Zwei schwere Schicksalsschläge

Bärbel Bas verliert nach Ehemann auch ihre geliebte Stieftochter

Der Rücktritt von Bärbel Bas hat vor allem persönliche Gründe. 2020 verstarb ihr Ehemann, Ende September 2026 ihre Stieftochter. Die 58-Jährige will sich Zeit nehmen, um ihre Trauer zu verarbeiten.

Bärbel Bas verliert nach Ehemann auch ihre geliebte Stieftochter

Bärbel Bas hat den sofortigen Rücktritt von ihren Ämtern als SPD-Co-Chefin und Bundesarbeitsministerin verkündet.

Von Markus Brauer

Bärbel Bas tritt als Bundesarbeitsministerin und als SPD-Chefin zurück. Die 58-jährige Duisburgerin begründet den Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union. Das hat die 58-jährige Duisburgerin am Montagmorgen (12. Oktober) in einer Stellungnahme auf Instagram bekannt gegeben. Sie gibt persönliche Gründe für ihren Rückzug an. Wir haben nachgefragt:

Ehemann Siegfried, Stieftochter Daniela

Siegfried Ambrosius, der am 22. September 2020 mit 79 Jahren verstorbene Ehemann von Bärbel Bas, hatte eine leibliche Tochter, Daniela, die am 26. September 2026 im Alter von 53 Jahren „im Kampf gegen eine schwere Krankheit“ verstorben ist. Ihre Familie hatte sich ganz bewusst dazu entschieden, die genaue medizinische Diagnose nicht öffentlich zu machen.

Daniela Ambrosius stammte aus einer früheren Beziehung und war somit die Stieftochter von Bärbel Bas. Da die Ehe zwischen Bas und Ambrosius kinderlos blieb, stand die Politikerin ihrer Stieftochter sehr nahe. Sie lebte in Duisburg, hatte an der dortigen Universität studiert und wurde von ihren Kollegen in den Sana Kliniken als eine äußerst aufrichtige, charakterstarke und geschätzte Persönlichkeit beschrieben. Ihre Familie hat weitere Details bewusst privat gehalten.

Rücktritt von allen Spitzenämtern

Aufgrund dieses schweren Schicksalsschlags und der folgenden Trauerphase hat Bärbel Bas am 12. Oktober 2026 ihren Rücktritt von ihren politischen Spitzenämtern als SPD-Co-Parteivorsitzende und Bundesministerin für Arbeit und Soziales bekanntgegeben.

2020 verlor Bärbel Bas ihren Ehemann

Siegfried Ambrosius war nach Aussage von Bärbel Bas die Liebe ihres Lebens, auch wenn 27 Jahre Altersunterschied sie trennten. 15 Jahre lang waren sie und ihr Mann, ein Paar, davon fünf verheiratet. Doch 2020 erschütterte ein Schicksalsschlag das private Glück der Politikerin, deren Mann ebenfalls in der SPD aktiv war. 39 Jahre lang war Ambrosius Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Duisburg.

Erst nach zehn Jahren Beziehung heirateten Bas und Ambrosius – aus einem ganz „unromantischen Grund“, wie die zukünftige Arbeitsministerin 2022 dem Magazin „Bunte“ verriet: Ambrosius habe an Parkinson gelitten. Durch die Eheschließung wollte das Paar für Notsituationen gewappnet sein, um nicht erst Vollmachten ausstellen zu müssen.

Siegfried Ambrosius starb am 22. September 2020 an einer Infektion, die infolge einer Operation am Rücken aufgetreten war. Ein Jahr später wurde Bärbel Bas zur Bundestagspräsidentin ernannt.

„Trauerfall im engsten Familienkreis“

Die Nachricht über Bärbel Bas’ neuen „Trauerfall im engsten Familienkreis“ wurde am 5. Oktober 2026 öffentlich bekannt. Anfang vergangener Woche entschuldigte die SPD die Abwesenheit von Bas mit Verweis auf die Ereignisse im privaten Umfeld der Politikerin. Bärbel Bas hatte bereits ab dem 23. September alle Termine abgesagt, um sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Jetzt tritt Bärbel Bas vorerst aus der ersten Reihe der Politik zurück. Und doch werde sie weiterarbeiten, kündigt sie an. „Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können“, heißt es in ihrer Erklärung an die Öffentlichkeit abschließend.

Bärbel Bas braucht ausreichend Zeit zur Trauer

„Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten“, schreibt Bas. Auch seien öffentliche Angriffe auf sie, „leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners“ in dieser schwierigen Zeit forciert worden.

Nun wolle sie sich ausreichend Zeit zur Trauer nehmen. Sie habe sich entschieden, sowohl das Partei- wie das Regierungsamt abzugeben, weil sie nicht die Kraft aufbringe, ihre Arbeit vollumfänglich zu erledigen.

Der Rückzug soll sofort erfolgen. Bas gibt an, ihren Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil informiert zu haben, den Posten als SPD-Chefin „mit dem heutigen Tag“ niederzulegen. Zugleich habe sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gebeten, sie aus dem Amt der Ministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.

Bas bleibt Bundestagsabgeordnete

Bas teilte in ihrem persönlichen Schreiben weiter mit: „Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.“

In ihrer Mitteilung bedankte sich Bas für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Die Mitarbeiter hätten eine starke Hausleitung verdient, „die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt“, erklärte sie. Auch der SPD-Spitze sprach sie Dank aus. Abgeordnete im Bundestag werde sie bleiben, erklärte Bas.

Im Wortlaut: Die persönliche Erklärung von Bärbel Bas

„Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen, heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch. Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.

Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben. Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.

Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.

Gleiches gilt für meine Partei. Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken. Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte.

Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen. Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.

Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können. Glück auf und Freundschaft,

Eure Bärbel Bas.“