Im Kehlsteinhaus, auf dem 1835 Meter hohen, verschneiten Kehlstein oberhalb von Berchtesgaden, ist ein Großbrand ausgebrochen. Am Samstagmorgen wird noch gelöscht, das Ausmaß wird bisher nur zum Teil sichtbar.
Flammen schlagen aus der Berggaststätte auf knapp 2000 Metern Höhe, hoch über dem Touristenmagneten Berchtesgaden: Im Kehlsteinhaus am Obersalzberg ist am Freitagabend ein Feuer ausgebrochen. Das von den Nationalsozialisten errichtete Gebäude wurde weitgehend zerstört.
Die Polizei hält eine Brandstiftung als Ursache für möglich. Eine Person sei festgenommen worden. Ob diese Person im Zusammenhang mit dem Brand stehe, werde aber noch ermittelt. Laut BILD-Bericht soll es sich um einen Motorradfahrer handeln. Dieser sei Einsatzkräften auf dem Weg zum Brandort entgegengekommen und gestoppt worden.
Lokal international als „Adlerhorst“ bekannt
Das Kehlsteinhaus war in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. International ist das Ausflugsziel als „Eagles Nest“ bekannt, was mit „Adlerhorst“ übersetzt werden kann.
Kehlsteinhaus bis auf Weiteres geschlossen
Laut der Internetseite des Zweckverbandes Bergerlebnis Berchtesgaden sollte die Gaststätte in dieser Saison noch bis zum 8. November geöffnet sein. Am Freitag war das Lokal jedoch nicht geöffnet. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurden keine Menschen verletzt. Allerdings konnte das Areal auch am Morgen nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte. Aktuell heißt es auf der Homepage des Kehlsteinhauses, dieses bleibe wegen des Brandes „bis auf Weiteres geschlossen“.
Schwierige Anfahrt zum Berggasthof
Bereits die Anfahrt zum Kehlsteinhaus mit den Löschzügen war wegen der Lage des Gebäudes schwierig. Das 1.838 Meter hoch gelegene Haus am Obersalzberg ist schwer zu erreichen – normalerweise wird das Haus mit Bahnbussen der sogenannten Kehlsteinline erschlossen. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verläuft durch fünf Tunnel. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.
Die bereits am Freitagabend begonnenen Löscharbeiten liefen am Vormittag weiter. Die ersten Rettungskräfte waren nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Freitagabend um 21.52 Uhr eingetroffen und hatten einen Großbrand festgestellt.
Berggaststätte in NS-Zeit erbaut
Das Gebäude ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: „Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering.“ Adolf Hitler habe dort Diplomaten oder andere ausländische Gäste empfangen. „Viel häufiger nutzte es die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern.“
Landrat Michael Koller (l) lässt sich von den Einsatzkräften beim Brand im Berchtesgadener Kehlsteinhaus die Lage schildern.
Das Kehlsteinhaus vor dem Brand. In dem Gebäude soll zur NS-Zeit Adolf Hitler Gäste empfangen haben. (Archivbild)