Aufgebrachter Mann demoliert Rettungswagen

Am Dienstagmorgen will ein Einsatzfahrzeug aus der Hauptrettungswache im Stöckach ausrücken. Ein Passant reagiert aggressiv – kein Einzelfall.

Aufgebrachter Mann demoliert Rettungswagen

Ein aufgebrachter Passant hat ein Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes vor der Hauptrettungswache beschädigt.

Von Jürgen Bock

Stuttgart - Die Polizei wird immer häufiger zur Zielscheibe von Aggressionen. Auch Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst berichten von nachlassendem Respekt, fehlendem Verständnis für ihre lebensrettende Arbeit oder gar von Übergriffen. Einen solchen hat es am Dienstag in Stuttgart-Ost gegeben – aus heiterem Himmel.

Wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) berichtet, wollte die zweiköpfige Besatzung eines Rettungswagens gegen 7.30 Uhr zu einem Einsatz wegen eines Krankentransports ausrücken. Um die Hauptrettungswache an der Neckarstraße verlassen zu können, müssen die Einsatzfahrzeuge über den Gehweg fahren. Dort war ein 45 Jahre alter Mann unterwegs, der sein Fahrrad schob.

„Völlig unvermittelt und ohne erkennbaren Grund“, so das DRK, habe der Mann das Fahrzeug attackiert. Dabei schlug er offenbar mit seinem Fahrrad gegen das Auto. Das Fahrzeug wurde dabei erheblich im Frontbereich beschädigt, vor allem an der Signalanlage. Es war dadurch nicht mehr einsatzfähig und musste außer Dienst genommen werden, sodass es nicht mehr für die rettungsdienstliche Versorgung zur Verfügung stand. Die Schadenshöhe wird noch ermittelt.

Man habe den Vorfall sofort angezeigt, sagt Ralph Schuster, Leiter des DRK-Rettungsdienstes in Stuttgart. „Da zeigen wir null Toleranz. Für solches Verhalten gibt es weder eine Rechtfertigung noch Verständnis“, so Schuster.

Seit Jahren stelle das DRK zunehmend Aggressionen gegenüber Einsatzkräften fest. Allein 2025 hat der Kreisverband Stuttgart bei 18 Vorfällen Strafantrag gestellt. Weshalb gerade der Rettungsdienst immer wieder attackiert wird, sei nicht nachvollziehbar. Darunter leide auch die Attraktivität dieser Berufe, auf die die Gesellschaft zur Daseinsvorsorge angewiesen sei. „Wir werben für Rücksichtnahme, Verpflichtung zur Hilfe und ein respektvolles Miteinander.

Die Polizei fasste den Täter kurz nach dem Vorfall nach einer Personenbeschreibung am Neckartor. Gegen ihn dürfte jetzt nicht nur wegen Sachbeschädigung ermittelt werden. Er sei offenbar wütend gewesen, weil er auf dem Gehweg kurz hätte warten müssen, bis der Rettungswagen die Straße erreicht, sagt eine Polizeisprecherin. Auch über die Polizeikontrolle habe er sich nicht erfreut gezeigt: „Er hat die Beamten bei der Überprüfung beleidigt.“