Ein kühler Mai mit den Eisheiligen rund um die „Kalte Sophie“, und im Juni droht schon der nächste Temperatursturz. Was das mit Polarluft und geschorenen Schafen zu tun hat.
Die Schafskälte bringt ungemütliche Bedingungen.
Von mic/red
Wer dachte, dass nach den frostigen Eisheiligen Mitte Mai der Sommer endlich dauerhaft Einzug hält, wird im Juni oftmals erneut enttäuscht. Nicht selten zeigt sich der Mai von seiner nasskalten, ungemütlichen Seite, und die Hoffnung auf konstante Wärme wächst.
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So soll es laut Wetterdiensten zu Pfingsten mit Temperaturen um die 25 Grad wesentlich freundlicher werden als Mitte Mai. Am Pfingstsamstag (23. 5.) halten einige in bestimmten Regionen sogar bis zu 30 Grad Hitze für möglich.
Kurzer Sommer zu Pfingsten?
Am Pfingstmontag (25. 5.), der bundesweit ein Feiertag ist, dürfte es ebenfalls schön bleiben – und auch darüber hinaus. Doch pünktlich nach dem Start in den vermeintlichen Sommermonat Juni kann das Thermometer dann erneut spürbar absinken, wie langjährige Erfahrungswerte zeigen.
Dichte Wolken ziehen in manchen Jahren auf, und Dauerregen vermiest das aufkommende Sommerfeeling. Dieses Phänomen ist keine böse Laune der Natur, sondern ein altbekannter Fall, der sich an die eisigen Maitage anschließt: die Schafskälte.
Wann ist die Schafskälte?
Die Schafskälte hält sich nicht an einen exakten Kalendertag, sondern beschreibt einen wiederkehrenden Zeitraum. Sie tritt typischerweise zwischen dem 4. und 20. Juni in Mitteleuropa auf.
Als statistischer Höhepunkt gilt der 11. Juni, der im Kalender auch mit dem Namenstag des heiligen Barnabas (einem wichtigen Lostag der Bauernregeln) verknüpft ist. Um dieses Datum herum bricht die Temperatur innerhalb weniger Stunden oft um 5 bis 10 Grad Celsius ein.
Schafskälte mit Schnee in den Alpen
Besonders spannend verhält sich das Phänomen im Alpenraum. Dort zeigt sich die Schafskälte statistisch sogar in zwei Wellen:
Woher hat die Schafskälte ihren Namen?
Der Name leitet sich direkt aus der traditionellen Landwirtschaft ab. Bis zum Frühsommer haben die Schafe ihr dichtes Winterfell getragen. Traditionell stand Anfang Juni die Schursaison an. Fällt das Thermometer nach dem Scheren durch den plötzlichen Kaltlufteinbruch drastisch ab, wird es für die frisch geschorenen Tiere – insbesondere für Muttertiere und junge Lämmer – gefährlich kühl.
Ohne schützende Unterstände drohen Unterkühlungen und Krankheiten. Erfahrene Schäfer warten daher oft das Verstreichen dieses Zeitfensters ab, bevor sie die Wolle komplett kürzen.
Schafskälte und Eisheilige sind Wetterstörungen
Meteorologisch gesehen handelt es sich bei der Schafskälte um eine sogenannte Singularität – also eine Witterungsstörung, die mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit zu einer bestimmten Zeit im Jahr auftritt (ähnlich wie die Eisheiligen im Mai oder das Weihnachtstauwetter im Dezember).
Die Ursache liegt im Zusammenspiel von Land und Meer:
Kaltluft-Vorstoß bringt Schafskälte
Durch diese Druckunterschiede dreht die Strömung über Mitteleuropa auf Nord bis Nordwest. Kalte, feuchte Polarluft strömt ungehindert nach Deutschland und drückt die Temperaturen nach unten. Wegen der Ähnlichkeit zur großräumigen Luftmassenumstellung in Asien sprechen Meteorologen scherzhaft auch vom „europäischen Sommermonsun“.
Früher galt die Schafskälte als extrem verlässlich. Datenanalysen aus den Jahren 1881 bis 1947 zeigten eine Eintrittswahrscheinlichkeit von fast 90 Prozent. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Bild jedoch verschoben.
Wahrscheinlichkeit für die Schafskälte
Durch die globale Erderwärmung und veränderte Strömungsmuster im Zuge des Klimawandels sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen echten, markanten Temperatureinbruch im Juni. Aktuelle Klimaanalysen gehen in den letzten 30 Jahren von einer klassischen Trefferquote von nur noch rund 33 Prozent aus.
Oft verläuft die Schafskälte heute deutlich milder oder wird sogar komplett von frühsommerlichen Warmluftblasen verdrängt. Komplett abschreiben sollte man sie jedoch nicht: Einzelne kalte Nächte mit Bodenfrostgefahr in tiefen Lagen oder Schneefall in den Bergen bleiben bis weit in den Juni hinein im Bereich des Möglichen.