sagt sie. Feiern wird sie heute im Familienkreis bei Schweinsbraten und Knödel. Die Playlist hat die Jubilarin selbst zusammengestellt. Disco-Hits der 80er und 90er werden zu hören sein, und ein paar kölsche Karnevalsschlager dürfen bei dem ehemaligen Funkenmariechen auch nicht fehlen.

Geschenke gibt es auch, allerdings nicht für Andrea Berg, sondern für Menschen in Not. Um ihrem langjährigen sozialen Engagement einen festen Rahmen zu geben, hat sie kürzlich den Verein „Andrea Berg hilft“ gegründet, deren Vorsitzende sie auch ist. 60 000 Euro Startkapital hat sie selbst beigesteuert, nun hofft sie, dass sich viele Unterstützer ihrem Herzensprojekt anschließen. „Wir bündeln mit dem Verein mein Engagement für die Partner, sozialen Einrichtungen, Hilfsangebote und Initiativen, für die ich mich bereits seit über 30 Jahren einsetze – vom Hilfsverein „Die Wiege“ über Hospize bis zu Kinderhäusern – und geben dem Ganzen eine gemeinsame Plattform“. Nach dem Geburtstag steht dann noch eine Reise nach Las Vegas an. Dort will sich Andrea Berg unter anderem die neue Show von Jennifer Lopez anschauen. Die wird dieses Jahr übrigens 57 und ist ein weiterer Beweis dafür, dass Sex-Appeal kein Verfallsdatum hat.