Backnang bleibt stärkster Einkaufsstandort im Kreis

Mehr Kaufkraft, zu wenig Umsatzplus: Die IHK hat die Einzelhandelskennzahlen für den Rems-Murr-Kreis veröffentlicht.

Backnang bleibt stärkster Einkaufsstandort im Kreis

Backnang erzielt mit rund 431,6 Millionen Euro den höchsten Einzelhandelsumsatz 2026. Archivfoto: Alexander Becher

Rems-Murr. Der Einzelhandel im Rems-Murr-Kreis kann mit der wachsenden Kaufkraft nicht Schritt halten. Das zeigen die aktuellen Zahlen der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. Backnang, Fellbach und Schorndorf bleiben demnach die stärksten Einkaufsstandorte.

Laut der Pressemitteilung verfügen die Menschen im Rems-Murr-Kreis 2026 über eine einzelhandelsrelevante Kaufkraft von rund 3,74 Milliarden Euro. Das sind 71 Millionen Euro beziehungsweise 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der stationäre Einzelhandelsumsatz wächst dagegen nur um 1,1 Prozent auf rund 2,70 Milliarden Euro. Die Zentralitätskennziffer des Kreises sinkt von 83,3 auf 82,7 Punkte. Damit wächst die rechnerische Differenz zwischen der im Kreis vorhandenen Kaufkraft und den Umsätzen des stationären Einzelhandels.

„Die Kaufkraft wächst, aber der Handel vor Ort bekommt zu wenig davon ab. Jeder Euro, der online oder an anderen Standorten ausgegeben wird, fehlt unseren Innenstädten und Ortszentren“, sagt David Fais, stellvertretender Leiter der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. Die Kaufkraft je Einwohner steigt im Rems-Murr-Kreis um 210 Euro auf 8501 Euro. Damit liegt sie über dem Bundesdurchschnitt von 8190 Euro, aber unter dem Durchschnitt der Region Stuttgart von 8649 Euro. Innerhalb des Kreises reicht die Spanne von 7456 Euro je Einwohner in Murrhardt bis 9031 Euro in Weinstadt. Trotz des nominalen Anstiegs sinkt die Kaufkraftkennziffer des Kreises von 105,5 auf 103,8 Punkte. Die Umsatzkennziffer fällt von 87,9 auf 85,8 Punkte.

Im Vergleich mit Region und Land fällt die Entwicklung verhalten aus. In der Region Stuttgart steigt der stationäre Einzelhandelsumsatz 2026 um rund 2,4 Prozent auf etwa 19,2 Milliarden Euro. In Baden-Württemberg beträgt der Zuwachs rund 3,1 Prozent. Mit einem Umsatzplus von 1,1 Prozent entwickelt sich der Rems-Murr-Kreis deutlich schwächer. „Ein nominales Umsatzplus klingt zunächst positiv. Doch die Kaufkraft wächst schneller als der Umsatz, und der Einzelhandel entwickelt sich im Kreis schwächer als in Region und Land. Damit verliert der Standort relativ an Boden“, betont Fais.

In neun Kommunen geht der Einzelhandelsumsatz zurück

Nach Einschätzung der IHK tragen die anhaltende Kaufzurückhaltung, wirtschaftliche Unsicherheiten und die zunehmende Verlagerung in den Online-Handel zu dieser Entwicklung bei. Gleichzeitig konkurrieren die örtlichen Geschäfte mit starken Einkaufsstandorten innerhalb und außerhalb des Kreises. Die Folgen sind vielerorts sichtbar: Kundenfrequenzen gehen zurück, Leerstände nehmen zu und Innenstädte sowie Ortszentren verlieren an Lebendigkeit. Innerhalb des Rems-Murr-Kreises zeigt sich ein unterschiedliches Bild. In 22 der 31 Städte und Gemeinden steigt der Einzelhandelsumsatz nominal, in neun Kommunen geht er zurück. Hohe absolute Zuwächse verzeichnen unter anderem Waiblingen mit rund 9,5 Millionen Euro, Weinstadt mit 8,1 Millionen Euro und Schorndorf mit 7,2 Millionen Euro.

Den stärksten absoluten Umsatzrückgang weist Fellbach mit rund 17 Millionen Euro auf. Dennoch bleibt Fellbach einer der stärksten Handelsstandorte im Kreis. Den höchsten Einzelhandelsumsatz erzielt 2026 Backnang mit rund 431,6 Millionen Euro, gefolgt von Fellbach mit 424,2 Millionen Euro, Waiblingen mit 387,8 Millionen Euro und Schorndorf mit 345,4 Millionen Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen Weinstadt mit 201,4 Millionen Euro und Winnenden mit 184,1 Millionen Euro.

Ein wichtiger Indikator für die Attraktivität eines Einkaufsstandorts ist die Zentralitätskennziffer. Sie setzt die Umsatzkennziffer ins Verhältnis zur Kaufkraftkennziffer. Ein Wert über 100 deutet darauf hin, dass der Einzelhandel per saldo Kaufkraft aus dem Umland anzieht. Ein Wert unter 100 steht für einen rechnerischen Netto-Kaufkraftabfluss, etwa zu anderen Einkaufsstandorten oder in den Online-Handel.

Nur drei Städte im Rems-Murr-Kreis erreichen 2026 weiterhin eine Zentralitätskennziffer von mehr als 100: Backnang mit 155,9 Punkten, Fellbach mit 122,3 Punkten und Schorndorf mit 112,8 Punkten. Backnang bleibt damit der stärkste Einkaufsstandort im Rems-Murr-Kreis und gehört beim Einzelhandelsumsatz je Einwohner weiter zu den führenden Handelsstandorten der Region Stuttgart. Weinstadt erreicht eine Zentralitätskennziffer von 94,7 Punkten, Waiblingen kommt auf 89,9 Punkte.

Damit mehr Kaufkraft vor Ort ankommt, müssen Handel, Gastronomie, Kommunen, Immobilieneigentümer und weitere Innenstadtakteure nach Auffassung der IHK noch enger zusammenarbeiten. Neben einem attraktiven Branchenmix und einer guten Erreichbarkeit gewinnen die Gestaltung des öffentlichen Raums, Veranstaltungen, Erlebnisangebote und neue Nutzungskonzepte für leer stehende Flächen an Bedeutung.

Auch die Unternehmen selbst sind gefordert. Guter Service, zeitgemäße Geschäftsmodelle, digitale Sichtbarkeit und eine intelligente Verbindung von stationärem Geschäft und Online-Angeboten sind entscheidend, um Kundinnen und Kunden zu halten und neue Zielgruppen zu erreichen.

„Lebendige Zentren sind eine Gemeinschaftsaufgabe. Handel, Gastronomie, Kommunen und Immobilieneigentümer müssen gemeinsam gute Gründe schaffen, warum Menschen vor Ort einkaufen und Zeit in unseren Innenstädten und Ortszentren verbringen. Denn wenn Geschäfte verschwinden, verlieren unsere Zentren mehr als nur Verkaufsfläche“, sagt Fais. pm