Austausch mit Lesern auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre

Am Tag des Lokaljournalismus erhielten Leserinnen und Leser unserer Zeitung Einblicke in die Arbeitsweise der Redaktion. Beim sogenannten Speeddating mit der Lokalredaktion im „Wohnzimmer“ ergaben sich an den Thementischen nicht nur anregende Gespräche, sondern auch die Möglichkeit, die Gesichter hinter der Zeitung kennenzulernen.

Von Kai Wieland

Austausch mit Lesern auf Augenhöhe in entspannter Atmosphäre

BKZ-Redakteurin Kristin Doberer (Mitte) steht an Tisch 1 Rede und Antwort zur Frage, welche Themen eigentlich in unserer Zeitung behandelt werden und welche nicht. Fotos: Alexander Becher

Backnang. Dezente Hintergrundmusik, gepolsterte Sitzmöbel, bunte Deko an den rot gestrichenen Wänden: Das „Wohnzimmer“ in Backnang ist kein alltäglicher Rahmen für eine Veranstaltung der Lokalredaktion unserer Zeitung – sehr wohl aber für ein Speeddating. Es ist also doch stimmig, dass unsere Aktion anlässlich des Tags des Lokaljournalismus gerade hier stattfindet. Rund 15 Interessierte – überwiegend Abonnenten der Printausgabe – haben den Weg in die Musikbar gefunden, um an fünf Thementischen mit den Redakteurinnen und Redakteuren ins Gespräch zu kommen. An jedem Tisch können sie eine Viertelstunde lang Fragen stellen, Lob verteilen, Kritik anbringen oder einfach mit dem Gegenüber plaudern. Dann ertönt der Gong und der Tisch wird gewechselt.

„Wir wollen Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit geben. Wir laden Sie aber auch dazu sein, Ihrerseits alles zu fragen, was Sie beschäftigt“, sagt Redaktionsleiter Kornelius Fritz bei seiner Begrüßung. „Es geht um einen Austausch und wir möchten auch gerne erfahren, wie Sie uns wahrnehmen.“ Gesagt, getan: Per Losverfahren verteilen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Tische.

Worüber berichtet die Backnanger Kreiszeitung und worüber nicht? An Tisch 1 erwartet BKZ-Redakteurin Kristin Doberer die Gäste und berichtet, welche Themen in unserer Zeitung eigentlich behandelt werden – eine bisweilen heikle Frage, die beispielsweise bei Vereinen oftmals für Verärgerung sorgt, wenn der Artikel in der Zeitung ausbleibt. „Ich finde es manchmal unfair, wie viel über den Sport berichtet wird. Musikvereine werden viel weniger bedacht, aber die sind ja auch wichtig“, kritisiert etwa Silke Müller-Zimmermann. Ein verständlicher Standpunkt, räumt Kristin Doberer ein. „Der Unterschied ist, dass wir bei Musikvereinen die Qualität nicht einschätzen können. Ein Fußballverein in der Kreisliga A bekommt aber ja auch nicht so viel Platz wie zum Beispiel die SG Sonnenhof Großaspach.“ Die Frage, wann ein Redakteur vor Ort ist und wann ein Platz im Schaufenster angeboten wird, beschäftigt viele der Anwesenden. Im redaktionellen Teil wird die Vielfalt der Themen häufig gelobt. „Bei der Auswahl der Themen würden sich manche Leserinnen und Leser noch mehr positive Nachrichten wünschen“, nimmt Kristin Doberer aus dem Abend mit.

Wie berichtet die Zeitung über Politik? Dürfen Redakteure eine politische Meinung haben? Diese Frage stellt Kornelius Fritz an seinem Tisch und erntet überwiegend ein nachdenkliches Ja – mit Einschränkungen. Eine klare politische Stoßrichtung scheint unserer Zeitung allerdings schwierig zuzuordnen zu sein. „Eher CDU-lastig“ scheint sie etwa Peter Wagner aus Aspach, während Renate Flick aus Unterweissach die Berichterstattung insgesamt ausgewogen findet, wenn sie auch einige „Ricarda-Lang-Fans“ in der Redaktion verortet. „Wenn man es nicht genau sagen kann, ist das ja eigentlich ein gutes Zeichen“, meint Rose Essers. Unstrittig ist jedenfalls, dass die Meinung nur in den Kommentar gehört, der von vielen Leserinnen und Lesern auch geschätzt wird. „Ich finde, das führt noch mal mehr in die Tiefe und zeigt einem auch selbst, welche Gegenargumente es vielleicht geben könnte“, sagt die in Hamburg lebende Joanna Rietl, die auf Heimatbesuch in Rietenau weilt.

Wie arbeitet die Sportredaktion? Als einer von drei Sportredakteuren in unserer Lokalredaktion stellt sich Steffen Grün den Fragen der Gäste. Hier zeigt sich schnell: Die Interessen sind oftmals klar verteilt. Während der eine die Sportseiten bis ins Detail studiert, werden sie vom nächsten konsequent überblättert. Ein angenehmes Gespräch ergibt sich jedoch immer und nicht selten führt dieses zu entspanntem Small Talk über die Backnanger Sportszene. „Wie viele Sportarten es gibt, die in Backnang auch hochklassig betrieben werden, das ist ganz enorm“, stellt Walter Amann fest und denkt dabei nicht in erster Linie an Fußball, sondern etwa an Judo oder den Tanzsport. Da stimmt Steffen Grün mit Freuden zu: „Es ist unser Anspruch, den Sport in unserem Verbreitungsgebiet in seiner enormen Vielfalt abzubilden, auch wenn aus Platzgründen ständig eine Gewichtung nötig ist und längst nicht alle Wünsche erfüllt werden können.“

Lokaljournalismus online: Worauf kommt es an? Viele der Anwesenden sind eingefleischte Printleser. Die Online-Angebote wie beispielsweise der Instagram-Auftritt unserer Zeitung sind oftmals unbekanntes Terrain. Umso größer ist das Interesse, auf das BKZ-Redakteurin Carolin Aichholz beispielsweise mit Statistiken zu Klickzahlen stößt. „Wenn es etwas über Andrea Berg zu berichten gibt, ist das wohl immer von Vorteil“, sagt Joanna Rietl und schmunzelt. Auch kritische Aspekte, insbesondere zur Darstellung des E-Papers, werden jedoch an Carolin Aichholz herangetragen. Rose Essers und Otto Bareiss erkundigen sich schließlich danach, wie man im Internet eigentlich all die Fake News und KI-generierten Videos von verlässlichen Nachrichten unterscheiden könne. „Das wird zunehmend schwieriger“, stimmt Carolin Aichholz zu. Letztlich helfe nur, sich an seriös arbeitende Medien zu halten und darauf zu achten, auf welche Quellen sich eine Nachricht bezieht.

Umgang mit Leserreaktionen Matthias Nothstein, in der Redaktion meist zuständig für die Bearbeitung der Leserbriefe, weiß aus langjähriger Erfahrung, dass selbige für viele Leser ein Herzensthema sind. „Wie viele Leserbriefe kommen denn pro Woche rein und wie viele werden gedruckt?“, will Walter Amann wissen. „Im Schnitt sind es acht bis zehn und gedruckt werden alle“, antwortet der Redakteur und schränkt ein: vorausgesetzt, sie entsprechen den Vorgaben. Dazu zähle etwa, dass monatlich bloß ein Leserbrief eingereicht werden kann. Kontroverse Diskussionen gibt es dazu kaum. „Alle Gesprächsteilnehmer zeigten großes Verständnis für die Reglementierungen bei den Leserbriefen, sowohl was die Häufigkeit der Leserbriefe als auch was die Länge derselben betrifft“, sagt Matthias Nothstein. Im Gegenteil, mancher wünscht sich gar ein stärkeres Eingreifen in Form von Kürzungen. „Die sind oft zu lang“, findet etwa Andreas Pitschmann. Da gehe der Kern nicht selten unter.

Leserbefragung Sie konnten am Dienstag beim persönlichen Austausch mit der Lokalredaktion nicht dabei sein, wollen uns aber trotzdem Ihre Meinung sagen? Dann machen Sie mit bei unserer Leserbefragung:

Tag des Lokaljournalismus

Hintergrund Der Tag des Lokaljournalismus ist eine bundesweite Initiative von Ippen Media und Co-Initiator Drive. Letzteres ist eine Initiative von 30 regionalen Zeitungsverlagen, koordiniert von dpa und Highberg/Schickler. Insgesamt haben sich dem Aktionstag über 100 Medienmarken angeschlossen.

Ziel Der Tag des Lokaljournalismus soll darauf aufmerksam machen, dass Lokaljournalismus als demokratische Grundversorgung im Alltag zunehmend unter Druck steht. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), sagt dazu: „Lokaljournalismus gibt Orientierung und übernimmt eine Watchdog-Funktion: Wo funktionierender Lokaljournalismus existiert, fühlen sich Akteure stärker verpflichtet, ihr Handeln zu erklären. Das ist demokratische Kontrolle.“