Glasfaser-Kabel: Baden-Württemberg verbummelt den Internet-Ausbau - und liegt im Ländervergleich auf dem vorletzten Platz.
Beim schnellen Internet hinkt Baden-Württemberg immer weiter hinterher: Nur jeder dritte Haushalt im Südwesten ist ans schnelle Glasfaser-Netz angeschlossen. Das Land liegt somit weit unter dem bundesweiten Durchschnitt von etwa 50 Prozent bei schnellen Internetanschlüssen. Das geht aus einer Marktanalyse des Vergleichsportals Verivox hervor, die unserer Redaktion vorab vorliegt. Der Bericht wird Ende der Woche offiziell veröffentlicht.
Laut der Analyse landet Baden-Württemberg mit einer Glasfaser-Versorgung von 35,5 Prozent auf dem vorletzten Platz. Nur in Thüringen stehen die Chancen auf schnelles Internet mit 26,5 Prozent noch schlechter. Baden-Württemberg ist damit seit dem Vergleich im Juni vergangenen Jahres einen Platz weiter abgerutscht in der Tabelle. Das Saarland war damals noch schlechter dran – hat den Südwesten aber inzwischen überholt. Damals lag die Glasfaser-Versorgung im Saarland noch bei 23 Prozent. Jetzt sind es 37 Prozent. Baden-Württemberg hat in dieser Zeit lediglich fünf Prozentpunkte aufgeholt.
Im Schnitt sind in Deutschland rund die Hälfte aller Haushalte mit Glasfaser versorgt. Der Norden führt die Vergleichstabelle an: Das Land Bremen ist Spitzenreiter mit einer Versorgungsquote von etwa 86 Prozent, gefolgt von Hamburg (80 Prozent) und Schleswig-Holstein (74,5 Prozent). „Deutschland ist nach wie vor ein Kupferland“, sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. „Fast ein Vierteljahrhundert nach der Schaltung der ersten modernen Glasfaseranschlüsse sind Teile Deutschlands immer noch abhängig von der veralteten DSL-Technik.“
Vor allem ländliche Regionen sind vom schnellen Internet im Gigabit-Bereich abgeschnitten, müssen also auf den Datenturbo mit mehr als 1000 Megabit pro Sekunde verzichten. In insgesamt 20 Gemeinden wie Horben und Heuweiler im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald sowie Altheim und Börslingen im Alb-Donau-Kreis haben die Bürgerinnen und Bürger erst gar keine Wahl. Dort liegen nur DSL-Leitungen im Boden. Glasfaser sucht man hier vergeblich.
In manchen Orten wie in Uhingen im Kreis Göppingen sind die Bewohner mittlerweile so verzweifelt, dass ihnen nur noch das Handynetz bleibt, um Netflix-Videos ruckelfrei zu streamen und an Teams-Konferenzen ohne Unterbrechungen teilzunehmen.
Große Städte im Südwesten hingegen sind meist gut versorgt mit Turbo-Internet. In der Landeshauptstadt Stuttgart sind etwa 88 Prozent der Haushalte ans Glasfaser-Netz angeschlossen. Damit so eine Quote auch in ländlichen Gebieten erreicht wird, hat die Landesregierung rund acht Milliarden Euro in den Glasfaser-Ausbau investiert. Doch bisher zahlt sich das nicht aus. Auf die Anfrage unserer Redaktion, wie der Ausbau beschleunigt werden soll, hat das Land nicht geantwortet.
„Nach wie vor investieren Anbieter lieber in Metropolregionen als in topografisch anspruchsvolle Gebiete“, sagt Jörg Schamberg. „Der Ausbau in Städten ist lukrativer und geht oft schneller.“ In dünn besiedelten Regionen dauere es länger, Gräben für die Kabel auszuheben. „Zwar hat Deutschlands Südwesten beim Ausbau in den letzten Jahren aufgeholt, kommt jedoch an den Norden nicht heran.“
Allerdings ist der Wechseldruck bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern offenbar gar nicht so groß. Wenn DSL und Kabel-Internet funktionieren, besteht laut Schamberg gar kein Anlass zum Wechsel. Glasfaser-Buchungen würden zwar steigen, doch in den vergangenen vier Jahren hätten sich jeden Monat durchgängig knapp die Hälfte der Verivox-Nutzer für einen DSL-Vertrag entschieden. Das liegt wohl auch am Preis. Laut dem Verivox-Experten gibt es kaum günstige Einstiegstarife fürs Turbo-Internet. Wem es genügt, mit 16 oder 50 Megabit pro Sekunde zu surfen, der findet für dieses Tempo gar keinen passenden Glasfaser-Tarif.
Verlegung von Glasfaser-Kabeln: „Der Ausbau in Städten ist lukrativer und geht oft schneller.“