Kirchengemeinden in Auenwald auf dem Weg zur Fusion

Aus zwei mach eins. Die evangelischen Kirchengemeinden Ober- und Unterbrüden sowie Lippoldsweiler wagen zum neuen Jahr einen großen Schritt: Sie fusionieren im kommenden Jahr zur evangelischen Kirchengemeinde Auenwald.

Kirchengemeinden in Auenwald auf dem Weg zur Fusion

Kirchturm der Peterskirche in Oberbrüden.

Auenwald. Wenn ab dem 1. Januar des kommenden Jahres im Mitteilungsblatt oder in den Gemeindebriefen steht: „Die evangelische Kirchengemeinde Auenwald lädt zum Gottesdienst ein“, dann handelt es sich nicht um eine neue Kirchengemeinde in Auenwald. Es ist der Name der bis dahin fusionierten und bestehenden evangelischen Kirchengemeinden am Ort.

„Wir haben im März den Antrag auf Fusion gestellt“, sagt Dietmar Schuster, Pfarrer der Kirchengemeinde Ober- und Unterbrüden, und erntet ein Kopfnicken von seiner Kollegin Renate Dinda, Pfarrerin in Lippoldsweiler. Grund dafür ist unter anderem der Pfarrplan 2030 der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Der Pfarrplan regelt das Verhältnis von Pfarrerinnen und Pfarrern zur Zahl der Gemeindeglieder. Für Auenwald heißt das: Aus zwei Pfarrstellen wird künftig eine. „Ein weiterer Grund ist, dass ich zum 1. August nächsten Jahres in den Ruhestand gehe und meine Stelle nicht wiederbesetzt wird“, sagt Renate Dinda. Vor diesem Hintergrund gab es für die Kirchengemeinde Lippoldsweiler verschiedene Modelle, wie es weitergehen könnte. Unter anderem wurde geprüft, ob man sich mit anderen Kirchengemeinden zu einem Verbund zusammenschließen könnte. „Wir haben uns dann glücklicherweise für eine Fusion entschieden“, sagt Dinda. Ein Vorteil ist aus ihrer Sicht, dass die Kirchengemeinde dann mit Dietmar Schuster weiterhin einen kontinuierlichen Ansprechpartner hat.

Gottesdienste sind geklärt

So weit die Vorgeschichte, denn die Vorarbeiten für die Fusion haben schon längst begonnen und dauern noch an. „Voraussetzung für eine solche Fusion ist immer, dass es in beiden Kirchengemeinden eine Gemeindeversammlung gibt, die dem Ganzen zustimmen muss“, sagt Dietmar Schuster. Grundsätzlich gab es keine Bedenken oder Einwände. Nur die Frage, wie es in Zukunft mit den Gottesdiensten aussieht, wurde immer wieder gestellt. Auch dafür wurde inzwischen eine Lösung gefunden und als Entwurf an den Oberkirchenrat geschickt. „Bis zur Verabschiedung von Renate Dinda bleibt zunächst alles beim Alten“, sagt Schuster. Danach wird es dann an den Sonntagen Doppelgottesdienste geben. Also jeweils einen in Lippoldsweiler und einen im wöchentlichen Wechsel in Ober- und Unterbrüden.

Auch in den Kirchengemeinderäten wird es künftig Veränderungen geben. „Das war auch der Grund, warum wir bei der Fusion so Gas gegeben haben“, sagt Dietmar Schuster. „Durch die Fusion werden wir dann nur noch einen Kirchengemeinderat wählen.“ Damit der Zusammenschluss genehmigt wird, musste der Antrag deshalb schon im März dieses Jahres gestellt werden, auch wenn die Gemeindeversammlungen erst danach stattfanden. „Ab dem 1. Januar werden dann die beiden bisherigen Kirchengemeinderäte zu einem verschmelzen und nur noch gemeinsam tagen“, erklärt der Pfarrer von Ober- und Unterbrüden. Dann müssen die Ämter innerhalb des Gremiums neu verteilt werden. „Wir haben zum Beispiel in jedem der beiden Kirchengemeinderäte einen Vorsitzenden oder einen Vertreter für die Synode sowie weitere Doppelfunktionen“, sagt Renate Dinda.

Bei einer solchen Fusion sind aber nicht nur formale Dinge zu bedenken. Denn es gilt auch vermeintlich einfache Aufgaben zu erledigen, die am Ende doch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. „Neben einem neuen Logo und dem Erscheinungsbild des neuen Gemeindebriefs gibt es bei Geschäftspapieren, Gebäudebeschriftungen bis hin zu Stempeln vieles zu beachten“, sagt Dietmar Schuster. Nicht zu vergessen die Zusammenführung der beiden Homepages im Internet zu einem einheitlichen Auftritt. Hier wird dann die Fusion nach außen am deutlichsten sichtbar werden, sind sich Schuster und Dinda einig.

Derzeit wird auch daran gearbeitet, welche Themen und Veranstaltungen sich durch die Fusion verändern werden. Zum Beispiel die Kinderkirche und der lebendige Adventskalender. „Hier überlegen wir, wie so etwas in Zukunft aussehen kann“, sagt Schuster. Das Gemeindefest, das es in Lippoldsweiler bisher nicht gab, soll erhalten bleiben und weiterhin rund um das Pfarrhaus in Oberbrüden für die neue Kirchengemeinde stattfinden und damit auch für die Mitglieder aus Lippoldsweiler. „Das ist kein Weg, bei dem man sagen kann, wir gehen einfach zusammen. So etwas muss zusammenwachsen“, so Schuster.

Neben all den sachlichen Vorarbeiten betonen Renate Dinda und Dietmar Schuster vor allem auch die emotionalen Aspekte der Fusion für die Gemeindemitglieder und der Mitarbeiter. „Ich befürchte, dass durch die Reduzierung der einzelnen Arbeitsplätze in den Kirchengemeindeverwaltungen auch der persönliche Kontakt leiden wird“, gibt die scheidende Pfarrerin von Lippoldsweiler zu bedenken. Schuster ergänzt: „Die Arbeit wird durch die Fusion nicht weniger, sie muss dann nur von weniger Leuten erledigt werden.“ Kritisch äußert er sich zu den Reformen, die derzeit in der evangelischen Kirche angedacht und zum Teil schon umgesetzt werden: „Nicht alle diese Reformen sind so stringent, dass sie ineinander greifen und sich gegenseitig unterstützen, sondern sie widersprechen sich zum Teil.“

Hoffnung auf ruhigere Zeiten

Dietmar Schuster ist zuversichtlich, dass nach der Fusion und den personellen Anpassungen durch den Pfarrplan in dieser Hinsicht erst einmal Ruhe einkehrt. „In fünf bis zehn Jahren werden wir sicher wieder eine andere Situation haben als heute. Aber vonseiten der Kirchenleitung gibt es die Aussage, dass der Pfarrplan 2030 der letzte ist.“ Dennoch ist er sich bewusst, dass es noch viele Herausforderungen zu meistern gilt. Eine davon, die Schuster direkt anspricht, ist die demografische Entwicklung in der evangelischen Kirche. Ein Großteil der Mitglieder ist im fortgeschrittenen Alter und immer mehr junge Menschen kehren der Kirche – nicht nur der evangelischen – den Rücken.

Eine viel größere Diskussion als bei der Gemeindefusion erwarten Renate Dinda und Dietmar Schuster dann, wenn es um die Gebäude und damit auch um die Kirchen der evangelischen Kirche gehen wird. Parallel zum Pfarrplan 2030 läuft seit einiger Zeit das sogenannte OIKOS-Projekt. Hier hat sich die evangelische Kirche vorgenommen, bis 2040 alle Gebäude klimaneutral zu stellen. Das wird noch einige Unruhe und Veränderungen mit sich bringen, so Dinda und Schuster. „Da wird wohl auch die eine oder andere Kirche dran glauben müssen“, sagt Schuster. Hier ist er skeptisch, was seine eigene Gemeinde betrifft. Denn in Auenwald gibt es drei Kirchen und diverse Gebäude, die klimaneutral gestellt werden sollen. Das alles vor dem Hintergrund einer nach wie vor schwierigen finanziellen Situation bei der evangelischen Kirche. Die Arbeit wird den Mitarbeitern, den Kirchengemeinderäten und Dietmar Schuster in den nächsten Jahren jedenfalls nicht ausgehen.

Kirchengemeinden in Auenwald auf dem Weg zur Fusion

Die bisherigen Kirchengemeinden

Ober- und Unterbrüden Die evangelische Kirchengemeinde hat derzeit 1800 Mitglieder. Im Jahr 2012 waren es noch 2262. Sie umfasst die Auenwälder Teilorte Ober-, Mittel- und Unterbrüden. Pfarrer der Gemeinde ist seit Anfang 2023 Dietmar Schuster. Zur Kirchengemeinde gehören die Peterskirche in Oberbrüden und die Kreuzkirche in Unterbrüden.

Lippoldsweiler Die evangelische Kirchengemeinde hat aktuell 1080 Mitglieder. Im Jahr 2012 waren es 1280. Zur Gemeinde gehören die Auenwälder Teilorte Däfern, Ebersberg, Hohnweiler und Sauerhof. Seit September 1997 und damit seit 27 Jahren, ist Renate Dinda die Pfarrerin. Zur Kirchengemeinde gehört die Lutherkirche in Hohnweiler.