Zwei Platzverweise, zwei aberkannte Tore: Der FC Bayern München fühlt sich im Topspiel bei Bayer Leverkusen von Schiedsrichter Christian Dingert klar benachteiligt.
Von dpa
Leverkusen - Uli Hoeneß war in Rage. Und so blies der Bayern-Patron nach dem turbulenten 1:1 des Rekordmeisters aus München im Topspiel bei Bayer Leverkusen zur verbalen Attacke auf die Referees. „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe“, polterte der Ehrenpräsident des souveränen Tabellenführers via „Bild“.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte umgehend auf das vernichtende Urteil des 74-Jährigen. „Die Kritik von Uli Hoeneß, die Schiedsrichterleistung sei schlecht gewesen, können wir nicht bestätigen“, konterte Alexander Feuerherdt, Kommunikationschef der DFB Schiri GmbH.
„Vor allem die spielrelevanten Entscheidungen waren korrekt oder zumindest vertretbar – mit Ausnahme der Gelb-Roten Karte, wie Schiedsrichter Christian Dingert ja auch selbst eingeräumt hat. Aber wir sprechen hier keineswegs von skandalträchtigen Fehlern“, sagte Feuerherdt der „AZ“.
Nach zwei aberkannten Toren und zwei Platzverweisen für Nicolas Jackson und Luis Diaz war allerdings auch Vincent Kompany nicht gut auf Dingert zu sprechen. Vor allem die Gelb-Rote Karte für Ausgleichsschütze Diaz wegen einer vermeintlichen Schwalbe erzürnte den Bayern-Trainer. „Ich habe immer großen Respekt für die Unparteiischen, aber das war eine Fehlentscheidung, die für viel Frust gesorgt hat. Warum er die Rote bekommt, weiß keiner im Stadion“, kommentierte Kompany die Szene in der 84. Minute.
„Man kann die Szene noch 300-mal anschauen, immer sieht man: Es gab einen Kontakt. Man kann darüber diskutieren, ob Elfmeter oder nicht. Aber die Gelbe Karte war eine Fehlentscheidung“, bekräftigte Kompany und klagte: „Dass er jetzt im nächsten Spiel fehlt, verstehe ich gar nicht.“
Diaz war im Strafraum von Leverkusens Torwart Janis Blaswich leicht am Bein getroffen worden. Der Kolumbianer ging zu Boden, stand aber sofort wieder auf. Dingert zückte dennoch die zweite Gelbe Karte für den Stürmer. „Das ist im Leben keine Schwalbe“, schimpfte Joshua Kimmich. Selbst Dingert räumte nach dem Abpfiff ein, dass „Gelb-Rot sehr hart“ gewesen sei. „Aus dem Spiel heraus habe ich wahrgenommen, dass der Spieler Diaz abhebt. Den anschließenden Treffer am Fuß habe ich nicht so wahrgenommen. Wenn ich jetzt die Bilder sehe, würde ich das so nicht mehr geben“, sagte der 45-Jährige. Leidtragender ist Diaz. Der Stürmer wird den Bayern am kommenden Wochenende – ebenso wie der wegen eines groben Foulspiels mit Rot vom Platz gestellte Nicolas Jackson – gegen den 1. FC Union Berlin fehlen. Denn um eine Sperre kommt er nicht herum. „Die Gelb-Rote Karte für Luis Diaz war eine Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Solche Tatsachenentscheidungen sind grundsätzlich endgültig“, sagte Feuerherdt dazu.
Zum Unmut der Münchner trug auch bei, dass ihnen nach Videobeweis zuvor bereits zwei Treffer von Jonathan Tah und Harry Kane – jeweils wegen eines vorangegangenen Handspiels – aberkannt worden waren. „Es hat sich so angefühlt, dass alles, was fifty-fifty war, gegen uns entschieden wurde“, sagte Sportvorstand Max Eberl. Vor allem beim aberkannten Kane-Treffer in der zweiten Halbzeit fühlten sich die Bayern benachteiligt. „Für mich ist es kein Handspiel. Er dreht sich weg“, sagte Tah. Ähnlich bewertete Bayern-Torwart Sven Ulreich die Szene. „Es ist manchmal schon fragwürdig mit dem Video-Schiedsrichter. Bei ganz klaren Entscheidungen kann man gerne eingreifen. Aber nicht beim Block, ob da noch ein bisschen Hand dran ist oder nicht. Er schießt ihn aus einem Meter an“, sagte der 37-Jährige.
Der Ex-Keeper des VfB Stuttgart avancierte bei seinem Comeback nach eineinhalb Jahren neben dem Referee zum zweiten Hauptdarsteller der Partie. Der Vertreter von Manuel Neuer und Jonas Urbig – die verletzt zuschauen mussten – rettete den Bayern mit zahlreichen Paraden erst den Punkt, zog sich jedoch einen Muskelbündelriss in den Adduktoren zu. Der FC Bayern hofft nun auf eine schnelle Genesung von Urbig für die Champions-League-Partie am Mittwoch gegen Atalanta Bergamo.